


Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Hund und Mensch. Tierschützer fordern mehr Auslaufgebiete – auch in der Innenstadt.
Berlin. Berliner sind tierlieb! Im Prinzip ja, aber… Während die ausschließlich in den eigenen vier Wänden gehaltenen Tiere nur in den seltensten Fällen Anlass zu Ärgernissen geben, kommt es immer wieder zu Interessenskollisionen mit Hunden und ihren Haltern.
Hundeattacken, Kot, als Freilaufgebiete genutzte Spielplätze, Grünflächen und Bürgersteige: Die Konfliktpotenziale sind vielfältig. Marcel Gäding vom Tierschutzverein Berlin sieht deshalb den Senat gefordert: „Es muss mehr Platz für Hundehalter und ihre Tiere in der Stadt geschaffen werden, damit es zu weniger kritischen Begegnungen mit anderen kommt.“
Am Vormittag tobt die zweijährige Golden-Retriever-Hündin Luna über den kürzlich der Öffentlichkeit übergebenen Hundeauslaufplatz an der Einmündung der Reichsstraße in den Spandauer Damm in Westend. Vergeblich versucht Frauchen, die junge Hündin dazu zu bewegen, die vorhandenen Spielgeräte zu nutzen und über die Wippe zu laufen oder das dachförmige Hindernis zu überklettern. „Das Gelände ist zwar schön, aber zu klein für den Auslauf. Hier kann man gut mit dem Hund spielen“, sagt die 40-Jährige, die in der Nachbarschaft wohnt.
110.000 Hunde
Für den Tierschutzverein ist die neue etwa ein Hektar große Anlage „vorbildlich“, wie Marcel Gäding sagt. „Die Stadt ist zu eng für die mehr als 100.000 Hunde. Deshalb sollte man in den Wohngebieten mehr Auslaufgebiete schaffen.“ Das ist auch der Inhalt einer jetzt veröffentlichten Resolution der Tierschützer unter dem Titel „Hundeauslauf: Leinen los in Berlin“. Darin wird die Verdopplung der gegenwärtig 33 Hundeauslaufgebiete gefordert, bevorzugt in Kieznähe. Gäding fragt: „Warum kann man Brach- oder Bauland in der Innenstadt nicht vorübergehend als Hundeauslauf nutzen?“ Die meisten der Hundeauslaufgebiete lägen am Stadtrand, wo es ohnehin schon genug Auslauf gebe.
Die Berliner und ihre Tierliebe: Die Statistik erfasste bei etwa 3,5 Millionen Einwohnern anhand der gezahlten Hundesteuer Ende vergangenen Jahres rund 110000 Hunde, knapp 1500 mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen die nicht steuerlich gemeldeten Hunde. Für andere Tiere gibt es keine verlässlichen Zahlen. Nach Schätzungen des Berliner Tierschutzvereins kommen noch 350.000 Katzen, 300.000 Kleintiere (Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse und andere) sowie 150.000 Sing- und Ziervögel hinzu. Bei den geschätzten derzeit rund 10.000 Exoten wie Affen, Schlangen, Echsen und Spinnen beobachten die Experten eine steigende Tendenz.
Wie eng und kritisch das Zusammenleben von Hund und Mensch im städtischen Ballungsraum sein kann, zeigt die Statistik: Im vergangenen Jahr gab es rund 720 Hundeattacken mit Bissverletzungen oder gefährlichem Anspringen, im Jahre davor waren es 860. Die Ordnungsämter, die neben der Überwachung der Hundebestimmungen noch viele andere Aufgaben haben, setzen unterschiedliche Schwerpunkte. So liegt die Zahl der festgestellten und geahndeten Hundevergehen beispielsweise in Charlottenburg-Wilmersdorf bei gut 100, in Steglitz-Zehlendorf bei rund 250 und in Marzahn-Hellersdorf bei knapp 400. Experten von Tierschutz und Zoofachhandel meinen, dass die tatsächliche Zahl der Vorfälle wesentlich höher liegen dürfte. Was nicht in der Statistik erfasst wird, aber täglich auf Straßen, in Park- und Spielanlagen geschieht, ist für viele ein großes Ärgernis. Vormittags in der Bergmannstraße in Kreuzberg: Zwei schäferhundgroße Mischlinge sitzen unangeleint vor einem Supermarkt. Eine Frau mit Kinderwagen kommt auf dem nicht sehr breiten Fußweg vorbei. Einer der Hunde erhebt sich, steckt die Schnauze in den Kinderwagen. Die Mutter – sichtlich verunsichert und erregt – sucht schnell das Weite. Nachmittags auf einem Spielplatz auf dem Wartburgplatz in Schöneberg: Drei Mütter mit ihren Kleinkindern beäugen misstrauisch drei junge Männer mit zwei großen, unangeleinten Hunden. Die Männer machen es sich auf einer Bank bequem, öffnen Bierflaschen und prosten sich zu. Die Hunde schnuppern derweil im Sand, urinieren an die Spielgeräte. Keine der Mütter traut sich etwas zu sagen. Sie nehmen ihre Kinder und gehen. Immer wieder sind derartige Stress-Situationen zu beobachten. Immer wieder wird ein „Hundeführerschein“ für die Halter größerer Hunde gefordert. Regelmäßige Appelle an die Hundehalte, Rücksichtnahme zu üben, verhallen.
Akzeptanz erhöhen
Aber es gibt auch Hundebesitzer, die sich bemühen, das Verhältnis zu hundelosen Nachbarn zu entschärfen. „Wir wollen die Akzeptanz für Hunde erhöhen“, sagt Silke Leupold von den „Hundefreunden Friedrichshain“. Sie selbst hat zwei Hunde. „Geeignete Hundeauslaufgebiete gab es in unserer Gegend gar nicht“, beschreibt die 36-Jährige die frühere Situation rund um die Revaler Straße. Deshalb sei es zu Spannungen gekommen. Schon in den 90er Jahren habe sich deshalb eine Selbsthilfegruppe gegründet, die später in einem eingetragenen Verein aufging. Die etwa 20 Aktiven und ihre Unterstützer betreuen einen Hundeauslaufplatz an der Revaler Straße sowie zahlreiche Hundetüten-Spender, die es auf Initiative des Vereins und mithilfe eines Sponsors jetzt gibt. Die Atmosphäre zwischen Tierhaltern und der Nachbarn habe sich entspannt, resümiert Leupold. Und es gebe einen weiteren Effekt: „Die Grünanlagen in unserer Gegend wurden deutlich entlastet.“
Auch andere Vereine bemühen sich um Entspannung zwischen Mensch und Hund. Beispielsweise die „Helfer auf vier Pfoten“: Ehrenamtliche besuchen mit ihren Tieren Kitas oder Grundschulen. Wie begrüßt man einen Hund, woran erkennt man, dass das Tier in Ruhe gelassen werden will? Wie verhalte ich mich richtig? Das sollen die Kinder lernen. Wieder andere Vereine besuchen mit den Tieren Senioreneinrichtungen. Der Kontakt mit Haltern und den Therapiehunden soll den Alltag der Bewohner beleben.
Matthias Berner
| Berliner Heimtiermesse |
| Fitness und Gesundheit sind die zentralen Themen der 5. Berliner Heimtiermesse vom 30. Oktober bis zum 1. November in der Arena Treptow. Trends und Neuheiten aus der Heimtierbranche werden gezeigt, ferner gibt es eine große Katzenausstellung an allen drei Tagen, Hundemodenschauen, Show und Unterhaltung. Und es gibt auch Angebote zum Mitmachen, beispielsweise „Zwölf goldene Regeln im Umgang mit Hunden“. Dabei lernen Kinder, wie man sich Hunden nähert und mit ihnen umgeht. Bei einem kostenlosen Gesundheitscheck können Messebesucher ihre Tiere von Tierärzten auf Allgemeinzustand und Fitness untersuchen lassen. Kontrolliert werden unter anderem Augen, Ohren, Fell oder Haut der Tiere. Neben Hunden und Katzen werden auch Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Rassegeflügel, Ziervögel, Schlangen und Reptilien nebst dem nötigen Zubehör ausgestellt. Händler, Züchter und Vereine beraten Interessierte. Arena Treptow, Eichenstraße 4, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Tageskarte 6,50, ermäßigt 5,50 Euro, Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Hunde und Katzen können mitgebracht werden, benötigen aber einen gültigen Impfausweis. S-Bhf. Treptower Park, Bus 147, 264 (Eichenstraße/Puschkinallee). |
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