



Vor einem Jahr zog der lokale Fernsehsender tv.berlin in die Axel-Springer-Passage – Einblicke in die Arbeit der Redaktion.
Berlin. 30 fest angestellte Mitarbeiter sind täglich für die Zuschauer von tv.berlin auf Berlins Straßen und im Studio in Kreuzberg im Einsatz. Der Sender hat seit Einzug ins Axel-Springer-Verlagsgebäude unter anderem auch die Zusammenarbeit mit der Berliner Morgenpost weiter ausgebaut.
Aylin Süner hat sie alle kameratauglich gemacht. DJ Bobo, Vitali Klitschko, auch eigentlich unmögliche Aufgaben wie den Profiboxer Arthur Abraham bekommt sie hin. Und jetzt mal wieder Sascha Lauterbach. Der das gar nicht nötig hat, denn der Wettermann von tv.berlin sieht von Natur aus immer so aus, als stünde er gleich vor der Kamera. Und so dauert es auch nur knapp drei Minuten, bis der Moderator auch technisch bildschirm-tauglich ist.
Starker Termindruck
Länger darf es aber auch nicht sein, denn der Termindruck ist stark. Erst geht es zur Familie Fink. Diese hat vor ein paar Wochen einen Welpen aufgenommen, der mit zwei Geschwistern bei minus 19 Grad in einem Karton ausgesetzt worden war, und jetzt will Sascha Lauterbach nachsehen, wie es ihm geht. Dummerweise befindet sich das neue Domizil direkt an der südlichen Stadtgrenze, in einer nur mühsam erreichbaren Siedlung, wo darunter auf der Karte ein großer grüner Fleck ist. Gut für den Hund, schlecht für Sascha Lauterbach. Denn die Fahrt dauert eine knappe Stunde. Danach ist noch eine Aufnahme vor dem Brandenburger Tor für das aktuelle Wetter geplant, und am Ende wird es ganz knapp für den Schnitt. Für Aylin Süner bleibt keine Zeit mehr.
Die Visagistin und der Wetterfrosch sind wie die anderen 30 fest angestellten Mitarbeiter vor einem Jahr vom Alexanderplatz in die Axel-Springer-Passage in Kreuzberg gezogen, an den Rand des Regierungsviertels und ins selbe Haus wie die Berliner Morgenpost, mit der tv.berlin eng zusammenarbeitet. Geschäftsführer Mathias Adler kommt gerade aus dem 16. Stock des Hochhauses zurück in die ebenerdigen, gläsernen Redaktionsräume seines Senders. Mit Morgenpost-Chefredakteur Carsten Erdmann hat er Themen abgesprochen. Was weiß tv.berlin, von dem die Morgenpost profitieren kann? Welche exklusiven Nachrichten kann die Zeitung dem Sender „stecken“?
Mathias Adler zieht eine positive Bilanz des ersten Jahres. „Die Wege sind kürzer geworden, sowohl für die Zusammenarbeit wie in unseren eigenen Räumen. Unter dem Fernsehturm haben wir uns ja fast verlaufen, so weitläufig war das“, sagt er. Und lässt durchblicken, dass sich auch finanziell ein Vorteil ergeben hat.
Gläsernes Studio
Das kommt den Inhalten zugute. Denn weniger Geld für Miete bedeutet mehr Kapazitäten für Technik und Inhalte. Stolz präsentiert er das gläserne Studio. Morgens sieht man hier ganz allein Agnes Fischer sitzen, wie sie die Moderation für das Frühcafé in die Kamera spricht. Von der Passage aus sieht man durch eine große Glaswand zu, an den Apparaten zu Hause schalten bis zu 180.000 Menschen in Berlin ein.
Die komplett neue Technik darf ruhig jeder sehen. Zwei automatische Kameras leisten die meiste Arbeit, die Hand gesteuerte kommt nur zum Einsatz, wenn mehrere Leute auf der Couch sitzen, um die einzelnen Beiträge besser einfangen zu können. Im Hintergrund sind große Glaskästen, in denen aus Pappe die Berliner Silhouette nachgebildet ist. Das vermittelt nicht den Eindruck, der Moderator befände sich irgendwo draußen, während er doch im Studio sitzt. Eine Bluescreen, die so etwas ermöglicht, wird nur selten eingesetzt. Wenn der Moderator vor dem Brandenburger Tor zu sehen ist, dann steht er auch dort.
Dahinter steckt ein Konzept, das Geschäftsführer Adler zusammenfasst: „Wir wollen mehr Live-Programm.“ Die Qualität soll steigen, der Bekanntheitsgrad damit auch, und die zunehmende Vernetzung innerhalb des Hauses Springers, aber auch mit öffentlichen Medien wie YouTube soll die Einschaltquoten langsam, aber beständig nach oben drücken.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Qualitätsoffensive ist die Runde. Nachmittags sitzen Experten in trauter Runde zusammen und erklären die politische Situation Berlins. Brilliante Analysen etwa von dem politischen Korrespondenten der Berliner Morgenpost, Joachim Fahrun, die der politisch Interessierte in dieser Ausführlichkeit nirgendwo sonst bekommt.
Politik ist wichtig, aber das Menschliche oder Tierische lässt die Herzen schneller schlagen. Und deshalb setzt sich Sascha Lauterbach, nach knapp einer Stunde endlich bei Familie Fink angekommen, erst einmal zum Kaffee an den Tisch. Das nimmt die Angst vor der Kamera, schafft Vertrauen, und am Ende kommen bessere Sequenzen heraus, als wenn man gleich drauf hält. Eine Stunde Zeit nimmt sich der Wetterfrosch, und das ist nicht nur Kommunikationstechnik. Denn die Liebe zu dem süßen Welpen Sophie ist nicht gespielt. Endlich wird gedreht. Tochter Isabel (13) spielt mit dem Hund, erzählt, wie sehr sie ihn mag und was er schon kann. Mutter Sylvia und Vater Uwe berichten noch einmal die Geschichte, wie sie als „Hundeeltern“ ausgewählt wurden.
Wieder im Auto sagt Sascha Lauterbach: „Da ist die Sophie wirklich gut aufgehoben.“ Und dann erzählt er. Wie schwer es ist mit Udo Waltz, der zwar professionell bereit ist, dem Reporter etwas in die Kamera zu sagen, aber nur einmal. Denn auch er erwartet Professionalität. Und wie schwer es ist, diese ganzen süßen Tiere, mit denen Lauterbach zu tun bekommt, nicht mit nach Hause zu nehmen. Und überhaupt, wie schön sein Beruf ist. Außer dem Stress. Denn er macht nicht nur den Wetterbericht. Er liefert auch Beiträge fürs Reisemagazin und andere Formate.
In den Redaktionsräumen sitzen derweil ein gutes Dutzend Redakteure und telefonieren, werten die Agenturmeldungen aus, verfassen Beiträge, sprechen mit den Moderatoren. Kurze Wege. Termindruck. Und Wetterdaten.
Sascha Lauterbach lässt die Anmoderation vom Brandenburger Tor einspielen, während er noch einmal die neuesten Wetterdaten durchgeht. Der Wetterexperte auf den Bildschirmen am Schneidetisch moderiert locker flockig, und dennoch exakt, es muss kaum geschnitten werden. Anerkennendes Nicken der Techniker. Der Mann liebt nicht nur Tiere, er versteht auch etwas von seinem Handwerk.
Ulrich Lenhard
| tv.berlin – Zahlen, Daten, Fakten |
| Einschaltquoten: täglich 180.000 Zuschauer, in zwei Wochen schalten 690.000 Berliner mindestens einmal ein. |
| Mitarbeiter: 30 fest angestellte Mitarbeiter, acht Kamerateams |
| Technik: Vollautomatisches Studio, Format 16:9 |
| Programm: Informationen aus der Stadt. Politik, Wetter, Sport, Gesellschaft. |
| Online: Unter www.tvb.de gibt es nicht nur neue Nachrichten und Reportagen, sondern auch ein Videoportal, in dem alle Sendungen in voller Länge noch einmal abgerufen werden können. |
| Synergien: Zusammenarbeit mit der Berliner Morgenpost und der BZ. Experten der Zeitungen sind regelmäßig in Sendungen zu Gast. Der Morgenpost-Sportchef Stefan Frommann etwa moderiert das Fußballmagazin „Querpass“, Gunnar Schupelius, Chefreporter der BZ, leitet die Diskussionsrunde „Schupelius fragt“. |
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