


Mehr Anleger in der Innenstadt – Neuer Kreuzfahrtterminal am Tegeler See – Weiter Behinderungen auf dem Landwehrkanal.
Berlin. Reizvolle Seen, Flüsse und Kanäle machen Berlin zu einem attraktiven Reiseziel. Aber Freizeitkapitäne und Wirtschaftsvertreter kritisieren, dass für den Bootstourismus zu wenig getan wird.
„In Brandenburg wird gepowert, in Berlin rückt sich nichts.“ Ingo Gersbeck ist sauer. Der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Wassersport Berlin hatte bereits 2002 auf seinem Gelände am Spandauer Burgwall unweit der Spandauer Altstadt den ersten Kreuzfahrtterminal Berlins eröffnet. Doch nach Anwohnerbeschwerden ist dort das Ein- und Aussteigen der Passagiere untersagt worden. Jetzt können die Schiffe dort nur noch mit Treibstoff und Frischwasser betankt werden und Schmutz- sowie Bilgenwasser entsorgen.
„Im Genehmigungsverfahren ist einiges schiefgelaufen“, räumt auch Mike Kaus ein, Leiter des Schifffahrtsbüros beim Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin. Dennoch bleibt Gersbeck optimistisch: „Eine mündliche Zusage für die erforderlichen Genehmigungen habe ich bereits vom Bezirksamt.“ Er ist zuversichtlich, die fehlende Genehmigung trotz der Proteste doch noch zu bekommen. Seit Jahren bemüht er sich mit dem Wirtschaftsverband Wassersport, Wassersportvereinen und den wasserreichen Bezirken um Verbesserungen der Infrastruktur für Wassersport und Bootstourismus in Berlin. Immer wieder gab und gibt es Rückschläge, wenn es um den Neubau dringend benötigter Wassertankstellen, Liegeplätze oder Terminals für Flusskreuzfahrtschiffe geht.
Dabei machen es die Brandenburger vor: Wassertourismus genießt dort bei der Wirtschaftsförderung oberste Priorität. Das belegt auch eine Umfrage unter rund 2000 Bootsurlaubern (Motoryachten, Hausboote, Kanuten und Segler) in Brandenburg, die jetzt abschließend ausgewertet ist. Wie positiv sich Investitionen in die Infrastruktur auszahlen, zeigen die Ergebnisse der Befragung: „Insgesamt waren die Bootsurlauber super zufrieden“, fasst Ulrike Bergmann von der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) zusammen.
Zufriedene Bootsurlauber
Bei jedem fünften Befragten wurde die Erwartung übertroffen, 96 Prozent gaben an, sicher oder wahrscheinlich wiederzukommen. Davon scheint man in Berlin weit entfernt: Fragt man in den Info-Punkten im Hauptbahnhof und am Kranzler-Ecke nach Informationen für Bootstouristen, erntet man hilfloses Schulterzucken. Beim Internetauftritt findet man unter „Wassersport“ lediglich eine Auflistung von Bädern. Das dürftige Angebot wird von den Berlin-Werbern damit begründet, dass man im Wettbewerb mit den großen Metropolen stehe und bei den Besuchern vor allem Kultur, Sehenswürdigkeiten sowie Szene und Nachtleben im Fokus sei.
Wenig Geld für Werbung
Die Bezirke mit großen Wasserflächen wie Spandau, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Treptow-Köpenick stoßen bei der Werbung aus Geldmangel schnell an Grenzen. Dafür haben sich Vereine oder Gesellschaften gegründet, die in eigener Sache auch die wasserseitigen Reize vermarkten. Aber Sven Dettmann von Partner für Spandau schränkt ein: „Wir müssen uns auf Altstadt und Zitadelle konzentrieren. Für den Wassertourismus bleibt nicht sehr viel übrig.“
Berlin, eine bootstouristische Wüste? Das will Mike Kaus vom Schifffahrtsamt so nicht gelten lassen und verweist auf die Internetportale des Elektronischen Wasserstraßen-Informationssystems (www.elwis.de), des Wasser- und Schifffahrtsamts Berlin (www.wsa-b.de) und des Wirtschaftsverbands Wassersport Berlin (www.wassersport-verband.de). Dort gebe es umfassende und vor allem aktuelle Informationen für Sportbootführer in Berlin.
Als Beispiele für Neuerungen in Sachen Wassertourismus führt er an, dass in der Innenstadt eine Reihe von Anlegestellen für Sportboote geschaffen werden konnten, auch auf der Spree im Bereich Friedrichstraße in Mitte. Die Stern und Kreis Schiffahrt hat eine neue Anlegestelle am Ostbahnhof am Eingang zum East Side Park in Betrieb genommen. Wegen Bauarbeiten startet die „Historische Stadtrundfahrt“ der Gesellschaft nicht mehr am Anleger „Alte Börse“, sondern gegenüber dem Berliner Dom. Außerdem wird am Tegeler See an der Greenwichpromenade Ende April ein Liegeplatz für Flusskreuzfahrtschiffe eingeweiht. Auch die weitere Verbreitung der „Gelben Welle“ (eines Qualitätsmerkmals für Wassersportler) an Häfen und Marinas sei ein positiver Schritt, so Kaus. Das Signet für „Bootstouristen willkommen“ wurde einst vom Tourismus-Verein Köpenick entwickelt und ist mittlerweile bundesweit zertifiziert.
Auf dem Landwehrkanal wird es in dieser Saison weiter Behinderungen und Sperrungen geben, die vom Fortgang der dortigen Bauarbeiten abhängen. Verkehr ist nur von Ost nach West möglich. Schleusenzeiten sind von 11.15 bis 21.45 Uhr. Auch an der Rathausbrücke in Mitte kommt es wegen Bauarbeiten zu Einschränkungen. An allen Schleusen im Stadtgebiet und im Umland kommt es zu eingeschränkten Betriebszeiten wegen akuten Fachkräftemangels, sagt Mike Kaus vom WSA.
„Am 7. Mai wird die erste Wasser-Gas-Tankstelle Berlins am Südhafen in Spandau eröffnet“, kündigt Betreiber Reinhard Schreier an. Auch die Umrüstung von Diesel- oder Benzinmotoren wird dort vermittelt. Mit Flüssiggas (LPG) könne man die Hälfte an Spritkosten sparen, außerdem leiste man einen großen Beitrag zum Umweltschutz, hebt der Spandauer hervor (Informationen im Internet: bootstankstelle.de).
Ingo Gersbeck vom Wirtschaftsverband Wassersport steht am Havelufer neben dem Schild „1. Kreuzfahrtterminal Berlin“. Hier soll 2010 noch ein Uferwanderweg angelegt werden, ferner eine Grünanlage und ein Wendeplatz für Busse und Lkw. Ob dann auch Kreuzfahrer anlegen und die Passagiere aus- und zusteigen können? „Ich glaube es erst, wenn ich die Genehmigung in der Hand habe.“
Matthias Berner
| Ausgewählte Termine der Saison |
| 1./2. Mai: Nautica Berlin auf der Marina Lanke, 12-19 Uhr, Spandau, Scharfe Lanke 109–131, Tel. 36200913; 13.-16. Mai: Treptower Hafenfest, Live-Musik, Rummel, kulinarische Spezialitäten und Höhenfeuerwerk am Sonnabend, Tel. 5363600, Treptower Park; 22.-24. Mai: Opti-Pflingst-Festival mit den Berliner Jüngsten-Meisterschaften auf dem Großen Wannsee, Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW), Tel. 8059376, Am Großen Wannsee 24; 11.-13. Juni: Spandauer Havelfest, 11-23 Uhr, Maritimes in der Altstadt Spandau mit Höhenfeuerwerk, Tel. 3339388; 18.-26. Juni: Köpenicker Sommer in der Altstadt mit Live-Musik, internationalen Spezialitäten und Rummel, Tel. 6557550; 14.-15. August: Internationales ADAC Motorboot-Rennen auf dem Langen See in Grünau, Regattastraße 211, Tel. 8680; 24./25. September: Wannsee in Flammen im Strandbad Wannsee mit Live-Musik und Unterhaltungsprogramm sowie großem Feuerwerk an beiden Tagen, Wannseebadweg, Tel. 5363600; 16./17. Oktober: Absegeln in den Segelgebieten; 4.-7. November: 19. BMW-Berlin-Match-Race im VSaW, Tel. 8059376, Am Großen Wannsee 24; 24.-28. November: Boot & Fun, Wassersport-Messe für Binnenland und Küste in den Messehallen am Funkturm, Tel. 306719700. |
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