Afrikanische Grillparty im Großen Tiergarten: Die Familie hält sich vorbildlich an alle Vorschriften.
Afrikanische Grillparty im Großen Tiergarten: Die Familie hält sich vorbildlich an alle Vorschriften.
Bei einem Kontrollgang durch den Tiergarten ermahnen ein Polizist und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Grillfreunde. Fotos: Augen-Blick
Bei einem Kontrollgang durch den Tiergarten ermahnen ein Polizist und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Grillfreunde. Fotos: Augen-Blick

Grillpartys bringen Parkschützer zur Weißglut

Tonnenweise Müll und verkohlter Rasen – Ordnungsämter und Polizei verstärken Kontrollen in öffentlichen Grünanlagen.

Berlin. Wie in den vergangenen Jahren hat sich auch in dieser Saison wieder die Debatte um das Grillen in öffentlichen Grünanlagen entfacht. In acht Bezirken gibt es 19 Grillplätze, in vier Bezirken herrscht absolutes Grillverbot. Bis zu 5000 Euro Bußgeld können Verstöße kosten.

Familienfeste, gute Laune, Musik und entspannte Stimmung, aber auch Brandunfälle, Massenschlägereien und Aggressionen – die Berliner Grillszene bietet alles. In den ausgewiesenen Grillbereichen gelten verbindliche Vorgaben, die durch Ordnungsämter und Polizei kontrolliert werden.

Das gegrillte Fleisch der Familie Quivi aus Mocambique duftet verlockend. Da kann Mittes Wirtschaftsstadtrat Carsten Spallek (CDU) der Aufforderung zuzugreifen nicht widerstehen. Auch einige Mitarbeiter von Polizei und Ordnungsamt werden schwach. Diese Grillparty im nördlichen Tiergarten ist ein Kindergeburtstag mit 30 Gästen, bei dem ausgelassen gefeiert wird. Die Kleinen toben, tanzen und naschen afrikanische Süßspeisen, bunte Luftballons schweben; Eltern, Verwandte und Freunde genießen das Treffen im Grünen. Dass eine „Grillstreife“ von Ordnungsamt und Polizei in das Vergnügen platzt, stört keinen. Im Gegenteil, sie werden mit afrikanischer Gastfreundschaft und Herzlichkeit willkommen geheißen.

Die Kontrolleure sind des Lobes voll. Familie Quivi macht grilltechnisch alles richtig. Das kleine Festzelt ist nicht im Rasen eingepflockt, der Grill hat genug Bodenabstand und sie haben Müllsäcke und Behälter für Aschereste dabei. „Wenn sich doch nur alle Griller so verhalten würden“, wünscht sich Mittes Ordnungsamtsleiter Harald Strehlow. Aber leider gibt es auch „die anderen“, die sich weder um die Grillordnung, noch um das Grün im Tiergarten kümmern. Und das sind noch viel zu viele. Nur so sind jedenfalls die sechs Tonnen Müll zu erklären, die 2009 pro Wochenende im Sommer an den Grillplätzen des Tiergartens beseitigt werden mussten. Dazu kommen verkohlter Rasen und Schäden an Bäumen und Sträuchern. Der Tiergarten-Müll entspricht laut Spallek einem Viertel des Gesamtmülls in Mittes Grünflächen. Bis September gehen daher Ordnungsamt und Polizei gemeinsam Streife. Sie schauen, ob wirklich nur in den dafür freigegebenen Bereichen des Tiergartens gegrillt und die Grillordnung beachtet wird.

Rund 300.000 Euro hat der Bezirk Mitte 2009 für die Beseitigung von 160 Tonnen Müll – eingesammelt an 25 Wochenenden – im Tiergarten ausgegeben. Dazu kommen die Kosten für das zerstörte Grün. Stadtrat Spallek wird sauer, wenn er daran denkt. An das von ihm und der CDU-Fraktion favorisierte Grillverbot in dem Gartendenkmal ist aber wegen der politischen Mehrheiten in der Bezirksverordnetenversammlung nicht zu denken. Die hat sich für das Grillen ausgesprochen. Genauso wie Spalleks Kollege Ephraim Gothe. Der SPD-Baustadtrat sieht darin „gelebte Integration“. Zwar sei das eine Belastung für den Tiergarten, aber die sei gerechtfertigt, wenn Menschen ohne eigenen Garten einen friedlichen Nachmittag erleben. „Der Müll ist in Kauf zu nehmen, außerdem gibt es genug große Müllbehälter“, so Gothe. Gleichzeitig verweist er auf die Kontrolleure und deren erzieherischen Appelle, sorgsam zu sein.

„Grillen in Maßen“


Der Pankower Stadtrat für öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen), weiß, dass vom Mauerpark an einem Grillwochenende etwa 4,5 Tonnen Müll abgefahren werden. Und auf dem benachbarten Falkplatz in Prenzlauer Berg ist das Grillen seit 2009 verboten. Gab es doch auch dort tonnenweise Müll und massive Anwohnerbeschwerden wegen Lärm- und Geruchsbelästigung. Kirchners Erfahrung: „Gegrillt wird inzwischen überall. In Prenzlauer Berg sogar auf dem Bürgersteig.“ Er finde „Grillen in Maßen“ in Ordnung. „Da kann doch keiner was dagegen haben, wenn der Müll mitgenommen wird und alles friedlich bleibt“, so der Stadtrat.

In Kreuzberg ist es zum Beispiel der Görlitzer Park, der Ordnungsamtsleiter Joachim Wenz Sorgen bereitet. Abfall, Flaschen, Scherben, Schäden. Und immer wieder wird in Parks wild gegrillt. „Wir haben mit 28 Außendienstlern zu wenig Personal, sind aber trotzdem einmal pro Woche überall präsent.“ Diese Mitarbeiter seien für alles zuständig, nicht nur für Grillkontrollen. Dem oft sehr hohen Aggressionspotenzial der Grillsünder würden gemeinsame Aktionen von Ordnungsamt und Polizei entgegengesetzt, so Wenz. Ein Grillverbot sei keine Lösung, etwas Verständnis sei gefragt. „Die Erfahrung lehrt, dass bei Verbot erst recht wild gegrillt wird.“

Absolutes Grillverbot


Offizielle Grillplätze gibt es in Neukölln schon lange nicht mehr. Das absolute Grillverbot basiert auf einem Beschluss der Bezirksverordneten von 1988. Heute sagt Baustadtrat Thomas Blesing (SPD): „Wir machen das richtig, es geht nicht anders.“ Der Bürger brauche klare Ansagen. Genehmige man ein paar Grill-Quadratmeter, werde bald die ganze Grünanlage in Beschlag genommen. Grillen bringe nur zusätzliche Probleme mit heißer Glut und Abfällen. Schon ohne Griller seien besonders der Volkspark Hasenheide und der Park am Buschkrug stark übernutzt. Gegen wildes Grillen laufen Kontrollen von Ordnungsamt und Polizei. „Man kann auch ohne zu grillen im Grünen glücklich sein – zum Beispiel beim Picknick mit Kartoffelsalat“, so Blesing. Denn Picknick ist erlaubt, wenn die Reste entsorgt oder mitgenommen werden.

Stolz ist Blesing auf das Abfallbehältersystem in der Hasenheide. „Die quadratischen Behälter aus Drahtgeflecht fassen einen Kubikmeter Abfall und stehen in Sichtweite zueinander, da sie bei weiteren Wegen keiner nutzen würde.“ Nach oben verjüngen sie sich wegen der Krähen. „Sie werden gut angenommen und sind mit weniger Aufwand und billiger zu leeren als die Fünf-Kubikmeter-Container im Tiergarten.“ „Unverständlich“ ist dem Neuköllner Stadtrat, wie Grillen in Nachbarschaft vom Anwesen des Bundespräsidenten im Tiergarten erlaubt werden kann. Aber für Mittes Stadtrat Gothe hat die Nähe symbolische Bedeutung: „Das Grillen im Tiergarten hat sich über Jahrzehnte entwickelt und ist eine Besonderheit, die toleriert wird.“

Versuche und Vorschläge, die Grillszene in den Griff zu bekommen, gab es schon viele: von fest installierten Grills über Gebühren und Grillpolizei bis zum Verbot. Halten sich die Grillfans an die Regeln, braucht es nichts davon.

Gabi Zylla



Gesetze und Grillplätze
Auf Privatgrundstücken ist Grillen grundsätzlich erlaubt, solange sich die Nachbarn nicht belästigt fühlen. In öffentlichen Grünanlagen erlaubt das Berliner Grünanlagenschutzgesetz Grillen nur auf dafür ausgewiesenen Flächen. Die Zuständigkeit liegt bei den Bezirken. Keine Grillflächen gibt es in Marzahn-Hellersdorf, Neukölln, Reinickendorf und Spandau. Ganz neu sind zwei Grillplätze auf dem Tempelhofer Feld beim ehemaligen Flugplatz Tempelhof. Der wohl größte Grillbereich liegt mit 30 Hektar im nördlichen Teil des Tiergartens zwischen John-Foster-Dulles-Allee, Spreeweg und Straße des 17. Juni. Weitere Grillplätze: Monbijoupark (Oranienburger Straße, Mitte), Mauerpark (Schwedter Straße, Prenzlauer Berg), Görlitzer Park (Wiener Straße, Kreuzberg), Volkspark Friedrichshain (Kleiner Bunkerberg), Wiese Blücherplatz (Kreuzberg), Rudolf-Mosse-Platz (Mecklenburgische Straße, Wilmersdorf), Preußenpark (Württembergische Straße, Wilmersdorf), Ludwigsfelder Straße (Zehlendorf), Parkanlage Düppel-Nord (Wiesenschlag, Zehlendorf), Treptower Park (Nähe Insel der Jugend), Schlesischer Busch (Am Flutgraben, Alt-Treptow), Stadtpark Lichtenberg, Rudolf-Seiffert-Grünzug (Rudolf-Seiffert-Str., Lichtenberg), Fennpfuhlpark (Anton-Saefkow-Platz, Lichtenberg), Hagenower Ring/Hechtgraben (Lichtenberg). zy


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