


Autofahrer sollten sich in Geduld üben, denn jetzt wird Berlins Straßennetz saniert. ADAC fordert „zentrales Baustellen-Management“.
Berlin. Sommer, Sonne und Dauerstau: Gleich fünf neue Baustellen legen in den nächsten Monaten weitere Teile von Berlins Zentrum lahm: Alexanderplatz, Wilhelmstraße, Reichstag, Yorckbrücken und Schöneberger Ufer.
Dabei gibt es bereits mehr als eine Handvoll von Baulöchern in der Innenstadt. Außerdem wird die Straße des 17. Juni wieder zur Festmeile. Aber auch in den Außenbezirken wird es vielerorts eng. Und die gute Nachrichten: Die Dauerbaustelle Spandauer Damm wird drei Monate früher fertig als geplant.
Der größte Kran Deutschlands hievt vorsichtig tonnenschwere Bauteile über die Südrampe der Charlottenburger Spandauer-Damm-Brücke, die Bahngleise und die Autobahn A100 überspannt. Das ununterbrochene Rauschen des Verkehrs übertönt an dieser Stelle sogar den Lärm des Baggers. Auf der Brücke liegen Fertigteilplatten aus Stahlbeton. Sie werden mit Beton übergossen und bilden dann den Untergrund der neuen Fahrbahn. Unter der Brücke sprühen die Funken: Dicke Rohrleitungen von bis zu einem Meter Durchmesser, aber auch dünnere Strom- und Telefonkabel werden zusammengeschweißt und unter der neuen Brücke hindurchgeführt.
Brücke früher fertig
Zügiges Arbeiten selbst während der frostigen Wintermonate hat dazu geführt, dass die neue Brücke bereits Ende des Jahres auf allen Ebenen für den Verkehr freigegeben werden kann. Jedoch gibt es für die Benutzer der Autobahn keine große Entspannung, denn ein Stückchen weiter nördlich wird die Goerdelerdammbrücke sowie der Abzweig zur Seestraße saniert. Allein 58 Baustellen im übergeordneten Straßennetz blockieren ein zügiges Fahren. Das zweite Nadelöhr in der Stadt, die Dauerbaustelle rund ums Ostkreuz, ist jetzt über die neue Kynastbrücke und über die Hauptstraße zu umfahren. Dafür wird die Straße Alt-Stralau zwischen Kynaststraße und Markgrafendamm saniert und ist bis auf weiteres dicht.
Absperrungen, Umleitungen, Baugruben: So zeigt sich die Innenstadt in weiten Teilen. Besonders eng ist es südöstlich des Brandenburger Tors zwischen Unter den Linden und Friedrichstraße. Zu den Tiefbauarbeiten in der Glinkastraße kommen in den ersten Julitagen weitere Baumaßnahmen an Behren-, Wilhelm- und Friedrichstraße hinzu. In der Nachbarschaft sind kürzlich die Sommerbaustellen vor dem Reichstag und im Bereich Alexander- und Karl-Liebknecht-Straße eingerichtet worden. Autofahrer sollten daher um die Stadtmitte besser einen großen Bogen machen. Denn rund um Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Leipziger und Grunerstraße sowie Schloßplatz und Rathausstraße wird bereits gebuddelt.
Jahrelang versäumt
Angesichts der vielen City-Baustellen vermisst der ADAC „ein zentrales Baustellen-Management“, so Sprecher Carsten Zorger. Es sei üblich und nichts dagegen einzuwenden, wenn die verkehrsarme Zeit im Sommer dazu genutzt werde, Straßen zu reparieren. „Berlin hat es jahrelang versäumt, Straßen rechtzeitig zu sanieren.“ Jetzt mache sich der Nachholbedarf bemerkbar.
Während der Sommermonate ist zudem wieder die Straße des 17. Juni wegen zahlreicher Veranstaltungen blockiert. Los geht es am 19. Juni mit dem Christopher Street Day. Danach beginnen die Aufbauarbeiten für die Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft. Im Anschluss daran folgt das öffentliche Gelöbnis der Bundeswehr und am 24. Juli die Flammenzeremonie für die Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur. Nach den Abbauarbeiten Ende Juli ist die Magistrale ein paar Wochen wieder befahrbar, ehe es Ende August mit Marathon und Einheitsfeier weitergeht.
Anfang Juli soll der Bau einer Fußgängerbrücke über den Landwehrkanal beginnen. Dafür werden Teile der Fahrbahnen des Schöneberger und Reichpietschufers benötigt – und es entsteht eine neue Staustelle. Bereits im Juni beginnt die Instandsetzung der Friedenauer Brücke in Schöneberg. Dazu wird die Anschlussstelle Saarstraße zur Autobahn A103 in Richtung Süden gesperrt. Anfang September wird es dann auf der Yorckstraße zwischen Schöneberg und Kreuzberg eng: Die dortigen Bahnbrücken werden saniert. Zu den umfangreichen Tiefbauarbeiten an den Hauptverkehrsstraßen im Innenstadtbereich kommen weitere Behinderungen in den Außenbezirken. So fangen Anfang Juli die Berliner Wasserbetriebe mit dem Aufbuddeln der Kreuzung Alt-Biesdorf/Blumberger Damm und Köpenicker Straße an. Im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße B1/B5 wird die Fahrbahn der Straße Alt-Mahlsdorf stadtauswärts erneuert. Die Verkehrsführung erfolgt dann zwischen Pilgramer Straße und Landesgrenze jeweils einspurig. Auf diesem Abschnitt soll es am 5. Juli losgehen.
Etwa zwei Monate bleibt die Blankenburger Chaussee in Karow stadteinwärts zwischen Bahnhof- und Tarnowitzer Straße für Fahrzeuge zu. „Wenn wir diesen Sommer überstanden haben, sind die wichtigsten Hauptverkehrsachsen saniert“, gibt sich Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) optimistisch. „Die Friedrich-Engels-Straße wird ebenfalls im Sommer fertig.“ In Pankow gibt es mehrere Baustellen, die noch länger zu Behinderungen führen. Dazu zählt die Sanierung des Bahnviaduktes auf der Schönhauser Allee. Ein Stückchen weiter haben die Tiefbauer die Berliner Straße am Wickel. „Die BVG erneuert die Gleise, deshalb fährt die Straßenbahn nicht“, weist Kirchner auf einen weiteren Engpass im Bezirk hin. Gleise werden auch in der Vinetastraße erneuert. Kirchner: „Anschließend sanieren wir die Fahrbahnen, weil dies am besten klappt, wenn keine Züge fahren.“
Marianne Rittner
| Harter Winter hat Fahrbahnen sehr geschadet |
| Berlin verfügt über ein 5360 Kilometer langes Straßennetz. Durch den harten und kalten Winter sind in diesem Jahr erheblich mehr Schäden an den Fahrbahnen entstanden. Es stehen jedoch nur etwa 33 Millionen Euro für Reparaturarbeiten bereit. Die meisten Bezirke werden aus Geldmangel daher eher Straßenabschnitte flicken. So will Spandau beispielsweise die Schmidt-Knobelsdorf-Straße sanieren. Im Sommer sind größere Arbeiten an der Gartenfelder Straße, der Niederneuendorfer Allee und am Falkenseer Platz geplant. Für eine grundlegende Sanierung maroder Hauptverkehrsstraßen wie beispielsweise Lützowufer, Wolfensteindamm, Adlergestell oder Landsberger Allee reicht das Geld jedoch nicht. |
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