Als US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama seinen großen Auftritt in Berlin hatte, bevölkerten Tausende Berliner die Straße des 17. Juni, – und am Großen Stern in Tiergarten ging mal wieder tagelang gar nichts mehr. Foto: Christian Hahn
Als US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama seinen großen Auftritt in Berlin hatte, bevölkerten Tausende Berliner die Straße des 17. Juni, – und am Großen Stern in Tiergarten ging mal wieder tagelang gar nichts mehr. Foto: Christian Hahn

Partys machen Autofahrer rasend

Deutschlands beliebteste Feiermeile in diesem Jahr an rund 60 Tagen gesperrt. Staus sorgen besonders bei Taxifahrern für Unmut.

Berlin. Von März bis Dezember ist die Straße des 17. Juni beinahe jeden fünften Tag gesperrt. Auf den umliegenden Straßen geht dann auch nichts mehr. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will die Zahl der Großveranstaltungen im Tiergarten reduzieren.

10 000 Läufer, Skater, und Nordic Walker laufen auf der Straße des 17. Juni um die Wette. Zur gleichen Stunde sitzen 10 000 Autofahrer in den umliegenden Straßen fluchend hinter dem Steuer. Für den Berliner Firmenlauf sind am 9. Juli neben der Straße des 17. Juni auch zahlreiche angrenzende Hauptverkehrsachsen gesperrt.

Am Halleschen Ufer geht am frühen Abend in beiden Richtungen nichts mehr. Staus an allen Kreuzungen. Die Ersatzbusse für die U-Bahnlinie 1 kommen an der Schöneberger Straße nicht um die Ecke. Für 900 Meter bis zur Potsdamer Straße benötigen Kraftfahrer etwa eine halbe Stunde Fahrzeit. Ein Ende des Staus ist nicht abzusehen.
Seit gestern sind Teile der Straße des 17. Juni wegen der Aufbauarbeiten für den 35. Berlin-Marathon am kommenden Wochenende bereits wieder gesperrt. 40 000 Läufer und Skater haben sich angemeldet. Bereits im April war wegen des Halbmarathons kein Durchkommen mehr in der Stadt möglich.
 
Wichtigste Ost-West-Achse

Die Veranstaltungen auf Deutschlands größter Partymeile erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Für diejenigen, die arbeiten statt zu feiern, sind die Tage, an denen die wichtigste Ost-West-Achse zur Feiermeile umfunktioniert wird, allerdings ein Ärgernis. In diesem Frühjahr war es besonders arg. Von Mitte April bis Mitte Juli war die Magistrale an den meisten Wochenenden wegen Veranstaltungen blockiert. Bis Silvester sind 60 Sperrtage vorgesehen. Das ist fast jeder fünfte Tag in den Monaten von März bis Dezember. Die Bewohner von Charlottenburg und Mitte sind nicht die einzigen, die sich über die Sperrungen ärgern. Wer nahe Blücherstraße und Südstern wohnt, muss bereits eine Woche vor dem Karneval der Kulturen mit erheblichen Behinderungen rechnen. Gleiches gilt für die Köpenicker Altstadt, die gleich mehrere Tage beim Sommerfest im Juni dicht war. Traditionell veranstalten die Händler der Reichsstraße in Charlottenburg zweimal pro Jahr ein Straßenfest. Dann ist dort ebenfalls kein Durchkommen möglich. In diesem Jahr fällt die Feier im September jedoch aus.

Doch diese kleineren Straßenfeste sind nach Ansicht von Michael Pfalzgraf, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC), eher das geringere Hindernis. „Es gibt in anderen Bezirken keine mit dem 17. Juni vergleichbaren Straßen.“ Es sei die wichtigste Ost-West-Achse im Herzen der Stadt. „Deshalb sollte sie nur für ganz wichtige Ereignisse genutzt werden“, so Pfalzgraf.

Fahrverbot gewünscht

„Wir wünschen uns ein Wochenendfahrverbot auf der Straße des 17. Juni“, erklärt dagegen Carmen Schultze, Sprecherin vom Bund für Naturschutz und Umwelt Deutschland (BUND). „Das wäre zudem ein Beitrag zum Klimaschutz.“ Außerdem hätte solch ein Fahrverbot auch noch positive Nebenwirkungen. „Wenn die Griller nicht direkt mit dem Auto die Picknickplätze ansteuern können, kommen wahrscheinlich erheblich weniger zum Brutzeln.“ Das käme dem arg geschundenen Tiergarten zugute.

Die zahlreichen Großveranstaltungen hätten ihre Spuren hinterlassen – besonders an den Straßenrändern. Dort, wo bis vor einigen Jahren auch unter den Bäumen noch Pflanzen wuchsen, sei inzwischen nur noch kahle Erde. Schultze: „Dass der Park unter Denkmalschutz steht, sieht man ihm an vielen Stellen nicht mehr an. Er wirkt zunehmend ungepflegt.“
Das streitet Harald Büttner, Leiter des Grünflächenamtes Mitte, ab. Er räumt aber ein: „Der Tiergarten bräuchte eine Regenerationsphase von mindestens zwei Wochen zwischen den einzelnen Veranstaltungen.“ Drei Wochen wären ihm noch lieber. „Wir verhandeln derzeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über einen Katalog“, so Büttner.

Danach würden Veranstaltungswünsche für die Straße des 17. Juni nach bestimmten Kriterien geprüft. Einzelheiten will er noch nicht preisgeben, die Abstimmung mit der Senatsverwaltung sei noch nicht abgeschlossen. Dabei geht es Büttner nicht darum, das Feiern zu verbieten: „Bestimmte Veranstaltungen wie Marathon, Silvesterfeier oder Fußballfanmeile können wegen der vielen Gäste nur dort stattfinden.“

Für Berlins Taxifahrer sind die ständigen Sperrungen ebenfalls ein Ärgernis. „Wir haben uns zwar daran gewöhnt, ständig Umwege zu fahren“, so Boto Töpfer, Vizevorsitzender des Taxi-Verbands. Jedoch zeigten die Fahrgäste dafür wenig Verständnis. „Fahrgäste, gerade aus dem Ausland, verstehen nicht, warum wir sie nicht bis zu ihrem Hotel fahren können“, so Töpfer. Nicht gut zu sprechen sind die Gastronomen auf die innerstädtische Partymeile. „Als die Fanmeile eröffnet wurde, waren die Kneipen leer“, erinnert sich Klaus-Peter Richter, Vize-Vorsitzender vom Berliner Hotel- und Gaststättenverband. „Die halbe Million Fußballfans, die am Brandenburger Tor feierte, fehlte uns in der Gastronomie.“ Besonders bitter für die Kneipiers: „An den Großveranstaltungen verdienen nur die fliegenden Händler, aber nicht die ansässigen Gastronomen, die ebenfalls darauf angewiesen sind, dass ihre Lokale im Sommer gut besucht werden “, so Richter. „Wir haben viele gute Veranstaltungen in der Stadt, und das ist auch gut so.“ Jedoch seien es langsam etwas zu viele. Richter: „Es gibt täglich 3300 Veranstaltungen.“ Wegen der Wettbewerbsverzerrung sei eine sorgfältige Abwägung bei der Genehmigung zumindest von Großveranstaltungen nötig.

Beliebte Kulisse

Das gestaltet sich offenbar schwierig. Denn die meisten Veranstalter wünschen sich ihre Events am liebsten vor der Kulisse des Brandenburger Tores. „Es gibt viel mehr Anfragen, als wir genehmigen“, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Manuela Damianakis. Die Behörde wolle zudem die Anzahl der Veranstaltungen auf etwa 20 im Jahr begrenzen. „Wir verweisen ständig auf Ausweichplätze.“ Diese seien aber nicht so beliebt. Eine generelle Sperrung der Straße des 17. Juni, wie sie der BUND wünscht, „kommt aber auf keinen Fall in Frage“, sagt Damianakis.

Marianne Rittner


Die nächsten Sperrungen
Bis zum Jahresende ist aufgrund von Großveranstaltungen noch mit diversen Straßensperrungen zu rechnen. Weiterer Höhepunkt in diesem Jahr ist am 27. und 28. September der Berlin Marathon. Bereits ab 23. September ist die Straße des 17. Juni wegen der Aufbauarbeiten gesperrt. Am Marathon-Wochenende sind zudem Straßen im gesamten Stadtgebiet für den Autoverkehr zeitweilig gesperrt. Der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) und Silvester (31. Dezember) wird ebenfalls rund ums Brandenburger Tor gefeiert. Für beide Veranstaltungen erfolgt wegen des Aufbaus der Partymeile die Sperrung einige Tage zuvor. Auch in Teilen Charlottenburgs wird es in diesem und im kommenden Monat zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Am Kaiserdamm fiel am 21. September der Startschuss für das Seifenkisten-Derby. Der Zehn-Kilometer-Asics-Lauf am 12. Oktober verläuft durch den Zoologischen Garten und endet am Schloss Charlottenburg.


Weitere Online-Angebote der Axel Springer AG:
AUDIO VIDEO FOTO BILD | BERLINER MORGENPOST | BILD | BILD am SONNTAG | BILD der FRAU | B.Z. | COMPUTER BILD | COMPUTER BILD SPIELE | DIE WELT | WELT am SONNTAG | €URO | EURO am SONNTAG | FAMILIE & CO | HAMBURGER ABENDBLATT | HAMBURGER WOCHENBLATT | HÖRZU | JOLIE | MÄDCHEN | METAL HAMMER | MUSIKEXPRESS | POPCORN | ROLLING STONE | SPORT BILD | STARFLASH | TV DIGITAL | YAM! | www.autobild.de | www.immonet.de | www.stepstone.de | www.arbeiten.de | www.idealo.de | www.dvd-idealo.de | www.spiele-idealo.de | buch-idealo.de | www.axel-springer-akademie.de 
www.axelspringer.de

© 2004-2010 Berliner Wochenblatt Verlag GmbH - Alle Rechte vorbehalten. Impressum Datenschutz
Berliner, wochenblatt, woche, redaktion, anzeigen, kleinanzeigen, download, beilagen, zeitung, anzeigenblatt, wochenzeitung, kostenlos, gratis, Marktführer, Nr. 1, lokalzeitung, lokal, Berlin, Hallo, Spandau, Spandauer, Volksblatt, Reichweite, Leserreisen, Leser, Reportage, Motorradtouren, Stellenmarkt, Ausgaben, Werben, Themenplan, Leseranalyse, Referenzen, Werbeprospekte, Direktverteilung, Centerzeitungen, Prospektanzeigen, Autorenwettbewerb, Durchblick, Berliner Helfen, Leseraktionen, Ostpool, Zustellqualität, Halfcover, Flying Page, Jobs, Vertriebsqualität, Einkaufscenter

 

LESERAKTIONEN



Frage der Woche

 

 

Sollte es besondere Verkehrsregeln für Radfahrer geben?


ja
nein

Vor Abstimmung bitte Zeichenfolge eingeben.
Captcha-Code



Ergebnis der Vorwoche

Halten Sie die Maßnahmen gegen Ambrosia für ausreichend?
 
ja: 17%
 
nein: 83%
 

100 Stimmen gesamt