Rikscha-Fahrer Thomas Tekath und Segway-Verleiher Christian Hampe gehen gern auf City-Tour Foto: Augen-Blick
Rikscha-Fahrer Thomas Tekath und Segway-Verleiher Christian Hampe gehen gern auf City-Tour Foto: Augen-Blick

Auf dem Surfbrett durch Berlin

In der Innenstadt boomen Rikschas und Segways. Auch für die Gewässer gibt es ungewöhnliche Fortbewegungsmittel.

Berlin. Gerade im Sommer lädt Berlin sowohl zur Städtetour als auch zum Ausflug ins Grüne ein. Bus und Bahn sind nur eine Möglichkeit, die Stadt zu erkunden. Neben Velotaxis und Rikschas sind neuerdings auch Segways und Surfbretter mit Paddel beliebte Fortbewegungsmittel.

Thomas Tekath fährt seit 13 Jahren Rikscha. An seinen ausgeprägten Waden- und Rückenmuskeln sieht man ihm das auch an. Immerhin wiegt das Gefährt ohne Fahrgäste bereits 80 Kilogramm. „Ich habe mir die Rikscha extra aus China kommen lassen.“ In einer großen Kiste verpackt, landeten die Einzelteile in Berlin. Thomas Tekath hat sie dann sorgfältig zusammengebaut und kutschiert seitdem Touristen durch seine Heimatstadt.

„Stadtkunde hat mich schon in der Grundschule fasziniert“, erinnert sich der ehemalige Spandauer. Elf unterschiedliche Touren bietet Tekath an. „Ich fahre Gäste aber auch dorthin, wo sie hin wollen.“ Das Fahren mit der Rikscha bietet sehr persönliche Einblicke ins Treiben der Metropole.

Tekath hat über Berlins Sehenswürdigkeiten viel zu erzählen und ergänzt die reine Stadtgeschichte um die eine oder andere Anekdote. So gibt er gern zum Besten, dass Teile des Films „Lola rennt“ im heutigen Hotel de Rome am Bebelplatz in Mitte gedreht wurden. Der Film brachte Schauspielerin Franka Potente den Durchbruch. Am Bebelplatz lag vor dem Umbau die ehemalige Geschäftszentrale der Dresdner Bank. Nicht weit davon entfernt, in der Charlottenstraße, drehte Roman Polanski mit Ex-007 Pierce Brosnan und Kim Cattrall („Sex and the City“) den Thriller „The Ghostwriter“.

Während Tekath entlang der Spree am Dom vorbeifährt, begegnet ihm der neueste Schrei in Sachen Fortbewegung: Segways. Die Roller mit Elektromotor sind eine Alternative zu all jenen Zweirädern, die mit Muskelkraft betrieben werden. Lautlos und leicht lässt sich mit dem Segway die Innenstadt in aller Ruhe erkunden, ohne Gefahr zu laufen, sich Blasen an den Füßen zu holen.

Gleichgewicht halten

Denn zwischen einzelnen Berliner Sehenswürdigkeiten liegen teilweise mehrere Kilometer Fußweg. Wegen des Motors dürfen Segways nur auf Radwegen fahren – oder auf der Straße. Deshalb ist ein Mopedführerschein Minimum. Einer, der diese in Berlin noch recht neuen Vehikel verleiht und auch vertreibt, ist Christian Hampe, Inhaber von „seg2go“ im Dom8Aquarée. Wer das neue Gefährt ausprobieren möchte, sollte etwas Zeit mitbringen. Denn es dauert etwa 20 Minuten, bis man auf dem Roller sicher fährt. Zwischen den beiden Rädern befindet sich eine Plattform, voll gespickt mit Elektronik. Sie berechnet anhand der Bewegungen des Fahrers aus, wo es lang geht.

Es geht also darum, das Vehikel mit dem Gleichgewicht zu steuern. Einen Lenker gibt es zwar auch, aber der dient mehr dazu, die Geschwindigkeit beim Vor- und Rückwärtsfahren zu bestimmen. Um so elegant wie Hampe durch die Gegend zu brausen, braucht es ein bisschen Übung. „Jeder, der noch nicht mit einem Segway gefahren ist, bekommt eine Einweisung“, sichert Hampe zu.

Inzwischen hält Tekath mit seiner Rikscha am Roten Rathaus. Zusammen mit seinen Gästen wirft er einen Blick auf die U-Bahnbaustelle, durch die die Grundmauern des alten Rathauses wieder zum Vorschein kamen. Tekath würde am liebsten das alte Berlin wieder neu erbauen. „Der Krieg hat so viel zerstört“, bedauert er. Als Mitglied des Vereins „Historisches Berlin“ setzt er sich dafür ein, dass das alte Rathaus in den neuen U-Bahnhof integriert wird und so ein Stück Stadtgeschichte sichtbar bleibt.

Die Gründung des Rathausstandortes an der Spandauer Ecke Königstraße (heute Rathausstraße) ist um 1270 datiert. Der eigentliche Rathausbau war ein zweigeschossiges Gebäude, dessen Erdgeschoss als Tuchhalle genutzt wurde. Im Obergeschoss fanden die Ratssitzungen und Zusammenkünfte der Tuchmacher- und Kaufmannsgilde statt.

Wem bei sommerlich-warmen Temperaturen der Fahrtwind auf zwei Rädern nicht reicht, kann sich auf dem Wasser abkühlen. Eine völlig neue Art, die Berliner Gewässer zu erkunden, ist das Paddeln auf einem Surfbrett – von Eingeweihten Sup Surfing genannt. Weniger Wind- denn Muskelkraft ist für dieses neue Vergnügen gefragt.

Führerscheinfreie Flöße

Die speziell angefertigten Bretter liegen stabiler auf dem Wasser als herkömmliche Surfbretter. Mit einem Paddel bewegen sich die Sup Surfer frei stehend voran. Bei „Nalani“ im Strandbad Friedrichshagen kann man nicht nur Bretter ausleihen, sondern auch Touren buchen.

Eine von ihnen führt durch die Kanäle von Neu-Venedig in Rahnsdorf, eine andere vom Seebad Friedrichshagen zum Köpenicker Schloss. Im Strandbad Friedrichshagen können auch Flöße ausgeliehen werden. Die Holzflöße mit Fünf-PS-Motor lassen sich auch ohne Bootsführerschein fahren – auf der Spree immerhin bis zur Oberbaumbrücke.

Marianne Rittner

 

„Bierbikes gehören nicht auf die Straße“

Experten weisen auf Probleme mit neuartigen Fortbewegungsmitteln hin.

Berlin. Neuartigen Straßen-Gefährten stehen die Berliner eindeutig kritisch gegenüber.

82 Prozent der Leser der Berliner Woche sprachen sich gegen weitere Segways und Rikschas in der Hauptstadt aus, nur 18 Prozent wünschen sich mehr solcher Gefährte. Vor alle die Bierbikes, fahrende Kneipentresen mit bis zu 16 Plätzen, hält auch Christian Tänzler von der Berlin Marketing GmbH wegen des Alkoholausschanks für problematisch. „Diese Gefährte lehnen wir ab. Sie gehören nicht auf die Straße.“

Segways und Rikschas seien dagegen sinnvolle Ergänzungen des touristischen Angebots. „Sie werden von Touristen geschätzt und gerne genutzt“, so Tänzler. Der Verein „Fuss“, der sich für die Belange von Fußgängern einsetzt, steht den neuen Mobilen mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Die Segways sind leise und daher für Fußgänger nicht zu hören“, nennt Stefan Lieb, Sprecher von „Fuss“, eines der Probleme. „Wir haben darauf gedrängt, dass solche Geräte nicht auf dem Bürgersteig fahren dürfen.“ Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, sagt: „Bei den Segways ist die Rechtslage klar. Ausnahmen von der Radwege- oder Straßenbenutzungspflicht gibt es nur für geführte Touren.“ Kritischer sieht die Behörde die Bierbikes: „In Düsseldorf gibt es deswegen einen Rechtsstreit. Wir warten daher ab, wie das Verfahren ausgeht.“


Preise und Verleih
Fahrten mit einem der vorgestellten Vehikel sind nicht ganz billig. Rikschatouren kosten etwa 40 Euro pro Stunde. Rikschafahrer findet man unter anderem bei BerlinRikschaTours, Tel. 0163-307 72 97, www.berlin-rikscha-tours.de, oder bei Thomas Tekath Rikschafahrten, Tel. 01578-250 84 73, Internet: www.thomas-tekath.de.
Segways fahren wie Rikschas vor allem in der Innenstadt. Die Preise liegen bei rund 20 Euro pro Stunde. Anbieter: Segtours Berlin, Tel. 0172-804 87 47, www.segtour-berlin.de; City Segway Tours, Tel. 24 04 79 91, Internet: www.citysegwaytours.com; seg2go, Tel. 75 63 95 93, Internet: www.seg2go.de.
Flöße können im Strandbad Friedrichshagen gemietet werden. Die kleine Variante für bis zu acht Personen kostet je nach Wochentag zwischen 140 und 160 Euro am Tag. Müggelseedamm 216, Tel. 645 57 56, Internet: www.flossundlos.de.
Ebenfalls im Strandbad Friedrichshagen bietet „Nalani Sup Surfing“ geführte Paddeltouren mit dem Surfbrett ab ca. 40 Euro an; Tel. 0160-96 38 70 17, Internet: www.nalani-supsurfing.com.

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