


Wer keine Energiesparleuchten mag, muss sich jetzt eindecken. Kritiker bezweifeln hohes Sparpotenzial der neuen Leuchtmittel.
Berlin. Der Countdown läuft: Am 1. September zündet die erste Stufe zum Ausstieg aus dem Edison-Zeitalter. Von da an gibt es keine 100-Watt-Glühlampen mehr im Handel. Bei der Mattvariante trifft es zu diesem Zeitpunkt bereits alle Leuchtstärken. Zwölf Monate später folgt das Aus für alle Birnen mit mehr als 75 Watt. Im Herbst 2012 soll schließlich nach EU-Willen die letzte Glühlampe über den Ladentisch gehen.
Doch statt sich mit der neuen Technologie anzufreunden, gibt es vielerorts Hamsterkäufe. Die Kunden decken sich massenhaft mit den seit 130 Jahren bewährten Leuchtmitteln ein. Kim Mecklenburg hat bereits im Frühjahr alle einschlägigen Internetshops abgegrast. „Mir kommen keine Energiesparlampen ins Haus“, sagt die trendbewusste junge Frau. „Zu meinen edlen Designerleuchten passen keine Energiesparlampen.“
Inzwischen bekam sie mehrere Großpackungen geliefert. Die sind bei ihr zu Hause eingelagert. Auch Franz Hagerstolz hat „inzwischen einen Umzugskarton mit Glühlampen im Keller“, erzählt der End-Vierziger befriedigt. „Die sollten bis zu meinem Tod reichen.“
Keine Engpässe
So wie diese beiden Berliner, langten in den vergangenen Wochen viele Verbraucher bei Glühbirnen zu. „Wir haben aktuell ein Umsatzplus bei herkömmlichen Birnen von bis zu 30 Prozent zu verzeichnen“, sagt Stefan Mechnig, Sprecher des Rewe-Konzerns, zu dem die Baumarkt-Filialen Toom genauso gehören wie Penny, ProMarkt und Nahkauf.
Bisher gab es jedoch keine Engpässe, weil es noch genügend Nachschub von den Auslaufmodellen gibt. Auch der Heimwerkermarkt Bauhaus verzeichnete höhere Verkaufszahlen bei den künftig nicht mehr erhältlichen Leuchtmitteln. „Bei uns sind die Umsätze gestiegen“, bestätigt ein Sprecher von Bauhaus. Trotz der steigenden Nachfrage wird der Heimwerkermarkt vom 1. September an keine 100-Watt-Lampen mehr anbieten.
Beim schwedischen Möbelhaus Ikea gibt es bereits seit einiger Zeit kaum noch normale Glühbirnen. „Wir setzen seit Jahren auf Energiesparlampen“, sagt Pressesprecher Kai Hartmann. Der Verkauf dieser umweltfreundlicheren Leuchtmittel betrage bei Ikea 80 Prozent. Discounter Lidl schwenkt vorzeitig auf Energiesparlampen um. Große Plakate in den Verkaufsräumen machen Kunden auf die Trendwende aufmerksam.
Dort heißt es: „Lidl fördert aktiv den nachhaltigen Umweltschutz durch die Auslistung herkömmlicher Glühbirnen aus dem Sortiment. In den nächsten Monaten wird Lidl die Restmengen an herkömmlichen Glühbirnen abverkaufen und durch moderne Energiesparlampen als festen Bestandteil im Sortiment ersetzen. Lidl sieht dies als wichtigen Beitrag zur nachhaltigen CO2-Reduzierung.“ Die Hamsterkäufe bei herkömmlichen Birnen führten in jüngster Zeit sogar zum Rückgang beim Verkauf von Energiesparlampen, beobachtete Rewe-Sprecher Mechnig.
So war das vom Gesetzgeber nicht gedacht. Jedoch ist die Abneigung der Verbraucher gegen die „Ökobirnen“ hoch, und in der Kritik an den Minileuchtstoffröhren sind sich die meisten Kunden einig: Die Lampen sind wesentlich teurer, geben kaltes, unnatürliches Licht, es dauert lange, bis die volle Leistung erreicht ist und im Gegensatz zu den angepriesenen Versprechungen halten sie oft nicht lange. Dass diese Kritik berechtigt ist, bestätigten Tests der Zeitschrift Öko-Test. Sie kommt zu dem Fazit: „Energiesparlampen sind kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zu Glühlampen.“ Würden in Deutschland nur noch Energiesparlampen eingesetzt, brächte dies eine Stromersparnis von etwa sechs Prozent und vier Millionen Tonnen weniger Treibhausgase. Das Energiesparpotenzial der neuen Lampen sei also deutlich geringer, als die Werbung verheißt. Wer eine herkömmliche 60-Watt-Birne ersetzen will, müsse mindestens eine 15/16-Watt-Energielampe, besser noch eine mit 20/21 Watt einsetzen. Um sogenannten Elektrosmog – elektrische und magnetische Felder – zu vermeiden, rät Öko-Test, Energiesparlampen nur dort einzusetzen, wo der Abstand zum Körper mindestens ein bis anderthalb Meter beträgt.
Neue Modelle am Markt
Besondere gesundheitliche Belastungen sind nach Aussagen des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht zu erkennen. Beim Elektrosmog gäbe es keinen Unterschied zwischen herkömmlichen Glüh- und Energiesparlampen. Deshalb seien nach dem „derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten“. Auch der Anteil der ultravioletten Strahlung liege bei den üblichen Beleuchtungsstärken unter der Schädigungsschwelle.
Um den Verbrauchern die neue Leuchttechnik dennoch schmackhaft zu machen, kommen demnächst neue Modelle auf den Markt. Der Traditionsbetrieb Osram will die Kunden mit neuer Technologie locken. „Im August liefern wir neue Energiesparlampen aus, die einen wärmeren Lichtton haben als die bisher im Handel erhältlichen“, sagt Firmensprecherin Nadine Müller. Wer sich davon immer noch nicht überzeugen lässt, dem rät sie, auf Halogentechnik umzusteigen. „Die Leuchten sehen aus wie normale Glühbirnen und sparen bis zu 30 Prozent Energie.“ Auch diese sind ab August im Handel. Eine dritte Alternative seien LED-Leuchtmittel.
Einen Ersatz für die 40-Watt-Birnen wird es ebenfalls in diesem Monat geben. Um die richtige Lampe für den richtigen Zweck zu bekommen, sollten die Verbraucher sich ausführlich beraten lassen. So gebe es Modelle mit Quicklight-Technik. „Sie sorgt dafür, dass 60 Prozent des Lichts sofort nach Anschalten da sind.“
Für Räume, in denen das Licht häufig an- und ausgeschaltet wird, sei es sinnvoller, Leuchten mit hoher Schaltfestigkeit einzusetzen. „Denen macht es nicht so viel aus, wenn der Strom häufig an- und ausgeht.“
Marianne Rittner
| Ende einer revolutionären Erfindung |
| Unter der Nummer 223.898 ließ sich Thomas Alva Edison 1879 seine Glühlampe patentieren. Ein Jahr zuvor erhielt er das Patent für den Phonographen, den Vorläufer des Telefons. Beides funktioniert nur mit Elektrizität. Doch ein Stromnetz gab es vor 130 Jahren noch nicht. Deshalb entwickelte der pfiffige Erfinder aus Ohio auch noch Stromzähler und Dynamos. Nach dem Vorbild der Gasindustrie, die durch ihre Leitungen die Haushalte mit Energie zum Kochen, Heizen und Beleuchten versorgten, sollte die Glühbirne für den Anschluss der Häuser ans Stromnetz sorgen. Edison gründete bald die Firma Edison Electric Light Co., um die Vermarktung voranzubringen. 1883 kam es zur Kooperation mit Emil Rathenau und zur Gründung der Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität, der späteren AEG. |
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