In Berlin laufen die Fäden zusammen: René Richter und Vivi Eickelberg vom Vorstand organisieren die Hilfe für Südafrika. Foto: Augen-Blick
In Berlin laufen die Fäden zusammen: René Richter und Vivi Eickelberg vom Vorstand organisieren die Hilfe für Südafrika. Foto: Augen-Blick

Erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe aus Berlin

Aids in Afrika: Die Hugo-Tempelman-Stiftung unterstützt die Versorgung von HIV-Positiven im Süden des schwarzen Kontinents.

Berlin. Von Berlin aus in Südafrika Aids-Kranken helfen – die Hugo-Tempelman-Stiftung tut das seit 2007. Aber das Netzwerk von Förderern und Unterstützern kann nicht groß genug sein bei 28 Millionen HIV-Positiven im Süden des schwarzen Kontinents.

Derzeit ist Südafrika in aller Munde, die Fußballweltmeisterschaft 2010 wird dort ausgetragen, und die besten Teams aller Kontinente reisen an. Der Fußball-Tourismus nach Südafrika boomt, es soll ein fröhliches Fest der Fans werden. Die Herzlichkeit der Menschen, ihre Gastfreundschaft und die überwältigende Landschaft – das wollen die Gäste sehen und erleben. Land und Leute haben es auch René Richter angetan.

Aber bei ihm geht es tiefer: Den 37-jährigen Event- und Marketing-Experten aus Berlin verschlug sein Job 2001 zur Vorbereitung einer Firmenreise zum ersten Mal nach Afrika. Jetzt ist er Mitglied im Vorstand der Hugo-Tempelman-Stiftung, die die Versorgung HIV-Positiver und Aids-Kranker in Südafrika unterstützt.

Verheerende Folgen


Die Geschäftsstelle der Stiftung ist in einem Alt-Berliner Mietshaus an der Oranienburger Straße in Mitte untergebracht, ebenso der Sitz von Richters Event-Firma. In den gemeinsamen Räumen der großen Wohnung geht es geschäftig zu. Ein Mitarbeiter telefoniert über Handy, einer übers Festnetz, eine Hand immer an der Computermaus. Richter unterbricht seine Arbeit am Computer, um zu erzählen, wie es zu seinem ehrenamtlichen Engagement kam. „Ich bin hingeflogen, um Afrika kennenzulernen, und habe damals alles gesehen, was Touristen so sehen – all das Schöne und Fremde.“ Dann aber, so Richter, habe er jemanden von einer südafrikanischen Kulturstiftung getroffen, mehr über das Leben dort erfahren und das Land neu erlebt. „Mir wurden die Dörfer gezeigt, ich habe Könige kennengelernt und auf dem Boden geschlafen.“ Und er hat von Aids und den verheerenden Folgen gehört.

Untrennbar verbunden mit der Aids- und Tuberkulose-Hilfe in Südafrika ist Hugo Tempelman. Der niederländische Allgemeinmediziner und seine Frau Liesje sind 1990 beim Urlaub in Südafrika „gestrandet“ und geblieben, um zu helfen. Zu helfen mit einem ersten Projekt, einem regionalen Krankenhaus im Township Elandsdoorn, nordwestlich von Johannesburg. Sein Stethoskop hängte der Arzt zeitweilig an den Haken, ging auf Sponsorensuche und begann 1994 mit dem Bau des Ndlovu Medical Center. Er tat sich mit seinem Landsmann und Sänger Herman van Veen zusammen, der sich auch stark für Projekte in Entwicklungsländern engagiert. Neben der medizinischen Versorgung gibt es inzwischen Beratung zu Mangelernährung, HIV-Therapieprogrammen, Aufklärung über HIV und Aids sowie ein Mutter-Kind-Schutzprogramm, um der Aids-Übertragung von Mutter auf Kind vorzubeugen. Aber auch ein mobiler Zahnarzt ist unterwegs, Müllsammelstellen sind eingerichtet, und ein Kulturzentrum entstand.

Auch Promis helfen


Der Dokumentarfilm „IThemba Afrika. Hoffnung im Kampf gegen Aids“ von Regisseur und Afrikakenner Kay Lottermoser über die Arbeit der Tempelmans und Herman van Veen gab 2007 den Anstoß zur Gründung der Hugo-Tempelman-Stiftung in Berlin. Mit dabei ist auch Vivi Eickelberg. Die quirlige 63-jährige Kulturmarketing-Frau kennt über ihre Arbeit van Veen und auch René Richter. Sie lebt in der Schweiz, pendelt aber als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung gern zwischen Gais und Berlin. Denn ganz wichtig: „Hier in der Zentrale werden Kontakte geknüpft – zu anderen Organisationen, zur Aidsstiftung, zur Tabaluga-Stiftung von Peter Maffay, zu Regierungsstellen.“ Bei den Gesprächen werden neue Projekte entwickelt und Erfahrungen ausgetauscht; auch Hugo Tempelman war schon zu Gast. Immer auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten nutzen die Mitglieder ihre vielfältigen Kontakte. Und sie bekommen Unterstützung von TV-Moderatoren wie Ingo Nommsen und Katrin Müller-Hohenstein, der Charité oder dem Maritim-Hotel Berlin. Manfred Teubner vom ZDF, die Politikerin und Autorin Dr. Antje Vollmer, Jörg Howe von der Daimler AG oder Professor Stefan Kaufmann, Direktor vom Max-Planck-Institut Berlin – sie alle sorgen dafür, dass das Hilfe-Netzwerk wächst. So werden im Max-Planck-Institut Biomarker zur Früherkennung von Tuberkulose und HIV/Aids entwickelt, gefördert von der Bill und Melinda Gates Stiftung. Ein Impfstoff gegen Tuberkulose, der möglichst auch für HIV-positive Kleinkinder verträglich ist, wird nach Deutschland nun in Südafrika geprüft. „Wichtig ist uns, dass wir nicht im Elfenbeinturm forschen, sondern in direkter Zusammenarbeit mit Partnern aus Ländern, wo diese großen Seuchen besonders wüten. Gerade die Zusammenarbeit auf gleicher Höhe ist das, was uns bestärkt“, so Kaufmann. „Will man als Privatperson helfen, wären Dauerspender mit fünf Euro pro Monat schon super, um längerfristig arbeiten zu können“, sagt Vivi Eickelberg

Hilfe zur Selbsthilfe wird dann vor Ort in Südafrika praktiziert. „Es ist faszinierend, wie gut das funktioniert“, meint René Richter. Er will mal ganz nach Südafrika gehen, wenn es sich machen lässt. Das sei seine zweite Heimat. Auch seine Frau sei bereits von Afrika begeistert. Aber noch hat Richter in Berlin seine Firma und wirkt von hier aus beratend. Die Selbsthilfe findet sich, so Richter, in allen Tempelman-Projekten. So werden im Theater Elandsdoorn nach dem Auftritt des einheimischen Chors, der Theatergruppe oder dem Kino Besucher über HIV aufgeklärt und Aids-Tests angeboten. Trinkwasserstellen, Sportplatz, Windelfabrik und Bäckerei – die von Tempelman angestoßenen Projekte laufen unter Regie der Einheimischen. „Nur bei Problemen wird Rat von außen geholt“, so Richter. So wurde durch eine Klinik in Elandsdoorn mit nachhaltigem Engagement ein Ort mit Infrastruktur für die Dorfgemeinschaft, neuen Arbeitsplätzen für die Region und besseren Perspektiven geschaffen. Und WM-Fußball wird es natürlich auf dem Sportplatz für die Dorfbewohner beim Public Viewing auch geben.

Gabi Zylla


Auf Spenden angewiesen
Weltweit sind rund 33 Millionen Menschen HIV-positiv; etwa 28 Millionen der Betroffenen leben in Afrika südlich der Sahara. Zwei Millionen Kinder haben durch die Krankheit ihre Eltern verloren. Jeden Tag gibt es 1900 Neuinfektionen, pro Jahr sterben dort mehr als eine Million Menschen an Aids. In Deutschland tragen circa 64.000 Menschen das Virus in sich. Organisationen wie die Hugo-Tempelman-Stiftung versuchen auf privater Ebene mit viel ehrenamtlichen Engagement und in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden, die Verbreitung des HI-Virus weltweit zu verhindern. In Deutschland wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter dem Motto „Gib Aids keine Chance“ auf Prävention gesetzt. 13,2 Millionen Euro stellte das Bundesministerium für Gesundheit dafür 2009 zur Verfügung. Die Tempelman-Stiftung ist auf Spenden angewiesen. Die Geschäftsstelle befindet sich an der Oranienburger Straße 50 in Mitte, Tel. 44 03 31 33. Spendenkonto: Weberbank Actiengesellschaft, Kontonummer 7777006, Bankleitzahl 10120100. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.hugo-tempelman-stiftung.de.


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