Bis 2013 wird die Invalidenstraße in Mitte zum Verkehrsnadelöhr, weil eine Straßenbahntrasse zum Hauptbahnhof gebaut wird. Foto: Augen-Blick
Bis 2013 wird die Invalidenstraße in Mitte zum Verkehrsnadelöhr, weil eine Straßenbahntrasse zum Hauptbahnhof gebaut wird. Foto: Augen-Blick

Dauerstaustelle Berlin

Immer wieder sorgen Baustellen auf Hauptverkehrsstraßen wie der Avus oder Invalidenstraße für Unmut bei Autofahrern.

Berlin. In den kommenden Wochen rücken Bagger an vielen Stellen dem Asphalt zu Leibe. Bezirke und Senatsbauverwaltung nutzen die Zeit während der Schulferien, um Hauptverkehrsadern instand zu setzen.

„Sonne, Strand und Meer, das Wochenende an der Ostsee war toll“, erzählt Pia Raumer. „Nur die Heimfahrt war ein Horror. Bis Berlin haben wir acht Stunden gebraucht, weil die Autobahn völlig dicht war.“ Die Dauerstaustelle am Spandauer Damm ist noch nicht einmal ganz fertig, da wird die nächste Großbaustelle auf der Autobahn eröffnet: Bis 2014 werden an der Avus Fahrbahnen und Brücken erneuert. Fast 100.000 Autos passieren die für die westlichen Bezirke wichtige Autobahn pro Tag.

Wer mit dem Auto in die Sommerfrische startet, hat bereits in der Hauptstadt Schwierigkeiten durchzukommen. Besonders eng wird es in diesem Sommer in der Innenstadt. Zur Dauerstaustelle Unter den Linden gesellt sich bis 2013 die Invalidenstraße, eine zentrale Verkehrsader für den Autoverkehr in Mitte.

Baustelle Mitte

Vom 17. bis 31. Juli wird der Straßenbahnverkehr östlich der Chausseestraße eingestellt, um am Nordbahnhof ein Gleisdreieck zu bauen. Ziel ist es, die Gleise bis zum Hauptbahnhof zu führen. Das Tiefbauamt Mitte nimmt im Juli zudem die Instandsetzung der Heinrich-Heine-Straße zwischen Sebastian- und Annenstraße sowie der Torstraße zwischen Rosenthaler Platz und Gartenstraße in Angriff. Im westlichen Ortsteil des Bezirks sind die Straße des 17. Juni zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor an der Reihe, danach die Potsdamer Straße zwischen Lützowstraße und Schöneberger Ufer. Außerdem soll die Budapesterstraße endlich eine neue Fahrbahndecke erhalten und nach den Ferien auch die Weddinger Seestraße zwischen dem Autobahnanschluss bis Höhe Lüderitzstraße saniert werden.

Im Nachbarbezirk Reinickendorf wird an der Ein- und Ausfahrt der Bundesautobahn 111 in Höhe Holzhauser Straße gewerkelt. Gleichzeitig repariert das Tiefbauamt die Berliner Straße im Bereich der Straße Am Borsigturm in Tegel. Während der Ferien wird dort zudem die Buddestraße zwischen Gorki- und Brunowstraße repariert. Insgesamt erhielt der Bezirk Reinickendorf 2,3 Millionen Euro aus dem Schlagloch-Sonderprogramm des Berliner Senats.

Verkehrsengpass in Spandau

Ein Verkehrsengpass in Spandau befindet sich am Falkenseer Platz inklusive Neuendorfer bis Bismarckstraße und Am Juliusturm. Außerdem stehen die Bauarbeiten auf der Gartenfelder Straße noch aus. „Die Arbeiten konnten wir wegen des frühen Wintereinbruchs im vergangenen Jahr nicht beenden“, sagt Tiefbauamtsleiter Michael Spitza.

Auf der Ostseite des Theodor-Heuss-Platzes baggert das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. „Wir reparieren den Kaiserdamm bis zur Königin-Elisabeth-Straße“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

Ku’damm erst im Herbst

Als weitere Sommerbaustellen in seinem Zuständigkeitsbereich listet Gröhler Arbeiten an der Spichernstraße, am Hecker- und Spandauer Damm sowie zwischen Bolivar- und Kirschenallee auf. Etwa 2,5 Millionen Euro gibt der Bezirk für diese Reparaturen aus. Wegen der 125-Jahr-Feier beginnt der Aufriss des Kurfürstendamms laut Gröhler erst im Herbst. Ein schwacher Trost für Autofahrer. Im Süden der Stadt, in Steglitz, ist an der Autobahn 103 bis Mitte Juli die Ausfahrt Filandastraße gesperrt, danach die Saarstraße. Denn die Trasse wird zwischen Sachsendamm und Wolfensteindamm/Schloßstraße komplett erneuert. Rund 1,5 Millionen Euro will Lichtenberg verbauen.

An der Storkower Straße, Große-Leege-Straße, Alt-Friedrichsfelde sowie Falkenberger Chaussee wird bereits gearbeitet. Im Juli kommen Nöldner-, Marksburg- und Siegfriedstraße dazu. Im August dann Zingster, Andernacher Straße und Köpenicker Chaussee.

Dauerstaus gibt es zudem im Osten stadtauswärts auf der Bundesstraße 1/5 in Alt-Biesdorf. Ein weiteres Nadelöhr für den Autoverkehr sind weiterhin auch Karl-Marx- und Frankfurter Allee. Die für den Verkehr zwischen Mitte und dem östlichen Stadtrand mit Abstand wichtigste Magistrale ist zwischen Strausberger Platz und Gürtelstraße aufgerissen. In Köpenick müssen sich Autofahrer derweil noch zwei Jahren mit Baustellen rund ums Adlergestell arrangieren.

Entspannt in Pankow

Entspannung signalisiert Pankow. Dennoch bleibt die Blankenburger Chaussee in Karow stadteinwärts zwischen Bahnhof- und Tarnowitzer Straße gesperrt. Genauso die Berliner Straße zwischen Breite und Florastraße sowie die Pasewalker Straße bis Prenzlauer Chaussee. „Die Pasewalker sollte 2010 fertig sein“, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Grüne). „Aber als wir fertig waren, buddelten die Wasserwerke noch einmal alles auf.“

Auch der frühe Wintereinbruch habe einige Verzögerungen gebracht. Wegen unvorhersehbarer Ereignisse „lassen sich nicht immer alle Baustellen aufeinander abstimmen“, gibt der Stadtrat zu bedenken. „Wenn beispielsweise Geld da ist, muss es verbaut werden.“ Hinter den Kulissen kämpft Jörg Lange, Leiter der zentralen Verkehrslenkung Berlin (VLB), für die Freihaltung des 300 Kilometer langen Hauptstraßennetzes. Bei ihm melden alle Bauherren ihre geplanten Straßenbeeinträchtigungen an. Das reicht von Absperrungen vor einzelnen Häusern wegen Sanierung bis zu Großvorhaben im Autobahn- oder Eisenbahnnetz. Verbieten kann er Bauvorhaben jedoch nicht. So kam es 2010 im gleichen Zeitraum auf der A103 und der Schloßstraße zu Verkehrsbehinderungen. „Einer der Bauherren hätte verzichten müssen“, sagt Lange. Das Geld für die Reparaturen war aber freigegeben, keiner konnte umdisponieren.

Gut koordiniert

Der Verkehrslenker weist aber auch darauf hin, dass viele Baustellen gut koordiniert werden. „Nur, wenn wir unsere Arbeit gut machen, merkt es niemand“, sagt Lange. Als Beispiel für ein gelungenes Baustellenmanagement führt er den Bau des U-Bahn-Tunnels in Höhe der Französischen Botschaft an: „Wir haben eine Umleitungsstrecke über die Behrenstraße eingerichtet und an der wurden dann auch keine weiteren Baumaßnahmen in Angriff genommen werden“.

Mehr Informationen über aktuelle Baustellen in Berlin gibt es unter www.vmzberlin.de.

Marianne Rittner


Nachtarbeit ist kein Allheilmittel

Senat sieht nicht nur finanzielle Probleme.

Berlin. Seit Ferienbeginn gibt es zahlreiche Straßenbaustellen. Der Tipp „weiträumig umfahren“ hilft nicht weiter.

Abhilfe könnten Nacht- und Wochenendarbeit auf den Baustellen bringen. 84 Prozent unserer Leser votieren dafür, durch solche Sonderschichten Staustellen schneller zu beseitigen. „Nachtarbeiten sind wesentlich teurer“, sagt Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Fehlendes Geld in der Landeskasse ist aber nur eine Ursache für den Dauerstau.

„Wegen der schlechteren Sicht bei Dunkelheit gibt es aber zusätzliche Sicherheitsauflagen. Dadurch geht es auch nachts nicht viel schneller voran.“ Ein weiteres Problem ist der Lärmschutz. Bei der Sanierung der U-Bahntrasse Schönhauser Allee hagelte es massenweise Proteste von Anwohnern.

Steglitz-Zehlendorfs Verkehrsstadträtin Barbara Loth ist „froh, wenn es vorangeht und viel in Ordnung kommt“. An der Avus werde auch am Sonnabend gebaut.

Mehr Geld für die Straßensanierung fordert der ADAC-Verkehrsexperte Klaus-Ulrich Hähle: „Etwa 450 Millionen Euro wären nötig.“


Schlagloch-Sonderprogramm
Durch den frühen Wintereinbruch im Dezember und den monatelang anhaltenden Frost sind Berlins Straßen stark beschädigt worden. Deshalb hat der Senat das sogenannte Schlagloch-Sonderprogramm aufgelegt. Insgesamt 25 Millionen Euro bekommen die Bezirke für die Reparatur von Winterschäden. „Wir werden davon 15 Millionen Euro je nach Straßenanteil auf die Bezirke verteilen“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Die restlichen zehn Millionen Euro werden vom Senat je nach Dringlichkeit vergeben. Die Senatorin kündigte an, genau darauf zu achten, dass kein Bezirk seinen Etat für Straßenreparaturen kurzfristig für andere Belange einsetzt. Trotz des Schlagloch-Sonderprogramms können in diesem Jahr nicht alle Straßenschäden behoben werden. Nach einer Berechnung des ADAC sind für die Reparatur der Straßen etwa 450 Millionen Euro nötig. Mit dem Geld des Sonderprogramms kann daher nur ein kleiner Teil der Straßen geflickt werden. Für die grundlegende Sanierung des Straßennetzes fehlt hingegen ein Vielfaches der Mittel.

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