

Am 1. Mai schaltet der Satellitenbetreiber Astra das analoge Fernsehsignal ab.
Berlin. Etwa 55.000 Haushalten in Berlin droht am 1. Mai ein schwarzer Bildschirm. Der Countdown läuft. Noch gut 250 Tage, dann schaltet der Satellitenbetreiber Astra das analoge Fernsehsignal ab. Wer bis dahin nicht auf digital umgerüstet hat, bleibt ohne Empfang. Für Kabelfernsehkunden und Antennenempfänger ändert sich dadurch nichts.
„Tatort“ in der Gartenlaube
„Muss ich mir einen neuen Fernseher besorgen?“ Gertrud Kreutzer aus Mitte ist verunsichert, ob ihr vor zwei Jahren gekauftes Röhrengerät noch funktioniert, wenn das analoge Signal abgeschaltet wird. Was die Seniorin gar nicht gemerkt hat: In Berlin wird bereits seit 2003 kein analoges Fernsehen mehr ausgestrahlt. ARD und ZDF gibt es nur noch digital. Der Umstieg auf die neue digitale Technik brachte für Antennenempfänger sogar mehr Programme. Gab es bis 2003 nur zwölf Fernsehsender, die terrestrisch – also per Antenne – zu empfangen waren, sind es nunmehr 35 Programme. Unter dem Motto „Überallfernsehen“ (DVB-T) lassen sich so sogar im Auto, auf dem Laptop oder in der Gartenlaube „Tatort“ oder Fußball schauen. Die Rentnerin aus Mitte muss also weder als Kabelkundin noch als Antennenempfängerin auf digitale Technik umrüsten.
Während 79 Prozent der Satellitenhaushalte in Berlin bereits digitalisiert sind, ist es beim Kabelfernsehen eher umgekehrt. Knapp 40 Prozent der Haushalte haben digitale Empfangsgeräte. „Solange die meisten Kunden noch analog gucken, wandeln wir die digitalen in analoge Signale um, bevor wir sie ins Kabel einspeisen“, sagt Magdalena Palewicz, Sprecherin von Kabel Deutschland für Berlin und Brandenburg. Weil die Digitalisierungsrate im Kabelgeschäft so gering ist, gibt es auch noch keinen konkreten Termin, zu dem die analoge Übertragung abgeschaltet wird. „Es ist noch zu früh, über eine Abschaltung nachzudenken“, so Palewicz.
Noch kein Termin
Dennoch nutzen Unternehmen das Argument der Abschaltung, um Kunden für digitale Angebote zu werben. „Sowohl Kabelbetreiber als auch die Telekom haben mir geraten, auf digitales Fernsehen umzusteigen“, sagt Rentnerin Gertrud Kreutzer. „Dann müsste ich mir aber schon wieder einen neuen Fernseher kaufen.“ Das will die Seniorin nicht. „Ehe Fernsehnutzer auf digitale Technik umrüsten, sollten sie prüfen, ob der DVB-T-Empfang per Zimmer- oder Hausantenne nicht ausreicht“, rät die Stiftung Warentest. In der Hauptstadt sind immerhin 35 Sender ohne weitere Zusatzkosten per Antenne auf dem Bildschirm zu sehen.
Den Umstieg auf die digitale Technik wollen sich einige Anbieter bezahlen lassen, indem sie frei empfangbare Programme wie RTL oder ProSieben verschlüsseln. Das gilt für das hochauflösende Fernsehen (HD+). Für den Empfang per Satellit ist eine sogenannte Smartcard nötig, die jährlich mit etwa 50 Euro zu Buche schlägt. Medienexperte Michael Bobrowski von der Bundesverbraucherzentrale: „ Wir lehnen die kostenträchtige Verschlüsselung frei empfangbarer Programme ab.“ So ließen sich manche Sendungen im HD-Format überhaupt nicht per Festplattenrecorder aufzeichnen, bei anderen könne die Werbung nicht übersprungen werden.
Ein weiteres Problem nach Ansicht der Verbraucherschützer: „Die verschiedenen Kabelbetreiber setzen unterschiedliche Verschlüsselungsprogramme ein.“ Wer beispielsweise von Berlin nach Köln umzieht, muss sich ein neues Zusatzgerät kaufen, weil das Kabelfernsehen in Köln anders verschlüsselt ist als in Berlin. Bereits eingebaute DVB-C Empfänger in Flachbildschirmen sind daher meist nutzlos.
Nicht hinnehmbar
Für gar nicht hinnehmbar halten die Verbraucherschützer die sogenannte Zwangsadressierung. Die Zugänge per Smartcard oder Internet lassen sich genauso wie die Handynummer einem Nutzer zuordnen. Dies berge die Gefahr, dass das Verhalten der Fernsehnutzer ausspioniert wird. Und dies wiederum widerspreche nach Ansicht des Berliner Datenschützers Alexander Dix dem Recht der Bundesbürger, sich frei und anonym zu informieren. Die Kabelbetreiber schieben den Schwarzen Peter an die Programmmacher weiter. „Nicht wir, sondern die privaten Rundfunkbetreiber sind die Rechteinhaber.“ Sie bestimmen, welche Sender in welcher Form empfangen werden können. „Es liegt an den Rechteinhabern, inwieweit sie die Gebrauchsmöglichkeiten einschränken“, bestätigt auch Telekom-Sprecher Georg von Wagner.
Ähnlich wie beim Fernsehen soll auch das Radio digitalisiert werden. Statt 30 Sender könnten dann mehr als 100 Sender auf dem gleichen Platz ihr Programm ausstrahlen. Die Vergabe der Kanäle ist bis 2015 festgelegt. Ob anschließend die analogen Programme wegfallen, ist derzeit noch nicht entschieden. Voraussichtlich wird die analoge Schiene über UKW noch weitere zehn Jahre genutzt. Die ersten zwölf Digitalsender sind seit 1. August mit neuen Empfangsgeräten bundesweit zu hören, darunter Klassikradio, Kiss FM und Deutschlandfunk.
Marianne Rittner

Die Deutschen sehen fast vier Stunden täglich fern.
Berlin. 321 Minuten verbrachten die Bundesdeutschen im vergangenen Jahr täglich vor dem Fernseher.
Nach den Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung sehen die Zuschauer davon auch tatsächlich 3,8 Stunden pro Tag fern. Vor zehn Jahren lag der Fernsehkonsum bei etwa drei Stunden täglich. Für etwa zwei Drittel der Bundesbürger gehört regelmäßiges und intensives Fernsehen zur Freizeitgestaltung. Mit zunehmendem TV-Konsum steigt jedoch offensichtlich die Unzufriedenheit der Zuschauer mit dem Fernsehprogramm. So wünschen sich 98 Prozent unserer Leser bessere Programminhalte. Sie zeigen sich damit wesentlich kritischer als die Fernsehzuschauer bundesweit. Denn nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach ist bundesweit nur gut die Hälfte mit dem Fernsehprogramm unzufrieden. Ebenso viele Zuschauer sind der Meinung, dass das Programm in der Vergangenheit eher schlechter geworden ist. Zu den Lieblingssendungen der Bundesbürger gehört Fußball, gefolgt von „Eurovision Song Contest“, „Wetten, dass…?“ und „Tatort“.
| Digitales Fernsehen |
| Der Satellitenbetreiber Astra stellt die Ausstrahlung analoger Signale ein. Denn „die digitale Ausstrahlung der Programme ermöglicht eine erheblich bessere Bild- und Tonqualität bei gleichzeitig geringerer Übertragungskapazität“, so Astra-Sprecher Stefan Vollmer. Eine dreifache Ausstrahlung der Programme in analoger, standard-digitaler (SD) und hochauflösender (HDTV) Qualität wäre nicht mehr wirtschaftlich. |
| Immerhin sind per Satellit 300 Programme aus aller Welt zu empfangen. |
| Wer per Satellit fern sieht, muss prüfen, ob dies noch analog erfolgt. Das lässt sich am besten über die Videotextseite 198 für die Sender Das Erste, ProSieben, RTL, Sat.1, ZDF oder RBB herausfinden. Wenn dort ein Hinweis zur Abschaltung des analogen Satellitensignals erscheint, ist der Satellitenempfang noch analog. |
| Bei analogem Empfang ist in den meisten Fällen nur ein neuer Digital-Receiver an Satellitenschüssel und Fernseher anzuschließen. Bei sehr alten Modellen ist eventuell noch ein neuer digitaltauglicher Signalumsetzer (Universal LNB) nötig. |
| Digitalisierte Haushalte kommen bereits in den Genuss von bis zu 300 Sendern. Wer außerdem in HD-Qualität sehen will, muss jedoch künftig mit zusätzlichen Kosten rechnen. Im ersten Jahr bietet Astra den Empfang von HD-Sendern noch kostenlos an. |