Jennifer Puchert hat Mitleid mit gequälten Tieren. Deshalb engagiert sich die 23-Jährige bei der WSPA. Foto: Augen-Blick
Jennifer Puchert hat Mitleid mit gequälten Tieren. Deshalb engagiert sich die 23-Jährige bei der WSPA. Foto: Augen-Blick
Um solche Tiere wie das verwaiste Orang-Utan-Kind im Nyaru Menteng Schutzzentrum in Indonesien kümmert sich die WSPA. Foto: WSPA
Um solche Tiere wie das verwaiste Orang-Utan-Kind im Nyaru Menteng Schutzzentrum in Indonesien kümmert sich die WSPA. Foto: WSPA

Die Tiere dieser Welt brauchen unsere Hilfe

Ob Affen in Südostasien, Hühner in China, Bären in Rumänien – die Welttierschutzgesellschaft nimmt sich den geschundenen Kreaturen an.

Berlin. Erst seit zwei Jahren hat die Welttierschutzgesellschaft ein Büro in Berlin. Seitdem kümmert sie sich um den Tierschutz in den entlegensten Regionen dieser Welt. Und da ist viel Überzeugungsarbeit gefordert.

Es ist der Tag, an dem sich für den Tierschutz etwas bewegt hat. Kein Meilenstein, aber doch ein Signal. Anlass genug jedenfalls für Jennifer Puchert, sich zu freuen. In Barcelona beschloss das Parlament am letzten Mittwoch im Juli, ab 2012 in der autonomen Region Katalonien auf das blutige Schauspiel des Stierkampfs verzichten zu wollen. Ein Sieg für die Gegner derartiger Veranstaltungen, ein kleiner Sieg auch für die 23-jährige ehrenamtliche Mitarbeiterin der Welttierschutzgesellschaft WSPA. Barcelona und seine Stiere sind weit weg, gewiss, aber noch relativ nah, im Vergleich etwa mit den Tanzbären in Indien, den gefangenen Bären in Rumänien, den Legebatterien in China, den Schweineschlachthöfen in Taiwan, den Lastpferden in Bogota, den verletzten und verwaisten Orang-Utans auf Borneo und Tausenden anderen misshandelten Tieren rund um den Globus. Sie alle bedürfen nach Ansicht des WSPA eines besonderen Schutzes. Das ist ein respektables Unterfangen, aber warum kümmern sich Menschen wie Jennifer Puchert um Probleme auf der anderen Seite der Erde, in fremden, exotischen Kulturen? Und dann auch noch um Tiere? Ein bisschen verrückt, oder?

Die ausgebildete Betriebswirtschaftlerin nickt. Sie weiß um die Schwierigkeit, Nachbarn, Freunde, Kollegen, Passanten für Probleme in der Dritten Welt zu interessieren, vor allem für Probleme der dortigen Tierhaltung. Sie selbst, sagt sie, sei ja auch lange „blind durch die Welt gegangen“. Man wisse „ja so wenig“ über die geknechteten Kreaturen auf vier Beinen. Nach einer Reise durch Chile und Argentinien allerdings wusste sie ein wenig mehr. Die südamerikanischen Straßenköter – verlassen, verlaust, verjagt – berührten ihr Herz. Seitdem richtet sich ihr Blick auf gequälte Tiere. Besonders Fernsehbilder großer Naturkatastrophen, zum Beispiel 2004 des Tsunami im Indischen Ozean oder Anfang des Jahres des Erdbebens in Haiti, lösten bei ihr die drängende Frage aus: Und wie erging es den Tieren dabei?

Mit genau solchen Fragen ist die junge Frau richtig bei der WSPA. Nach einem Praktikum in der Berliner Geschäftsstelle engagierte sie sich an Infoständen – etwa beim letzten „Umweltfestival“ auf der Straße des 17. Juni – und bei dem regelmäßig stattfindenden Berliner Tierschützer-Stammtisch. Ja, Borneo und seine Orang-Utans sind weit weg, aber die Schmerzen der Tiere bemessen sich nicht nach Flugstunden. Ihre Schmerzen sind auch hier zu spüren, in Herzen wie dem von Jennifer Puchert.

„Wir stehen am Anfang“

Bettina Praetorius setzt auf solche Menschen. Darauf, dass sie hier in der sogenannten Ersten Welt um Mitarbeit und Spendenmittel werben, dass sie aufklären und für das Thema sensibilisieren, damit vor Ort, in den „Schwellenländern“, geholfen werden kann. Die studierte Politologin ist Geschäftsführerin des WSPA, sie leitet die deutsche Dependance seit dem Umzug von Bonn nach Berlin vor zwei Jahren. Das Büro an der Reinhardtstraße in Mitte ist eines von weltweit 16, der Hauptsitz liegt in London. Nun also Berlin, nun mächtig viel Konkurrenz bei der Suche nach Öffentlichkeit und finanzieller Unterstützung. „Wir stehen in Deutschland“, gibt Praetorius zu, „noch ziemlich am Anfang unserer Arbeit.“ Im Vergleich etwa mit dem „World Wide Fund for Nature“ (WWF) ist der WSPA eher klein, in Deutschland zählt man 12.000 Unterstützer, aber groß genug, um einen Beraterstatus bei der UNO zu haben, gut organisiert genug, um in 156 Ländern rund 200 Projekte zu unterstützen, selbstbewusst genug, um eine Erklärung für den Tierschutz vor der UN-Vollversammlung zu fordern. Immer da, wo Not am Tier ist, sollen die lokalen Organisationen und Experten unterstützt werden, vor allem in Schwellenländern und nach Katastrophen. Keinesfalls will man mit der Moral und dem Wissen des fortgeschrittenen Teils der westlichen Welt die Menschen in den betroffenen Ländern bevormunden.

Denn in vielen Gebieten der Erde sind die Menschen seit Generationen auf die Tiere angewiesen, auf ihr Fleisch, ihre Arbeitsleistung. Besserwisserei wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt. „Man muss behutsam argumentieren“, sagt Praetorius, „Lösungswege aufzeigen, deutlich machen, dass ein pfleglicher Umgang mit den Tieren den Menschen sehr konkrete Vorteile bringt statt Nachteile.“ Ein gut versorgter Lastesel wird weniger krank und leistet mehr als ein geschundener. Das leuchtet auch einem Bauern in Kambodscha, Thailand oder Uruguay ein. So gibt es zum Beispiel schon einen Modellbauernhof in China, zugegeben: einen in ganz China. Es ist ein Engagement mit winzigen Schritten, das In-Gang-Setzen eines Wandels des Bewusstseins. Bettina Praetorius kam von dem Einsatz für Menschenrechte und Umweltschutz zum Tierschutz, sie sei, sagt die 43-Jährige selbst, „ein typisches Kind dieser Generation“. Der Weg bis zu den chinesischen Legebatterien war für sie nicht weit, denn es hänge ja „alles miteinander zusammen“.

Nicht provozieren

Anfang des Jahres ist die studierte Politologin auf diesem Pfad noch einen Schritt weiter gegangen. Nachdem sie Anfang des Jahres im Fernsehen Bilder vom „Finning“, also dem Abtrennen der Rückenflossen bei Haien, die nach dieser blutigen Prozedur halb tot auf den Meeresboden sinken und dort ganze Kadaverfelder bilden, sah, verzichtet sie auf Fleisch bei ihrer Ernährung. „Unerträglich“ findet sie solchen Umgang mit den Tieren, da wird sie, die doch sonst sehr konzentriert und sachlich wirkt, für einen Moment fast aufbrausend. „Man muss aber“, sagt sie gleich anschließend, „nicht Vegetarier ein, um bei uns mitzuarbeiten.“ Überhaupt verzichte der WSPA auf jede Radikalität, auch jenes allzu grelle Vorführen von Tierleid, mit dem andere Organisationen gerne die Menschen provozieren, vermeidet man. „Wir wollen nicht ausgrenzen“, sagt Praetorius, „wir wollen überzeugen.“ Die Orang-Utans von Borneo werden es zu schätzen wissen.

Kai Ritzmann



Die Welttierschutzgesellschaft in Berlin
In Berlin ist der Kreis der für die World Society for the Protection of Animals (WSPA) tätigen ehrenamtlichen Helfer noch recht klein. Nicht einmal 20 haben sich bisher zusammengefunden. Um neue Mitglieder zu begeistern, wird ein- bis zweimal im Jahr ein Workshop veranstaltet. Einen ersten Kontakt kann man aber auch bei dem jeden dritten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr tagenden Stammtisch der Berliner Tierschützer bekommen (die Lokalitäten wechseln, Informationen gibt es dazu unter Tel. 923722611). Auch um ein mindestens dreimonatiges Praktikum kann man sich bewerben. Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Grundstudium oder eine fertige Ausbildung und gute Englischkenntnisse (Infos unter Tel. 923722610).


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