Eisbär Knut hat dem Zoo weltweite Beachtung eingebracht und viel Geld in die Kassen gespült. Foto: Augen-Blick
Eisbär Knut hat dem Zoo weltweite Beachtung eingebracht und viel Geld in die Kassen gespült. Foto: Augen-Blick

Superstars in Gefangenschaft

Die einen finden Knut & Co. einfach nur niedlich, die anderen kritisieren das Zurschaustellen der Tiere als reine Geschäftemacherei.

Berlin. Es herrscht Krieg zwischen den Tierschützern von Peta Deutschland und der Geschäftsführung des Hauptstadt-Zoos, wie Zoologischer Garten mit Aquarium und der Tierpark in Friedrichsfelde gemeinsam firmieren. Immer wieder geißeln die Tieraktivisten die Praktiken der modernen Zoowirtschaft. Jüngster Coup: Peta fordert die Kastration von Eisbär Knut. Doch bei den Besuchern ist die Neugierde auf die Jungtiere ungebrochen.

Schon in der Vergangenheit haben die Tieraktivisten den Zoo massiv kritisiert: Nachwuchs werde nicht aus artgerechten Gründen gezüchtet, sondern um mit potenziellen Kunden wie Tierhändlern oder anderen Parks ins Geschäft zu kommen. Oder aber, um Attraktionen für die Besucher zu schaffen. Später müssten dann die Jungtiere irgendwie „entsorgt“ werden, um Platz für die Besuchermagneten des nächsten Jahres zu schaffen, kritisiert Peta.

Knut zum Kuscheln

 „Tierschützer wollen Knut enteiern“, „Tierschützer gegen Inzucht-Sex im Bären-Gehege“, „Giovanna muss weg, damit Knut kein Eunuch wird“, so die Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Die Aufregung ist groß. Die Verantwortlichen des Hauptstadt-Zoos bleiben gelassen. Eisbärin Giovanna sei ohnehin nur noch bis Herbst in Berlin, dann kehre sie in ihr renoviertes Gehege nach München zurück. Ferner seien die Tiere noch nicht geschlechtsreif. Bären-Kurator Heiner Klös: „Die Inzuchtgefahr bei dieser weitläufigen Verwandtschaft ist gering.“
 
Seit drei Jahren ist Knut unangefochtener Superstar unter dem Zoo-Nachwuchs und Besucherliebling. Der heute drei Jahre alte Halbwüchsige war eine Handaufzucht seines inzwischen verstorbenen Pflegers Thomas Dörflein und entwickelte sich zum weltweiten Medienphänomen. Das Knut-Fieber spülte dem Zoo durch sprunghaft gestiegene Besucherzahlen Millionen Euro an Mehreinnahmen in die Kassen, und noch heute ist das Gehege von in- und ausländischen Besuchern umlagert. Der dortige Souvenirstand bietet an besuchsstarken Tagen Plüsch-Knuts in allen Größen und Preislagen.

Gegen das „Geschäft mit Wildtieren“ läuft Peta immer wieder Sturm, auch mit juristischen Mitteln wie Anzeigen gegen die Verantwortlichen. Ohnehin scheinen sich in den Tierschutzaktivisten und Direktor Bernhard Blaszkiewitz „Lieblings-Feinde“ gesucht und gefunden zu haben. Auf die Frage nach den Kritikern ist vom Direktor nur ein unverständliches Grummeln zu vernehmen.

Trotz der Grundsatzdebatte über die Tierhaltung scheint die Liebe der Berliner zu Zoo und Tierpark ungebrochen: Rund drei Millionen Besucher wurden im vergangenen Jahr im Zoologischen Garten gezählt, etwa 950.000 im Tierpark.

Jungtiere bei Menschenaffen, Bären, Elefanten, Nashörnern und Giraffen erregen große Aufmerksamkeit und viel Sympathie bei den Besuchern. Erfolgreiche Nachzuchten bei Tierarten, die vom breiten Publikum kaum wahrgenommen werden, feiert die Fachwelt mitunter als bedeutend, wenn nicht sogar als Weltsensation.

Mutter und Sohn Panzernashorn liegen Kopf an Kopf dösend in ihrem Gehege des Elefantenhauses im Tierpark. Der kleine Taren, geboren am 17. Januar, streckt den kleinen Körper im Schlaf, Mutter Jhansi hebt aufmerksam das mächtige Haupt. Als der gleichmäßige Atem des Jungen einsetzt, entspannt die Nashornkuh, schiebt ihr Maul kuschelnd an den Kopf des Kleinen, dessen zarte Haut noch keine Spur vom namengebenden Panzer zeigt. „Ich komme mindestens einmal die Woche. Der Kleine ist sooo süß“, sagt Gertrud Siegmann aus Lichtenberg.

Gehege mit Jungtieren sind in Tierpark und Zoo gleichermaßen umringt von Besuchern, so auch im Nashornhaus des Zoos. Soeben war eine schwere Metalltür scheppernd bewegt worden, wohl ein Hinweis auf die baldige Fütterung. Mutter Maruri streicht aufgeregt durch die Box der Spitzmaulnashörner. Tochter Kigoma, geboren am 7. Februar, steckt schnuppernd den kleinen Kopf durch die Gitterstäbe, lugt neugierig in Richtung Besucher. Fotoapparate klicken. Kigoma hält neugierig still, wie ein geübtes Model. Ein verklärtes Lächeln bei einem jungen Vater, dem ein Schnappschuss geglückt ist. Dem Charme der Jungtiere erliegen eben viele.

Interessante Nachzuchten

Die beiden Mininashörner gehören zu den Stars unter den diesjährigen Jungtieren. Das Zeug zum Publikumsliebling hat auch Bonobo Likema. Das Zwergschimpansenmädchen ist bereits im Oktober 2009 geboren worden. Wo gibt es weitere interessante Nachzüchtungen? „Überall, überall“, sagt Direktor Bernhard Blaszkiewitz.

Eine Entdeckung auch für routinierte Zoobesucher könnte eine ganz gewöhnliche Tierart sein: Zu den unspektakulären Zoobewohnern zählt eine Reihe Hauskatzen, die eine wichtige Aufgabe erfüllen. Sie bewegen sich frei auf dem Areal und haben ihre Reviere markiert: So verhindern sie unliebsame Besuche streunender Katzen, die die Zootiere aufschrecken und Krankheiten einschleppen könnten.

Matthias Berner



Tierwelt der Superlative
Der Hauptstadt Zoo vereint gleich mehrere Superlative: Der Zoologische Garten am Hardenbergplatz gilt als der artenreichste der Welt und als der älteste Zoo Deutschlands. Der Tierpark Friedrichsfelde wird mit 160 Hektar als größter Landschaftstierpark Europas bezeichnet. Die Charaktere beider Einrichtrungen sind ganz unterschiedlich: Dicht beieinander und kompakt die Käfig- und Gehegehaltung am Hardenbergplatz. In Friedrichsfelde prägen weitläufige Freigehege das Bild – Tierbeobachtung fast wie auf einer Safari. In beiden Anlagen leben nach aktueller Zählung mehr als 23.000 Tiere. Bereits am 1. August 1844 wurde die Anlage am Rande des Tiergartens als neunter Zoo Deutschlands eröffnet. 1913 kam das Aquarium hinzu. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, überlebten von 3715 Tieren nur 91, darunter der populäre Flusspferdbulle Knautschke. Seit den 60er Jahren kamen zahlreiche Gebäude hinzu, historische Häuser wurden restauriert. Es erfolgte die Erweiterung über den Landwehrkanal hinaus in den Tiergarten. Auf 35 Hektar leben jetzt etwa 1500 Arten, insgesamt rund 15.000 Tiere. Der Tierpark in Friedrichsfelde wurde am 2. Juli 1955 eröffnet, weil der Ostteil keine tiergärtnerische Anlage hatte. Als Standort diente der von Peter Joseph Lenné gestaltete Park des Schlosses Friedrichsfelde. Der Tierbestand konnte durch Spenden aus der Bevölkerung und von Betrieben, durch Schenkungen von Zoos aus dem In- und Ausland auf- und ausgebaut werden. Auf 160 Hektar leben heute 950 Arten, insgesamt mehr als 7500 Tiere.


Weitere Online-Angebote der Axel Springer AG:
AUDIO VIDEO FOTO BILD | BERLINER MORGENPOST | BILD | BILD am SONNTAG | BILD der FRAU | B.Z. | COMPUTER BILD | COMPUTER BILD SPIELE | DIE WELT | WELT am SONNTAG | €URO | EURO am SONNTAG | FAMILIE & CO | HAMBURGER ABENDBLATT | HAMBURGER WOCHENBLATT | HÖRZU | JOLIE | MÄDCHEN | METAL HAMMER | MUSIKEXPRESS | POPCORN | ROLLING STONE | SPORT BILD | STARFLASH | TV DIGITAL | YAM! | www.autobild.de | www.immonet.de | www.stepstone.de | www.arbeiten.de | www.idealo.de | www.dvd-idealo.de | www.spiele-idealo.de | buch-idealo.de | www.axel-springer-akademie.de 
www.axelspringer.de

© 2004-2010 Berliner Wochenblatt Verlag GmbH - Alle Rechte vorbehalten. Impressum Datenschutz
Berliner, wochenblatt, woche, redaktion, anzeigen, kleinanzeigen, download, beilagen, zeitung, anzeigenblatt, wochenzeitung, kostenlos, gratis, Marktführer, Nr. 1, lokalzeitung, lokal, Berlin, Hallo, Spandau, Spandauer, Volksblatt, Reichweite, Leserreisen, Leser, Reportage, Motorradtouren, Stellenmarkt, Ausgaben, Werben, Themenplan, Leseranalyse, Referenzen, Werbeprospekte, Direktverteilung, Centerzeitungen, Prospektanzeigen, Autorenwettbewerb, Durchblick, Berliner Helfen, Leseraktionen, Ostpool, Zustellqualität, Halfcover, Flying Page, Jobs, Vertriebsqualität, Einkaufscenter

 

LESERAKTIONEN



In dieser Seite wurden keine Umfragen gefunden. Bitte erstellen Sie eine Umfrage in dieser Seite oder verweisen Sie im Feld 'startingpoint' zu einer Seite mit Umfrage

Ergebnis der Vorwoche

Sind die Bäder in der Hauptstadt zu teuer?
 
ja: 80%
 
nein: 20%
 

100 Stimmen gesamt