



550 Mitarbeiten sorgen dafür, dass im Neuköllner Estrel Hotel alles wie am Schnürchen läuft.
Berlin. Jetzt strömen sie wieder zu uns: Millionen von Touristen aus aller Welt zieht in der warmen Jahreszeit in die deutsche Hauptstadt. Sie übernachten in Hotels, Pensionen oder auf Campingplätzen.
Viele zieht es auch ins Estrel Hotel und Convention Center, das mit 17 Stockwerken und 1125 Zimmern der größte Komplex dieser Art in Europa ist. Dort treffen Geschäftsleute aus New York auf Touristen aus Ostfriesland, Prominente reisen an und Experten diskutieren auf Kongressen. Für Amüsement ist im Convention-Center gesorgt. Nur optimale Organisation und Technik sorgen für einen reibungslosen Ablauf.
„Oh, das ist ja riesig“, staunen Vater und Mutter Scholz aus Ostfriesland. Ihre beiden Kinder recken die Köpfe und starren nach oben zum 17. Stock. Sie stehen an der Ecke Sonnenallee und Ziegrastraße vor dem größten Hotel Deutschlands, das gesamte Ensemble gilt als Europas größter Veranstaltungs-, Unterhaltungs- und Hotelkomplex. Hinter der futuristischen Fassade verbergen sich ein Gewimmel von Gästen aller Couleur und ein geschäftiger Mikrokosmos von dienstbaren Geistern, um sie zu versorgen. Die Familie aus Ostfriesland will sich das Brandenburger Tor ansehen, die Übernachtung im Estrel ist bewusst gewählt. „Sieh mal, ist das nicht Franz Müntefering“, geht auch gleich das Geflüster der Eltern los. Immer fotobereite Japaner klügeln im Atrium beim Springbrunnen über ihren Sightseeing-Marathon. Politiker, Manager, Künstler und Sportler nutzen die Angebote für Kongresse, Tagungen und Amüsement.
Das Estrel-Direktionsgespann Ute Jacobs und Thomas Brückner ist sich einig: „Zwar ist Neukölln kein reicher Nobelbezirk, aber die Standortwahl war vielleicht genau deshalb goldrichtig.“ Die Kombination aus Großveranstaltungen und Bettenburg hat sich als Besuchermagnet erwiesen: Liegt doch laut Geschäftsleitung die Hotelauslastung bei rund 60 Prozent und der jährliche Umsatz bei über 50 Millionen Euro. Estrel-Pressesprecherin Mihaela Djuranovic ist ebenfalls stolz auf die bisherige Entwicklung: „Die Kongresse laufen so gut, dass wir gegenüber auf der anderen Straßenseite der Sonnenallee ein weiteres Kongresszentrum für 10 000 Besucher bauen werden, um die Nachfragen abdecken zu können.“
10 000 Brötchen täglich
Die vier Bettenhäuser des Vier-Sterne-Hotels umrahmen das glasüberdachte Atrium mit Springbrunnen, Restaurants, Bars, Boutiquen und Minimarkt. Vom Atrium geht es über eine Rotunde ins Festival-Center zur Doppelgänger-Show von Elvis Presley, dem Beatles-Musical oder der Abba-Story sowie in die Tagungsräume. Küchenchef Peter Griebel und sein Team sprinten zwischen zwei Küchen hin und her – die Gäste sind hungrig. Rund 10 000 Brötchen, die als Rohlinge angeliefert werden, gilt es jeden Tag zu backen. „Insgesamt sorgen wir täglich für 2000 Frühstücksportionen, 4000 Mittag- und 4000 Abendessen“, rechnet der Koch und Feinschmecker aus der Pfalz vor. Ob weiße Trüffel für Model Nadja Auermann, Spaghetti für Frank Müller aus Paderborn oder für ganz Eilige ein Sushi-Snack – Griebel kümmert sich darum. Und mit rund 1800 Veranstaltungen pro Jahr ist im Estrel immer was los. So entfaltet Griebel gern auch seine kreative Seite: Von ihm stammt ein Sushi-Automat, aus dem die Speise von einer weißbehandschuhten Hand gereicht wird. Seine beliebten Schokoladenbrunnen in unterschiedlichen Größen kommen bei Sonderveranstaltungen auf den Tisch. Da sprudelt dann je nach Wunsch weiße oder dunkle Schokolade, am Brunnenrand drapiert mit Fruchtstücken.
Während sich die Gäste in der Stadt umsehen, Eisbär Knut besuchen oder beim Fachkongress Probleme diskutieren, läuft die Maschinerie hinter den Estrel-Kulissen auf Hochtouren. 550 Menschen sorgen für einen reibungslosen Ablauf, rund 350 von ihnen im Hotel. Dazu kommen in Stoßzeiten zusätzliche Kräfte – so wie bei den Zimmermädchen, die ab 8.30 Uhr in ihrer dezenten Arbeitskleidung im Hotel unterwegs sind. Der Kubanerin Merci Espinosa und ihrer Kollegin Vida Sanchez werden maximal 25 Minuten für ein Zimmer samt Bad zur Reinigung zugestanden. „Anders ist das Pensum nicht zu schaffen“, wissen die zwei dienstbaren Geister. 15 bis 20 Zimmer stehen auf ihrer Liste, die jede von ihnen täglich abarbeitet. Dabei registrieren sie auch ganz genau, welche kleinen Souvenirs bei den Zimmergästen in der Beliebtheitsskala ganz oben stehen und nach deren Abreise aufgefüllt werden müssen: „Sehr beliebt sind Handtücher, gefolgt von Hotelkosmetik wie Seife, Duschgel und Shampoo. Aber auch Aschenbecher werden häufig als Andenken eingesteckt.“
Vergoldeter Wasserhahn
Für ganz verwöhnte Gäste, die sich etwas Luxus leisten wollen, gibt es natürlich auch die berühmten goldenen Wasserhähne – im höchsten Punkt des Bettenhauses, im 17. Stock, der Präsidentensuite. Da kommt Estrel-Geschäftsführer Brückner glatt ins Schwärmen: „Die 250 Quadratmeter große Suite mit Rundblick über die Stadt wird auch gern für private Silvesterfeten gemietet.“ Mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern, Wohnzimmer, Esszimmer und Küche lässt es sich gut leben. Die Suite ist mit edlem Marmor, original Meißner Porzellan, antiken Möbeln, Kunstwerken und einer vom übrigen Gebäude unabhängigen, separaten Stromversorgung samt Kameraüberwachung und eigenem Fahrstuhl ausgestattet. „Dort verkündete Tennisstar Boris Becker den Medien die Trennung von seiner Frau Barbara, Model Nadja Auermann war zu Gast und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder traf sich mit dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel“, zählt Brückner auf. Der Dalai Lama habe schon das Ambiente genossen, ebenso die beiden Brüder Thomas und Christoph Gottschalk.
Unsichtbar für die Gäste bleibt die Technik im Keller mit ihren computergesteuerten Schaltschränken und dem Gewirr aus großen und kleinen Rohren, die den riesigen Bau am Laufen hält. Heiz-, Sprinkler- und Lüfterzentrale gibt es jeweils im Doppelpack – einmal für den Hoteltrakt und einmal für das Festival- und Convention-Center. 120 000 Liter Löschwasser kommen dabei pro Sprinklerzentrale zusammen. Die Heizzentrale für das Hotel ist viermal so groß wie die fürs Convention-Center. Auf die Logistik im Estrel-Komplex ist Direktor Brückner besonders stolz. Ein eigener Gleisanschluss mit Bahnhof sorgt für eine unauffällige Anlieferung der Lebensmittel. Die verschwinden dann sofort in den Tiefen der Kühlräume im Keller. Aber auch Gäste, die mit der Bahn nach Berlin kommen, können sich direkt bis zum Estrel-Bahnhof fahren lassen.
„Nichteingeweihte verlaufen sich in den verzweigten Gängen und Veranstaltungsräumen garantiert“, weiß Griebel. „Selbst von den Angestellten kennt sich dort kaum jemand vollständig aus.“ Ihm jedoch sind die unterirdischen Gänge und Verbindungen vertraut – ist der pfiffige Koch doch seit Eröffnung des Hauses mit dabei und stürzt auf diesen Wegen von Küche zu Küche, von Vorratsraum zu Vorratsraum, von Lager zu Lager. Da liegt die Idee nahe, doch mal einen Marathon für die Angestellten durch das Kellerlabyrinth zu veranstalten, lacht Griebel und verschwindet wieder in einer der Küchen.
Gabi Zylla
| Boomende Touristenstadt Berlin |
| Der Tourismus in der Hauptstadt boomt. Diese Feststellung der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) untermauern die statistischen Zahlen. So gab es allein im vergangenen August mit 1,73 Millionen Übernachtungen ein Tourismus-Sommerhoch in Berlin. BTM-Geschäftsführer Hanns Peter Nerger betont, dass das ein Rekordwert ist, der einen Zuwachs von 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Besonders Spanier, Österreicher und Franzosen haben im vergangenen Sommer verstärkt Berlin besucht. Um weiter im Trend zu bleiben und ihn noch zu fördern, hat die BTM eine Kulturmarketing-Kampagne gestartet, deren Ziel es ist, das Image Berlins als Kulturmetropole zu festigen und Kultur als Magnet für einen Besuch der Stadt zu präsentieren. Dabei geht es um Berlin als Trendstadt, Entertainment, Klassik, Kunst und Zeitgeschichte. Genutzt werden dafür die Tageszeitungen und stark frequentierte Online-Portale wie www.max.de, www.focus. de, www.hotels.com und www. eventim.de. Geboten werden Veranstaltungstipps und Orientierungshilfen. Die Aktion wurde 2007 vom Senat mit drei Millionen Euro gefördert. |