Großbaustelle Zoofenster: Nach Fertigstellung des 118 Meter hohen Gebäudes soll dort Ende 2011 das Hotel Waldorf Astoria eröffnen. Foto: Augen-Blick
Großbaustelle Zoofenster: Nach Fertigstellung des 118 Meter hohen Gebäudes soll dort Ende 2011 das Hotel Waldorf Astoria eröffnen. Foto: Augen-Blick
Das Bikini-Haus an der Budapester Straße soll umgebaut werden. Foto: Augen-Blick
Das Bikini-Haus an der Budapester Straße soll umgebaut werden. Foto: Augen-Blick

Großbaustelle Breitscheidplatz

Im kommenden Jahr sollen auch die Arbeiten am Zoobogen beginnen – Händler hoffen künftig auf mehr Umsatz.

Berlin. Der Bahnhof Zoo war bis zur Eröffnung des Hauptbahnhofs im Jahr 2006 für Berlin-Besucher das Tor zum Herz der City-West. Seitdem die Fernzüge nicht mehr dort halten, ist es am Hardenbergplatz ruhiger geworden.

Ob Theater, Kino oder Kunsthalle – das westliche Kulturzentrum hat sich zugunsten der neuen Mitte zurückentwickelt. Vier Bauvorhaben sollen nun das Areal zwischen Europa-Center und Bahnhof Zoo wieder zu dem werden lassen, was es einmal war: das pulsierende Herz der City-West.

„Die Kundenfrequenz ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken“, meint Georg Seyfried, Geschäftsführer vom Skatestore p.x.-berlin. „Das Weihnachtsgeschäft lief beispielsweise gar nicht gut.“ Wie lange sein Geschäft noch neben dem Zoo-Palast zu finden ist, weiß er nicht genau. Die Mietverträge für die Einzelhändler im sogenannten Bikini-Haus würden nur kurzfristig verlängert. „Damit lässt sich schwer planen“, so Seyfried. Durch sein Schaufenster blickt er direkt auf die Baustelle des Zoofensters. 118 Meter hoch wird das neue Wahrzeichen der City-West. Bisher stehen sechs Stockwerke. Vom Dönerstand an der Kantstraße hat man den besten Blick auf das Baugeschehen am Zoofenster. Ende 2011 ist dort die Eröffnung des Luxus-Hotels Waldorf Astoria vorgesehen.

Auch der Zoobogen verändert sich. Der Investor, die Bayerische Bau und Immobilien Gruppe, will ihm im nächsten Jahr ein neues Gesicht verpassen. Zum Zoobogen zählen das Hutmacher Haus am Hardenbergplatz, 1957 als Bürohaus für die Damenoberbekleidungsindustrie eröffnet, der Zoo-Palast, das Bikini-Haus und die „Blaue Kugel“ neben dem Eingang zum Zoologischen Garten am Elefantentor. Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, ist zuversichtlich: „ Im Herbst unterzeichneten wir mit dem Investor einen städtebaulichen Vertrag, der den Umbau regelt.“ Danach soll vor allem die unter Denkmalschutz stehende Nachkriegsarchitektur erhalten bleiben.

Schachtelkinos verschwinden

„Das Bikini-Haus hatte ursprünglich im ersten Stock ein offenes Luftgeschoss, durch das man den Zoologischen Garten sehen konnte“, so Gröhler, wie das Gebäude zu seinem Namen kam. Später wurde diese Etage verglast. „Den Durchblick zum Zoo soll es nun wieder geben.“ Im Zoo-Palast wird kräftig umgebaut. Bis 1999 war das Premierenkino Herzstück der Berlinale. „Der große Premierensaal bleibt erhalten“ so Gröhler. Jedoch verschwänden die Schachtelkinos. „Im künftigen Multiplex sind mehrere größere Vorführräume vorgesehen.“

Im Bikini-Haus planen die meisten Geschäftsleute wegen der seit Jahren geplanten Umbauarbeiten eher kurzfristig. Im Erdgeschoss haben derzeit ein Laden für orientalische Wohnaccessoires, die Wohlthat’sche Buchhandlung, die Boutique p.x.-berlin sowie mehrere Taschen- und Schuhläden und ein Ein-Euro-Shop ihr Domizil. Der aktuelle Räumungsverkauf in der Wohltatschen Buchhandlung dient allerdings eher dazu, die Regale zu leeren, weil der Verkaufsraum noch einmal neu aufgestellt werden soll. Nach dem Umbau ist für 2012 in den drei obersten Etagen des Bikini-Hauses ein Design-Hotel konzipiert, in den unteren Stockwerken soll ein modernes Einkaufszentrum mit Marktständen entstehen.

Die blaue Kugel, in der einst Sabine Christiansen ihre Talkgäste empfing, wird dagegen abgerissen. Dort soll sich künftig der Eingang für das Hotel befinden. In diesem Monat kündigte die Bayerische Bau und Immobilien Gruppe an, den Bauantrag für den Zoobogen im Sommer einzureichen. Als „Bikini Berlin“ werden die 90.000 Quadratmeter Geschäftsfläche bereits weltweit vermarktet.

Aufregendes Zentrum
 
„Mit einer Mischung aus gehobener Gastronomie, Einzelhandel, Wellness, Büros, dem Kino Zoo-Palast und einem Hotel wollen wir dem ehemaligen Zoobogen wieder den Status eines aufregenden Zentrums verleihen, den er in den 50er Jahren hatte“, so Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe.

Uwe Timm, Geschäftsführer des Europa-Centers ist überzeugt: „Die Neu- und Umbauten werten den Breitscheidplatz auf.“ Schon jetzt sei der neue Durchblick zur Kantstraße ein Gewinn für den bei Touristen sehr beliebten Platz mit dem Weltenkugelbrunnen. Timm hofft zudem auf eine Belebung der Geschäfte an der Rückseite des Centers. „Seit einiger Zeit achten wir bei Neuvermietungen darauf, die Durchlässigkeit zu erhöhen.“ Künftig sollen alle Läden zur Budapester Straße hin geöffnet sein, damit die Kunden von dort direkt ins Center gelangen können. Auch die AG City setzt auf Belebung durch die Neugestaltung. „60 Prozent des Umsatzes in den Geschäften werden durch Touristen erzielt“, so das Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft, Gottfried Kupsch. Kehre rund um den Breitscheidplatz wieder mehr Leben ein, profitieren auch die ansässigen Händler von der erhöhten Frequenz.

Zum neuen Gesicht der City zählt zudem das Schimmelpfeng-Areal zwischen Kürfürstendamm und Kantstraße. Der Überbau über die Kantstraße wurde bereits abgerissen. Das Bürohaus gegenüber der Gedächtniskirche soll einem Neubau weichen. Als Pendant zum Hochhaus Zoofenster soll es etwa genauso hoch werden wie das künftige Waldorf Astoria. Nach den Plänen des Architekten Christoph Langhoff sind auch zwei Türme vorgesehen. „Wir planen 30.000 Quadratmeter Büro- und Geschäftsfläche“, sagt Eckardt Liebig, Mitarbeiter der EH Estate Management GmbH. Einen konkreten Termin für den Baubeginn gibt es noch nicht.

Der vierte Jungbrunnen für die City-West scheint sich dagegen in Luft aufzulösen: Great Berlin Wheel. Die Investoren des 175 Meter hohen Aussichtrads an der Hertzallee haben die Segel gestrichen. Dennoch will Baustadtrat Gröhler nicht an das Ende glauben. „Es gibt andere Interessenten.“ Mehr will Gröhler zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht dazu sagen.

Marianne Rittner



Gedächtniskirche wird saniert
Das nächste Baugerüst am Breitscheidplatz wird für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbereitet. Der alte Turm muss saniert werden, weil sich Fassadenteile gelockert haben. „Es könnten Teile herabfallen“, weist der Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Martin Germer, auf mögliche Gefahren hin. Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung begonnen werden. Auf Initiative von Kirchengemeinde und Stiftung haben sich Berliner Unternehmer zusammengefunden, um Geld zur Deckung der erwarteten Sanierungskosten von inzwischen mehr als vier Millionen Euro zu sammeln. Außerdem haben „Fugenpaten“ bereits knapp 300.000 Euro gespendet. „Sofern es bei der Sanierung keine bösen Überraschungen gibt, können wir auf großflächige Werbung am Gerüst verzichten“, freut sich Germer. Denn der Turm habe eine starke Symbolik und sei ein Wahrzeichen der Stadt.


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