Einsatz mit dem DLRG-Boot auf dem Pichelssee: die Rettungsschwimmer Björn Schmidt und Dennys Riebschläger. Foto: Augen-Blick
Einsatz mit dem DLRG-Boot auf dem Pichelssee: die Rettungsschwimmer Björn Schmidt und Dennys Riebschläger. Foto: Augen-Blick

Lebensretter im Einsatz

Auch in diesem Sommer bildet die DLRG Berliner Kinder und Jugendliche in Feriencamps zu Rettungsschwimmern aus.

Berlin. 2004 organisierte der Berliner Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ein erstes sogenanntes Rescue Camp, weil in Berlin die Zahl der ehrenamtlichen Rettungsschwimmer knapp zu werden drohte.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wurden in Spandau in einer Woche zu Lebensrettern ausgebildet. In den folgenden Jahren wurde das Konzept weiter verfeinert. Auch in diesem Sommer gibt es wieder zahlreiche Feriencamps, bei denen künftige Rettungsschwimmer im Freiwasser ausgebildet werden (Infos bei der DLRG unter 3620950 oder unter berlin.dlrg.de).

„Hier kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Es gibt zwar viel Arbeit, aber es macht Spaß, ist fast wie Urlaub, das Wochenende am und auf dem Wasser zu verbringen“, sagt Björn Schmidt aus Tempelhof, der in den Sommerferien 2009 seinen Rettungsschwimmerschein im Feriencamp gemacht hat. Anschließend verbrachte der 17-Jährige ein „Schnupperwochenende“ in der DLRG-Zentrale an der Scharfen Lanke in Spandau. Seither ist er dort für die Technik zuständig, für Bootstechnik, Hebetechnik für Gesunkenes und Pumpen beispielsweise. Seine Sommerferien wird der Rettungsschwimmer in diesem Jahr am Timmendorfer Strand an der Ostsee verbringen – als Strandwache für die DLRG. Am Steuer des kleinen GFK-Bootes mit dem Funknamen „Pelikan 7“ steht Dennys Riebschläger aus Spandau. Auch er hat im vergangenen Jahr mit mehr als 100 anderen jungen Menschen im Sommercamp seinen Rettungsschwimmer gemacht. „In der kurzen Zeit habe ich bei der DLRG richtig Karriere gemacht“, sagt der 19-Jährige schmunzelnd. Immerhin ist er mittlerweile Bootsführer, bekam die Gelegenheit, seinen Bootsführerschein zu machen.

Das kleine Boot fährt über die Unterhavel. Kurze, tückische Wellen. Der böige Wind aus Südwest bläst Nieselregen und Gischt ins Boot. Nicht erfrischend, eher unangenehm, wie so viele Tage in diesem ausgefallenen Frühling. Ein ungemütliches Wochenende am und auf dem Wasser. Die Fahrt geht von der DLRG-Zentrale über Scharfe Lanke, vorbei am Pichelsdorfer Gemünd in den Stößensee. Aber Wassersportler sind hart im Nehmen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung! Ruderer, Kanuten, Segler, Angler und Motorbootfahrer sind unterwegs.

Weniger Zuschüsse


Christopher Göbel steht auf dem kleinen Steg der Rettungsstation am Südende von Pichelswerder unweit der Heerstraße. Mit dem Fernglas hält er Umschau. Keine Badegäste weit und breit, trotzdem sind alle Stationen besetzt. „Bei diesem durchwachsenen Wetter und dem böigen Wind sind die Wassersportbedingungen tückisch“, sagt der Stationsleiter von der DLRG Charlottenburg-Wilmersdorf. Reihum beobachten die Mitglieder der kleinen Station das Geschehen auf dem Wasser.

Nicht nur die Sicherheit an öffentlichen Badestellen, sondern auch die Sicherheit des Bootsverkehrs, Erste Hilfe, Betreuung von Regatten und von Veranstaltungen am Wasser gehören zu den Aufgaben der Lebensretter. Als besondere Aufgabe wird die Verpflichtung zum Umweltschutz begriffen. Außerdem gehört die DLRG zum Verbund der Katastrophenschutz-Organisationen.

Zum Dienst für die Wassersicherheit und den Katastrophenschutz hat sich die Organisation in Verträgen mit den jeweiligen Landesregierungen und mit dem Bund verpflichtet. „Die Zuschüsse, die wir für unsere Arbeit bekommen, sind in den vergangenen Jahren um die Hälfte gekürzt worden“, sagt Frank Villmow, Einsatz- und Ausbildungsleiter des Landesverbandes Berlin. Gab es früher für die Ehrenamtlichen noch Fahrgeld für ihre Einsätze, kostenloses Mittagessen und Kleidung, so muss dies heute von den Freiwilligen teilweise selbst bezahlt werden. Nicht gerade ein Anreiz, seine Freizeit zu opfern, wenn sich die Freunde am Wochenende in Discos und auf Partys treffen.

„Wir haben viel Spaß in der Station. Die Kameradschaft ist toll“, sagt Oliver Marquardt. Louisa Barnebeck nickt. Die beiden 15-Jährigen aus Charlottenburg haben sich im vergangenen Jahr beim Rettungsschwimmercamp kennengelernt und vielleicht etwas mehr – wie es den Eindruck macht. Sie gehören jetzt zur Stammcrew der Station Stößensee gegenüber von Schildhorn. Freitag nach der Schule sind sie nach Spandau gefahren und werden hier ihr Wochenende bis Sonntagabend verbringen. Auf dem Herd in der gemütlich mit Holz getäfelten Station köchelt die Tomatensoße, das Wasser für die Nudeln ist aufgesetzt. An den holzgetäfelten Wänden Drei-Stock-Betten, gegenüber ein Hochbett. Wie wichtig die Arbeit dieser Ehrenamtlichen ist, zeigen die Einsatzzahlen des vergangenen Jahres: elf Rettungen aus Lebensgefahr, davon zwei mit Wiederbelebungen, 31 vermisste Personen wurden gesucht, Hilfe bei 591 leichten Badeunfällen und Erste Hilfe. Knapp 1000 Boote wurden geborgen, abgeschleppt oder bekamen technische Hilfe, 1171 Insassen wurden in Sicherheit gebracht.

Mehr Einsätze


Die Lebensretter befürchten, dass in Zukunft noch mehr Arbeit auf sie zukommen wird. Frank Villmow: „Die Bundesstatistik der DLRG zeigt stetig steigende Einsatzzahlen. Wir Deutschen werden ein Volk von Nichtschwimmern.“ In Berlin gebe es zwar auch nicht genügend Schwimmbadzeiten, aber in den Flächenländern Deutschlands sei die Lage noch prekärer. Wenn Gemeinden wegen klammer Kassen öffentliche Bäder schlössen, bestehe die Gefahr, dass ganze Generationen von Nichtschwimmern heranwüchsen. „Unsere Rettungsschwimmer beobachten immer wieder an der Badestellen, dass Jugendliche oder junge Erwachsene hilflos im Wasser herumrudern, wenn sie unversehens ins Tiefe geraten“, sagt Frank Villmow. Sie seien unsicher, im Schwimmen nicht geübt.

In Berlin werden jährlich 30.000 bis 35.000 Kinder in der dritten Klassenstufe im Schwimmen unterrichtet. Thomas Poller, bei der Senatsverwaltung für Schulwesen zuständig für die Schwimmausbildung: „Schwimmen ist eine wesentliche Kulturtechnik wie Rechnen und Schreiben. Die Schule muss das vermitteln.“ Die Verantwortung, dass Kinder Schwimmen lernen, liege aber auch bei der Familie.

„Es muss Interesse vorhanden sein am Schwimmenlernen“, sagt Conny Krüger vom Berliner Sportlehrerverband. Sie sieht die Probleme bei der Schwimm- und damit auch bei der Rettungsschwimmausbildung in zweierlei Hinsicht. Einerseits gebe es durch die nötige Sanierung von Bädern viele Schließ- und knappe Wasserzeiten. Andererseits gebe es ein kulturelles Problem. „Es gibt Kinder, gerade mit Migrationshintergrund, die wir erst ans Schwimmen gewöhnen müssen“, sagt die Sportlehrerin. In den Familien werde die Notwendigkeit nicht gesehen.

Matthias Berner


Ausbildung
Bei den Rettungsschwimmabzeichen gibt es drei Leistungsstufen: Bronze (ab zwölf Jahren), Silber (ab 15 Jahren) und Gold (ab 16 Jahren). In leistungsgemäßen Abstufungen werden unter anderem folgende Fähigkeiten geprüft: Streckenschwimmen in verschiedenen Stilarten, Transportschwimmen (schieben und/oder ziehen eines Menschen), Strecken- sowie Tief- und Zieltauchen und Heraufbringen von Gegenständen sowie Wiederbelebung. Schwimm- und Rettungsschwimmerausbildungen sowie Erste-Hilfe-Kurse bieten neben den Schwimmsportvereinen auch die drei Organisationen an, die in der Berliner Arbeitsgemeinschaft Wasserrettung zusammenarbeiten. Informationen in den Landesgeschäftsstellen: Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): Tel. 3620950, Arbeiter Samariter Bund (ASB): Tel. 44651253, Wasserwacht des Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Tel. 850050.


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ja: 80%
 
nein: 20%
 

100 Stimmen gesamt