

Beim Thema Eintritt für die Parks und Gärten der Stadt gibt sich der Berliner zugeknöpft.
Berlin. Für den Park Sanssouci in Potsdam soll ab 2013 ein Eintrittsgeld verlangt werden. Berliner Grünanlagen haben unterschiedliche Regelungen. Droht auch den Besuchern des Charlottenburger Schlossparks künftig eine Zwangsabgabe?
Die Metallpforte zum „Naturpark Südgelände“ am S-Bahnhof Priesterweg in Schöneberg fällt mit einem leichten Klacken ins Schloss zurück. Doch bevor man sich der wild wuchernden Welt der Pflanzen anvertrauen kann, wartet noch eine echte Gewissensprüfung. Denn diesseits der Absperrung finden sich ein Kartenautomat und ein Schild, auf dem steht, dass „zur Parkerhaltung“ ein Obolus von einem Euro zu entrichten sei. Auch wird darauf verwiesen, dass die Abgabe sein „muss“ – mit Ausrufezeichen. Das klingt recht fordernd und ein wenig uncharmant. Kontrolliert allerdings wird nicht.
Soll man für die Parks und Gärten der Stadt Eintritt verlangen? Die Meinungen darüber sind geteilt. Viele Besucher des Naturparks geben sich bei der Aufforderung zum Zahlen eher unwillig. „Bei einem kleineren Stadtpark wie diesem sollte kein Geld verlangt werden“, sagt Michaela Schack. Auch ein Ehepaar hat Einwände. Ein Euro sei ja im Grunde nicht viel, und wenn der Park gepflegt werde, entrichte man auch gern einen finanziellen Beitrag. Allerdings: Sie als Anwohner müssten davon ausgenommen sein.
„Grün Berlin“, Betreiber des Britzer Gartens (Eintritt: 2 Euro), der Gärten der Welt in Marzahn (3 Euro), des Tempelhofer Felds (freier Eintritt) und eben des „Naturparks Südgelände“, bezieht dazu eine klare Position. „Der Aufwand für die Pflege der Gärten ist enorm“, sagt Sprecherin Bettina Riese, „und das kostet richtig Geld.“ Konkrete Zahlen will „Grün Berlin“-Prokurist Helmut Siering nicht nennen, aber er rechnet vor, dass „mehr als 50 Prozent des Gesamtaufwandes“ durch Eintrittsgelder erwirtschaftet würden. Gleichzeitig hätten sich die vom Land überwiesenen Zuschüsse in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Für seine Gesellschaft sind die Zahlungen der Besucher also kein Zubrot, sondern existenziell.
International üblich
Was „Grün Berlin“ recht ist, soll künftig der „Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten“ (SPSG) billig sein. Ab dem Jahr 2013 möchte man für den Park Sanssouci in Potsdam einen Wegezoll von zwei Euro erheben. Die Maßnahme wird ausdrücklich als „Modellprojekt“ bezeichnet und ist zunächst bis 2017 begrenzt. „Mal sehen, was es bringt“, sagt Sprecher Ulrich Henze, gerechnet wird aber schon jetzt mit 1,5 Millionen Euro im ersten Jahr und jeweils zwei Millionen in den folgenden. Eine Entscheidung soll bei der nächsten Sitzung des Stiftungsrats im Herbst fallen.
Auch die SPSG braucht die zusätzlichen Einnahmen dringend. 31 Gartenstellen fehlten der Stiftung zur Pflege der Parklandschaften, bilanziert Henze. In Sanssouci könne ein Ambiente, das dem Ruf und der Erwartung des Publikums entspreche, „nicht mehr geleistet“ werden, die aktuelle Lage sei „fatal“. Man will es so aussehen lassen, als stehe man mit dem Rücken zur Wand.
In Potsdam weiß man um die Brisanz des Projekts und spricht von einer „schwierigen Entscheidung“. Einerseits wird ins Feld geführt, dass das Unesco-Weltkulturerbe Sanssouci eine „Erlebnislandschaft auf internationalem Niveau“ sei, vergleichbar etwa mit dem Park von Versailles oder Schloss Schönbrunn in Wien, wo Eintrittsgelder selbstverständlich seien. Anderseits möchte man die Empfindlichkeiten besonders der Anwohner ernst nehmen. Familien aus der näheren Umgebung, die ihren Sonntagnachmittagsspaziergang durch den Park machen, Studenten, die auf dem Rad durch das Areal zur Uni fahren, Jogger, die über die Gartenwege eilen, ihnen allen mag man keine Euro abpressen. Das wäre doch zu unschön. Da hätte man plötzlich ein Imageproblem.
In Berlin beobachtet man das bevorstehende Potsdamer Experiment mit Argusaugen. Eintritt auch für den Park von Schloss Charlottenburg? Nicht mit uns, rufen die Charlottenburger laut. Wenn man in Sanssouci angesichts der fast wie von selbst sprudelnden Mehreinnahmen erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, könnte man Gleiches ja auch in Berlin versuchen, fürchtet der Bezirk. Zwar wiegelt die Stiftung ab, zwar glaubt man vorerst in Charlottenburg der Absage an ein solches Begehr, zwar gäbe es auch rechtliche Hindernisse (der Schlosspark ein öffentliches Grünland).
Bezirk gegen Gebühr
Und dennoch: Vorsichtshalber hat jetzt die Bezirksverordnetenversammlung eine Resolution verfasst, mit der Bürgermeisterin Monika Thiemen aufgefordert wird, sich in der Schlösser-Stiftung „nachdrücklich“ gegen die Einführung von Eintrittsgeldern im Schlosspark auszusprechen. 2006 hat die Stiftung bereits Automaten durchgesetzt, an denen für zwei Euro freiwillig ein Ticket gezogen werden kann.
Seitdem ist man in Charlottenburg auf der Hut. Vertrauen ist gut, doch ein Beschluss ist besser. Als „ziemlich absurd“ würde die Bezirksverordnete Nicole Ludwig das Aufstellen von Kassen empfinden. Auch eine Unterscheidung zwischen Touristen, die zahlen müssen, und Anwohnern, die davon befreit sein sollen, hält sie für „schlichtweg irrsinnig“.
Ein sonniger Nachmittag im Schlosspark Charlottenburg, mitten in der Woche. Vornehm bläst der Brunnen seine Fontäne in die warme Luft. Touristen, Verliebte, Flaneure, Radfahrer, Menschen aus der Nachbarschaft beim Rundgang. Wer hier das Reizwort Eintrittsgeld anspricht, stößt auf wenig Verständnis für eine allgemeine Zahlungspflicht. Obwohl – trifft man auf den Berliner selbst, hört man nicht selten: Der Tourist darf ruhig einen Beitrag leisten. „Etwa drei Euro“ hält eine Rentnerin aus dem Kiez für angemessen. Der Reisende, das ist ja glücklicherweise immer der andere.
Einer, der stolz seine freiwillig erworbene Parkaufenthaltskarte vorgezeigt hätte, ist uns nicht begegnet. Wie selbstverständlich aber stecken die Autofahrer ihre Münzen in den Parkautomaten, der vor dem Schloss steht. Zwei Euro werden hier für die Stunde fällig. Und die Leute zahlen. Ganz ohne Murren.
Kai Ritzmann

Zu unserer Reportage „Soll’n doch die Touristen zahlen!“ in der Ausgabe vom 20. Juli erreichten uns zahlreiche Leserbriefe. Hier eine Auswahl.
Ich war gestern zufällig in Sanssouci und habe mich dort fast den ganzen Tag aufgehalten. Bei der Weiträumigkeit des Parks und seiner gepflegten Anlagen kam mir schon der Gedanke, wovon das alles bezahlt wird. Ein Gleiches gilt wohl auch für Berlin. Als ich mit Besuch in den Gärten der Welt war, kam die ungläubige Frage: „Was denn, nur drei Euro?“ Eine berechtigte Frage, wenn man die gepflegten Anlagen und Gärten als Ganzes sieht. Ich würde auch fünf Euro zahlen. Die Frage ist doch, woher soll das Geld kommen, wenn an allen Ecken gespart werden muss. Und, wenn ich einen Obolus bezahlen muss, achte ich auch eher darauf, dass das Umfeld sauber bleibt. Doch warum sollen eigentlich nur Touristen zahlen? Sind wir im Ausland nicht auch Touristen, die für diverse Eintritte zahlen müssen? Das ist also der falsche Ansatz. Gewiss ist es für Anwohner schwer nachvollziehbar, z.B. im Charlottenburger Schlosspark plötzlich Eintritt zu bezahlen. Aber da könnte man sicher eine Lösung finden, wenn man beispielsweise einen symbolischen „Anwohnerbeitrag“ zahlt und dann ein Jahr lang den ständigen Zugang hat. Wichtig scheint mir das Augenmaß bei solchen Überlegungen. Und wer am Wochenende einmal den Britzer Garten besucht, wird sich wundern, wie voll es dort ist, obwohl man Eintritt zahlen muss. Ursula Freedrich
Abgesehen von Eintrittsgebühren (und vergünstigte Jahreskarten für BerlinerInnen) könnte man vielleicht auch Sponsoren finden, ich bin mir ziemlich sicher, dass Firmen gerne die Patenschaft für einen Park übernehmen würden. In Ihrem Beitrag nennen Sie das Schloss Schönbrunn in Wien. Hier muss ich Sie korrigieren: Eintritt bezahlt man nur, um das Schlossinnere zu besichtigen, den Park darf man ohne Eintritt nutzen. Dieser wird darüber hinaus auch als kleines innerstädtisches Joggerparadies angepriesen. Der Park bleibt während der Nacht geschlossen. Katharina Karmel
Schlossbesucher zahlen in den Schlössern Potsdam, Charlottenburg usw. bereits hohe Eintrittsgelder. Die Schlossgärten gehören, der Name sagt es, zum Schloss. Also doppelt abkassieren? Für nur einfache Spaziergänger oder Potsdamer mit Wegerecht wäre das die reine Abzocke!. Gerecht wären dagegen Grillgebühren für das schädliche Tun im Tiergarten. Das ist ja schlimmer als harmloses Autoparken, für das auch teuer bezahlt werden muss. Manfred Diehl
| Hintergrund: Schloss Charlottenburg |
| Als 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, standen von dem Schloss der Hohenzollern nur noch Ruinen. Fast alles, was gegenwärtig wie echt wirkt, wurde in sorgfältiger Kleinarbeit rekonstruiert. Denn in seiner langen Geschichte verwandelte sich das Schloss Charlottenburg regelmäßig in eine Baustelle, und auch bis heute vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht irgendwo ein Teil restauriert wird. Nachdem für Sophie Charlotte 1699 ein eher bescheidenes Schloss fertiggestellt wurde, erfuhr das Gebäude zahlreiche Erweiterungen, etwa durch den von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entworfenen Neuen Flügel. Auch dem Garten wurden immer wieder Veränderungen zuteil, angeregt durch den jeweils Zeitgeist und den Geschmack der Schlossherrn. Zunächst als typischer Barockgarten angelegt, dann um Elemente des Rokoko ergänzt, realisierte Friedrich Wilhelm II. hier schließlich den modischen Trend zu einem Landschaftsgarten nach englischem Vorbild. |