



In Berlin können viele Abfallbehälter nicht geleert werden, weil oftmals die Wege blockiert sind – die BSR bittet um Mithilfe.
Berlin. Das wechselhafte Winterwetter behindert die Arbeit der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR). Hohe Schneeberge versperren oftmals den Zugang zu den Mülltonnen. Einige konnten gar nicht abgefahren werden. Zu Eis und Schnee gesellen sich außerdem Silvestermüll und ausrangierte Weihnachtsbäume.
Peter Müller fährt mit seinem tonnenschweren Mülllaster vorsichtig durch die enge Luckenwalder Straße in Hellersdorf. Zwischen seinem Fahrzeug und dem parkenden Kleinbus auf der rechten Seite ist höchstens noch ein Fingerbreit Platz. Dann holt er mit seinem Kollegen den ersten Container von dem schmalen, vereisten Weg. „Teilweise kommen wir an die Container gar nicht heran“, sagt Müller, der bei dem Versuch, zum Müllplatz zu gelangen, bis zu den Knien im Schnee versinkt. Die oft sehr schweren Müllbehälter ließen sich kaum durch den tiefen Schnee ziehen.
Täglich fahren er und seine Kollegen etwa 18 bis 20 Tonnen Hausmüll aus den Siedlungsgebieten östlich des Erholungsparks Marzahn ab. „In der Joachim-Ringelnatz-Siedlung mussten wir die Mülltonnen jedoch stehen lassen. Wir sind gar nicht herangekommen.“ Inzwischen sind die meisten Zuwege für die Müllmänner zwar geräumt. Doch einige sind spiegelglatt wie eine Eisbahn. Probleme wie in Hellersdorf haben fast alle 1100 Mitarbeiter der Müllabfuhr. Besonders schwierig ist es für sie, Mülltonnen abzuholen, die beispielsweise nur über Treppen zu erreichen sind. Und ab zu bleibt auch ein Fahrzeug der BSR liegen.
„Wir versuchen, den Schaden schnell zu beheben“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Der Pannendienst der BSR bemüht sich, die Müllwagen schnell wieder flottzumachen. Bei größeren Schäden müssten die Müllautos in die Werkstätten auf den Betriebshöfen. „Dort gibt es speziell geschulte Mitarbeiter, die mit der besonderen Technik der Wagen vertraut sind“, so Thümler.
Straßen nicht befahrbar
Um an die Mülltonnen überhaupt heranzukommen, bittet die BSR darum, Zufahrten und Zugänge zu den Müllplätzen rechtzeitig zu räumen und zu streuen. Sei dies nicht möglich, könnten die Behälter am Leerungstag an die nächste, für Müllfahrzeuge befahrbaren Straße gestellt werden. Weiterhin bittet die BSR darum, Schnee nicht von den Gehwegen auf die Fahrbahn zu schieben. Viele schmale Straßen würden dadurch so eng, dass sie für die großen Müllfahrzeuge nicht mehr befahrbar seien.
In Großsiedlungen wie in Hellersdorf oder im Märkischen Viertel gibt es zwischen den Häusern spezielle Plätze für die Müllcontainer. „Wir achten darauf, dass unser Winterdienst auch dort die Zugänge freihält“, sagt Kirsten Huthmann, Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft Gesobau. Ihre Kollegin Dagmar Neidigk von „Stadt und Land“ berichtet: „Wir haben Firmen beauftragt, bestimmte Straßenabschnitte vom Schnee zu befreien.“ Wo die BSR wegen des Schnees nicht mehr an die Mülltonnen herankommt, werden die Container an Stellen aufgestellt, die für die Fahrzeuge zu erreichen sind. „Darüber hinaus gibt es Gespräche mit dem Ordnungsamt“, so Neidigk. Denn an manchen Stellen seien die Straßen so eng, dass dort künftig ein Parkverbot eingeführt werden müsse. „Wir appellieren zudem an die Autofahrer, ihre Wagen nicht so zu parken, dass die Müllautos nicht mehr durchkommen.“
Die Saubermänner der BSR werden derzeit an allen Fronten vom Wetter ausgebremst. Entweder fallen stundenlang weiße Flocken vom Himmel oder, was noch gefährlicher ist, es regnet. Dann bildet sich auf dem gefrorenen Boden gefährliches Glatteis. Da insgesamt noch zu viel Schnee und Matsch auf den Straßen liegt, könne die BSR derzeit keine Kehrmaschinen einsetzen, um Gehwege und Plätze vom Silvestermüll zu befreien.
Etwa sieben Millionen Euro ließen die Berliner nach Schätzungen von Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, in Rauch aufgehen. Wo kräftig gefeiert wurde, ist deutlich zu sehen. So liegen beispielsweise an der Ecke Mühlendamm und Stralauer Straße in Mitte vor dem markanten Neubau des Architekten Christoph Langhof mehrere Sektflaschen, Raketenstangen und Knallerpapier auf dem Bürgersteig. Eine große Ansammlung von Raketenbatterien findet sich auf dem Mittelstreifen der Frankfurter Allee in Höhe des Büro- und Geschäftshauses Plaza. Am Strausberger Platz in Friedrichshain und an der Magdalenenstraße in Lichtenberg ließen es Anwohner und Gäste genauso krachen wie an der Oranien- und Skalitzer Straße in Kreuzberg. Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) hat am Silvestertag zwar an die Berliner appelliert, nach der Böllernacht ihren Müll selbst wegzuräumen. Doch kaum einer folgte dieser Auforderung. Gertrud Kreutzer aus Wedding ärgert sich über Nachbarn im Nebenhaus an der Schulstraße: „Die Familie hat als einzige ihr Feuerwerk im Hof gezündet. Jetzt liegt alles voller Böllermüll, aber wegräumen wollen sie ihren Dreck nicht.“
„Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Flaschen und Böllerreste auch von denen wieder eingesammelt werden, die vorher ihren Spaß damit hatten“, so Lompscher. „Die Resonanz war unterschiedlich“, zog Lompschers Sprecherin Marie-Luise Dittmar nach Silvester Bilanz. „Vor allem Lokale haben ihren Silvestermüll weggeräumt. An anderen Stellen ist nichts passiert.“
Zuerst Glätte beseitigen
Für die Reinigung von Berlins Straßen sind derzeit 1200 BSR-Mitarbeiter zuständig. „Zunächst müssen wir uns um den Winterdienst kümmern. Erst dann ist der Böllermüll dran“, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. „Wegen der Schneeberge können unsere Mitarbeiter den Silvestermüll nur per Hand beseitigen. Die etwa 100 Kleinkehrmaschinen sind bei Frost nicht einsetzbar.“ Im vergangenen Jahr blieb der Silvestermüll wegen der geschlossenen Schneedecke teilweise bis in den März hinein liegen.
Wann der Silvestermüll endlich restlos beseitigt sein wird, sei noch nicht absehbar. Derzeit räumt das Berliner Unternehmen in den Morgenstunden gestaffelt: „Zuerst beseitigen wir Schnee und Glätte, im Anschluss den Silvestermüll.“ Seit Wochenbeginn werden zudem Weihnachtsbäume eingesammelt. Dafür sind 60 Mitarbeiter der Sperrmüllabfuhr im Einsatz.
Marianne Rittner
| An folgenden Tagen sammelt die BSR Weihnachtsbäume ein |
| In dieser und der kommenden Woche will die BSR etwa 380.000 Weihnachtsbäume einsammeln. Sie bittet darum, die Bäume abgeschmückt und gut sichtbar am Straßenrand abzulegen. Pro Bezirk sind zwei Termine vorgesehen: Am 12. Januar ist die BSR in Wilmersdorf und Tempelhof unterwegs, am 13. Januar in Zehlendorf und Treptow. Am 14. Januar folgen Lichtenberg, Weißensee und Pankow. In Hellersdorf, Hohenschönhausen, Köpenick, Neukölln, Reinickendorf, Prenzlauer Berg, Spandau und Steglitz werden die Weihnachtsbäume am 15. Januar eingesammelt. Letzte Gelegenheit, seine Tanne loszuwerden, ist die dritte Kalenderwoche. Am 17. Januar ist die BSR in Charlottenburg, Schöneberg, Tiergarten und Wedding unterwegs. Am 18. Januar sind Friedrichshain, Kreuzberg, Marzahn und Mitte dran. Tempelhof und Wilmersdorf folgen am 19. Januar, Treptow und Zehlendorf am 20. und Lichtenberg, Weißensee sowie Pankow am 21. Januar. Am 22. Januar werden letztmalig Weihnachtsbäume in Hellersdorf, Reinickendorf, Hohenschönhausen, Köpenick, Neukölln, Prenzlauer Berg, Spandau und Steglitz abgeholt. |