Der neue Terminal des BBI mit seinen Zufahrtstraßen nimmt immer mehr Gestalt an. 2012 soll die Eröffnung des neuen Großflughafens gefeiert werden. Foto: Christian Hahn
Der neue Terminal des BBI mit seinen Zufahrtstraßen nimmt immer mehr Gestalt an. 2012 soll die Eröffnung des neuen Großflughafens gefeiert werden. Foto: Christian Hahn

Der Terminal nimmt Gestalt an

Großflughafen Schönefeld: Geänderte EU-Sicherheitsbestimmungen erfordern eine Neuplanung des Innenausbaus.

Schönefeld. Eine Firmenpleite und neue EU-Richtlinien verzögern den Betriebsbeginn des neuen Großflughafens Schönefeld um sieben Monate bis Juni 2012. Der neue Zeitplan steht, der Umzug von Tegel zum Berlin Brandenburg International Airport (BBI) soll in einer Nacht über die Bühne gehen.

Auf dem Gelände der Feuerwache West erhält der Neubau gerade seine Fassade. Gerüste verdecken noch die Hauswand, Eisenträger ragen ins Leere, und Planen flattern im Wind. An moderne Technik wird bei dem Bau ebenso gedacht wie an die Mitarbeiter: „Im Innenhof der Feuerwache wird ein richtiger Beachvolleyballplatz für die Kollegen entstehen, und auch ein Fitnessstudio ist geplant“, so Flughafen-Pressesprecher Leif Erichsen. Nicht fehlen werde natürlich die Metallstange, an der die Feuerwehrleute bei Alarm zu den Autos runterrutschen. Ob im bitterkalten Winter oder in heißen Sommerwochen – mit viel Humor und guter Laune schafft es Karsten Pietz vom Unternehmen BIS/IKF für Ingenieursfassaden, sein 30-köpfiges Fassadenbauer-Team auch in Extremsituationen zu motivieren. An zehn Gebäudefassaden – vom großen Terminal bis zum kleineren Betriebsgebäude – bringen die Männer den Prototyp einer neuen Membranfassade an. „Die ist mit einer Mischung aus Teflon und Glasfasergewebe beschichtet, sehr gut zu reinigen und im Bedarfsfall auch auszuwechseln“, erklärt Fachmann Pietz.

Zwei neue Feuerwachen


Insgesamt drei Feuerwachen sorgen auf dem neuen Flughafen für den Brandschutz, den Rettungs- und Sanitätsdienst und die Bergung von Flugzeugen. Zwei davon werden ganz neu gebaut. „Egal, wo die Feuerwehrleute auf dem 2000 Fußballfelder großen Gelände gebraucht werden, innerhalb von drei Minuten ist der erste Wagen von einem der Standorte aus am möglichen Unglücksort“, betont Erichsen. 32 Meter hoch ragt das zentrale Terminalgebäude in den Himmel. Noch ist es eine riesige Baustelle, aber sie macht deutlich, in welchen Dimensionen dort geplant wird. Stolz weist Erichsen darauf hin, dass sich zum Beispiel die Gebäude des Flughafens an Berliner Bauarchitektur wie die der Neuen Nationalgalerie oder auch des Olympiastadions orientieren.

„Nur schade, dass jetzt alles erst ein halbes Jahr später fertig wird“, kommentiert Walther Wurlhers aus Nürnberg das Ganze. Der Elektriker ist mit seinen zwei Kindern extra in den Schulferien nach Berlin gekommen, um eine Baustellenrundfahrt mitzumachen – und ist begeistert. Angetan hat es ihm auch der Info-Tower mit weitem Blick über das Baugelände. Das Erlebnis haben sich seit 2007 rund 500.000 Tower-Besucher nicht entgehen lassen.

Der neue Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens am 3. Juni 2012 hat laut Berliner Flughafengesellschaft gute Gründe. Schuld sind einerseits neue EU-Sicherheitsvorschriften, die ab April 2013 wieder Getränke und andere Flüssigkeiten im Handgepäck von Passagieren zulassen. „Das bedeutet mehr Flächenbedarf und damit Platzprobleme beim Sicherheitsbereich des BBI“, erklärt Flughafen-Pressechef Ralf Kunkel. Denn das Terminal war für ganz bestimmte Scanner geplant, die nun wegen der Flüssigkeiten neu ausgelegt werden müssen. Sie sind doppelt so breit und viermal so schwer und haben so zum Beispiel auch Einfluss auf die Statik des ganzen Gebäudes. Andererseits hat bereits Anfang des Jahres die Firma für den Terminalausbau Insolvenz angemeldet. Daher, so der Flughafensprecher, sei der neue Innenausbau derzeit noch in Planung.

Eröffnung im Mai 2012


Der neue Zeitplan sieht 2012 gleich mehrere Eröffnungsveranstaltungen mit und ohne Öffentlichkeit vor. So können die Berliner über Pfingsten, 26. und 27. Mai, den Flughafen erkunden. Die offizielle Eröffnungsfeier soll am 30. Mai stattfinden, am 31. Mai und 1. Juni feiern Fluggesellschaften, Reisebüros und Mieter. Die offizielle Verabschiedung der alten Flughäfen Tegel und Schönefeld folgt dann am 2. Juni. Im Anschluss an diese Feier ist in der Nacht zum 3. Juni ein logistischer Kraftakt nötig – der Umzug von Tegel und Schönefeld zum neuen Airport BBI. Da wird dann alles abtransportiert, was nicht „niet- und nagelfest“ ist: die Koffertrolleys, Fluggastbrücken, Lotsenfahrzeuge, also alle mobilen Geräte, die am neuen Standort weiter verwendet werden. Diese Aktion ist laut Kunkel aus Kostengründen nötig, Tegel werde sofort danach geschlossen.

Bis dahin tummeln sich jedoch noch die rund 3000 Bauarbeiter im Ein-Schicht-Betrieb auf dem Gelände. Richtfest für den 72 Meter hohen Flughafentower wurde schon gefeiert, der Hauptpier am Terminal ist fast fertig, der Bereich für das geplante Regierungsterminal im Nordteil des neuen Flughafens wird bald der Bundesregierung übergeben, und die Grundsteinlegung für die Airport-City mit einem „Marktplatz“ für 150 Geschäfte und Restaurants, begrünter Mittelachse, Hotel und Bürogebäude steht noch in diesem Jahr bevor.

Auch die Arbeiten am Flughafenbahnhof unterm Terminal mit Gleisen für Nah-, Regional- und Fernverkehr laufen. Zurzeit sind zum Beispiel bei den Baustellenrundfahrten besonders die Baufortschritte beim Straßenbau, den Zufahrten und den Start- und Landebahnen zu sehen. „Weil der Flughafen so groß ist, bauen wir sogar Fahrradwege für die Mitarbeiter, die mit dem Rad kommen“, berichtet Erichsen.

Trotz der Ausmaße des Großflughafens Schönefeld, ein Aufstieg in die Liga der supergroßen Luftkreuze wie London Heathrow oder Singapur ist nicht geplant. „Bei uns gibt es einen Geschäftsfliegerbereich, aber unerwünscht sind die kleinen Hobbyflieger, die einfach nur den Verkehr stören“, so Erichsen. Für die schaulustigen Berliner und ihre Gäste bleiben weiterhin die Baustellentouren, um sich hautnah über den Fortschritt der Arbeiten zu informieren. Ein besonderes Angebot zum Schauen geht an die Sportlichen: „Wir laden am 21. August zum vierten Airportrun ein“, kündigt Kunkel an. Da geht es ab 9 Uhr vom Info-Tower quer über die neue Startbahn an Terminal und Flughafentower vorbei. Gelaufen werden zehn Kilometer oder ein Halbmarathon.

Anmeldungen sind unter www.berlin-laeuft.de möglich. Kurzentschlossene können sich am Veranstaltungstag ab 6 Uhr bis kurz vor dem Start um 9 Uhr nachmelden.

Gabi Zylla



BBI: Kosten, Zahlen und Fakten
Seit 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum neuen Hauptstadtflughafen BBI ausgebaut. Die Gesamtkosten sind auf 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. 138 Millionen Euro kostet die siebenmonatige Verzögerung der Eröffnung. Die Summe wird nach Auskunft der Flughafengesellschaft durch Umschichtung im bestehenden Finanzierungsplan kompensiert. Der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt, es bestehen Erweiterungsmöglichkeiten durch eine zweite Baustufe auf 45 Millionen Fluggäste. Es herrscht ein Nachtflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr, eine halbe Stunde vor und nach dieser Kernzeit dürfen nur verspätete oder verfrühte Flieger landen. Dazu kommt eine Beschränkung der Flugbewegungen zwischen 23 und 24 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr. Infos zu Baustellenrundfahrten unter Tel. 60912250 (Mo-Fr 9-15 Uhr) sowie im Internet unter www.berlin-airport.de.


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