


Rekordhitze im Juli führte zum Ansturm auf Sommer- und Freibäder. DLRG registriert auch mehr Menschen an freien Badestellen.
Berlin. Sommer, Sonne, Badespaß: Bei tropischen Temperaturen wird es am Berliner Wasser jedoch eng. Als die Stadt am 11. Juli den heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnung erlebte, waren sämtliche Badestellen überfüllt. Mehr als eine Million Gäste zählten die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) im Supersommermonat Juli.
Angesichts des Ansturms auf die Strände der Stadt waren viele Berliner verärgert, weil das Strandbad Tegel wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen Pächter und BBB geschlossen blieb. „Es ist eine Schande, dass das Strandbad zu ist“, empört sich Klaus Regálse. Seit 40 Jahren ist er dort Stammgast. In diesem Jahr musste er auf die benachbarte freie Badestelle gegenüber der Insel Scharfenberg ausweichen. Dort kam es zu Müllansammlungen, weil Papierkörbe fehlten. Das Bezirksamt forderte nach zahlreichen Beschwerden aus der Bevölkerung die BBB bereits auf, das Strandbad Tegel wieder zu öffnen. „Wir bedauern die Schließung sehr“, sagt BBB-Sprecher Matthias Oloew. „Wir mussten aber leider die Entscheidung des Amtsgerichts Wedding abwarten.“ Dies hatte kürzlich den BBB Recht gegeben. Der Pächter muss das Areal räumen. In diesem Jahr bleibt Tegel dennoch zu. „Aber im kommenden Jahr soll das Bad wieder öffnen“, so Oloew. Regálses Begleiterin hält zudem die Eintrittspreise für zu hoch. „Vier Euro Eintritt für einen Erwachsenen in ein Freibad können sich viele Familien nicht leisten“, sagt Eva Bach, die ebenfalls seit 30 Jahren im Sommer das Strandbad am Tegeler See besucht. Sie verstehe das nicht. Im Gegensatz zu Sommerbädern mit gekachelten Schwimmbecken, falle bei natürlichen Gewässern der Freibäder doch keine teure Wasseraufbereitung an. Die Qualität der Gewässer ist an den meisten Badestränden zudem so gut, dass Berlin an 23 Stadtstränden die blaue Europaflagge – ein Gütesiegel für sauberes Wasser – hissen könnte.
Verwaist und abgerissen
Während sich bei großer Hitze die Berliner an den Stränden drängeln, sind einige Strandabschnitte längst verwaist. So wurde vor Jahren das Freibad Oberhavel in Spandau geschlossen und abgerissen. 2002 traf es das Wernerbad in Mahlsdorf, und seit acht Jahren ist auch das Sommerbad am Poststadion in Moabit trockengelegt.
Ein Lichtblick ist dagegen das Freibad Müggelsee. 1913 bauten Rahnsdorfer und Friedrichshagener dort erste Holzhäuser fürs Freiluftbaden. 1929 erhielt die „Riviera des Ostens“ von Architekt Martin Wagner, der auch das berühmte Pendant am Wannsee entwarf, das heutige Strandhaus. Die Anlage ist sanierungsbedürftig. Eine Schließung konnte der Verein „Bürger für Rahnsdorf“ zum Glück verhindern. Die etwa 100 Mitglieder erhalten das Bad am Leben, seitdem die Bäderbetriebe es 2005 wegen Unwirtschaftlichkeit aufgaben. „Wir konnten erreichen, dass das Bad von morgens bis abends geöffnet ist, und es kostet keinen Eintritt“, zählt der Vereinsvorsitzende Gion Voges die Vorzüge auf. „Denn viele Familien können sich den teuren Eintritt der BBB gar nicht mehr leisten.“ In diesem Jahr rechnet er insgesamt mit 110.000 Besuchern.
Statt mithilfe eines Investors, der zwar Geld gebe, danach aber entsprechende Eintrittspreise verlange, will der Verein das Bad nach und nach sanieren. „Die große Terrasse ist jetzt wieder dicht“, so Voges. Nun könnten Pächter für die Räume gesucht werden. Ärger gibt es derzeit um das Aufstellen einer Spendenbox. Der Verein will Geld sammeln, um die weiteren Sanierungen zu finanzieren. „Wir rechnen mit 20.000 bis 30.000 Euro, die jährlich durch Spenden zusammenkommen könnten.“ Würde jeder Besucher freiwillig nur einen Euro in die Box werfen, käme sogar mehr zusammen. Jedoch hat das Bezirksamt Treptow-Köpenick Bedenken angemeldet.
Wellnesslandschaft geplant
Eine andere Entwicklung zeichnet sich für das Sommerbad im Poststadion ab. Die Gebrüder Theune, die das Kreuzberger Liquidrom betreiben, haben das Gelände vom Liegenschaftsfonds erworben. Für einen zweistelligen Millionenbetrag soll dort eine große Wellnesslandschaft namens „Amala Spa“ entstehen.
Geschlossene Freibäder wie in Tegel, Hellersdorf oder Spandau sind nur ein Ärgernis. Wegen der hohen Eintrittspreise nutzen inzwischen viele Berliner Alternativen. So sind die zahlreichen freien Badestellen an Havel und rund um den Müggelsee bei schönem Wetter mehr als gut frequentiert.
„Seit Jahren nimmt die Zahl der Badegäste zu“, konstatiert Frank Villmow, Landeseinsatzleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Berlin. An 26 Stationen in der Stadt sorgen mehr als 850 Freiwillige der DLRG an den Wochenenden für mehr Sicherheit. Bei einer zunehmenden Zahl von Nichtschwimmern keine leichte Aufgabe. „Immer mehr Kinder können nicht schwimmen“, sagt Villmow. „Nach unseren Schätzungen ist die Anzahl der Schwimmer in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf 75 Prozent zurückgegangen.“ Eine Ursache sei in der Schließung von Hallenbädern zu sehen. „Es findet immer weniger Schulschwimmen statt.“
Von einst 83 Schwimmbädern betreiben die BBB aktuell nur noch 63. Diese aber im Wechsel – sind die Sommerbäder offen, schließen die Hallenbäder. Für die Freibäder ist die BBB nur noch insofern verantwortlich, dass sie die Verpachtung betreut. Von der Pflicht, auch die Freibäder zu betreiben, hat das Parlament die BBB vor fünf Jahren befreit.
Marianne Rittner
| Eintrittspreise der Berliner Bäder-Betriebe |
| Bei den Berliner Bäder-Betrieben kostet der Eintritt für Erwachsene vier Euro. Kinder, Schüler und Studenten zahlen 2,50 Euro. Wer in den ersten beiden Stunden nach Öffnung oder in den letzen beiden Stunden vor Schließung kommt, zahlt 2,50 Euro (in Freibad Lübars montags bis freitags zwei Euro). Die Familienkarte kostet sieben Euro (in Lübars acht Euro). Daneben gibt es Zehner-Sammelkarten für 36 Euro, ermäßigt 22,50 Euro. Die 25er-Karte kostet 88 Euro, ermäßigt 55 Euro. Das Freibad Lübars gibt eine Saisonkarte für 99 Euro, ermäßigt 59 Euro heraus. Preiswerter ist nur das privat betriebene Freibad Heiligensee an der Sandhauser Straße 132. Dort zahlen Erwachsene drei Euro Eintritt, Kinder 1,50 sowie Studenten zwei Euro. Jahreskarten gibt es für 85 Euro, ermäßigt 60 Euro. Umsonst baden kann man in der Hauptstadt an den freien Badestellen an Havel, zahlreichen Seen sowie rund um den Müggelsee. Dort befindet sich auch das gleichnamige Strandbad. Die Benutzung ist dort derzeit kostenlos. |
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