Die Recyclinghöfe der Berliner Stadtreinigung nehmen Abfälle wie Möbel, Elektrogeräte, Batterien und vieles mehr aus privaten Haushalten entgegen. Foto: BSR
Die Recyclinghöfe der Berliner Stadtreinigung nehmen Abfälle wie Möbel, Elektrogeräte, Batterien und vieles mehr aus privaten Haushalten entgegen. Foto: BSR

Verschenken, was zum Wegwerfen zu schade ist

15 BSR-Recyclinghöfe nehmen Müll und Wertstoffe entgegen. Gut Erhaltenes kann auch auf Tauschbörsen angeboten werden.

Berlin. Etwa 2,7 Millionen Berliner geben pro Jahr ihren Sperrmüll, Schrott, Batterien, Energiesparleuchten oder Farbreste bei einem der 15 Recyclinghöfe der Berliner Stadtreinigung (BSR) ab. 136.000 Tonnen kommen so im Jahr zusammen.

Zu den größten Wertstoffsammelplätzen gehört die Anlage an der Neuköllner Gradestraße. Selbst bei winterlichem Schmuddelwetter lässt der Strom der Fahrzeuge, die in die Einfahrt einbiegen, nicht nach. „Dabei sind es zu dieser Jahreszeit etwas weniger Kunden“, sagt Regionalleiter Dietmar Hinz, der auch für die Höfe an der Pankower Behm-, der Lichtenberger Fischer- und der Schöneberger Naumannstraße verantwortlich zeichnet. „Hochkonjunktur haben wir vor allen im Frühjahr und Herbst.“ Hinz führt das unter anderem auf die Kleingartensaison zurück. „Wenn das Wetter wieder besser wird, räumen viele Kleingärtner ihre Parzellen auf.“ Gleiches gelte für den Herbst, wenn die Kleingärtner alles entsorgen, was nicht mehr benötigt wird.

Müllabgabe ist gratis


Auffallend oft fahren Transporter einer Autoverleihfirma mit Seehundlogo vor. „Im Zusammenhang mit Umzügen bringen Mieter Überflüssiges vorbei“, so Hinz. Gratis ist der Service für Privatpersonen. „Denn die Kosten für die Recyclinghöfe sind in der Müllabfuhrgebühr enthalten“, erläutert BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Warum immer noch Schrottsammler (vornehmlich aus Osteuropa) vor den Höfen auf Kunden warten, könne sie sich nicht erklären. „Seitdem die Abgabe von Elektrogeräten kostenfrei ist, sind sie eigentlich überflüssig“, so Thümler.

Für Gewerbetreibende seien die Recyclinghöfe nicht gedacht. Dennoch fährt ein Firmentransporter mit Elektroschrott vor. Ein Mitarbeiter schätzt die Menge, und der Fahrer muss die Entsorgung bezahlen, ehe er seinen Wagen an der Station für Elektroschrott entladen darf. Kleinunternehmer können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 20 Elektroaltgeräte bei den Recyclinghöfen abgeben.

Der Container ist voll mit Computern, Tastaturen und Monitoren. Daneben steht der Container für metallhaltigen Elektroschrott wie Kühlschränke, Wasch- oder Nähmaschinen. „Diese Altgeräte gehen wieder zurück an die Hersteller“, sagt Thümler. Nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz sind die Firmen verpflichtet, ihre ausgedienten Computer, Drucker, Waschmaschinen oder Kühlschränke zurückzunehmen. Das Auseinandernehmen der Computer und Kühlschränke würden diese dann selbst organisieren. „Damit haben wir nichts zu tun“, so Thümler.

Schwieriger ist es mit Flüssigkeiten. „Bürger kommen mit alten Behältern und erzählen, sie hätten die Wohnung ihrer Großeltern oder Eltern ausgeräumt. Im Keller fanden sie ein Glas mit einer komischen Flüssigkeit. Unsere Experten müssen dann herausfinden, um was es sich handelt“, sagt Thümler. Schadstoff-Sammelstellen gibt es nicht auf allen Recyclinghöfen. „Denn dafür benötigen wir Experten, die die Flüssigkeiten kennen und wissen, wie man am besten mit ihnen umgeht“, so Thümler.

Verschenkportale im Netz

Am liebsten sind der BSR gebrauchte Sachen, die einen neuen Nutzer finden könnten. Dafür hat die Stadtreinigung sogar eine Rubrik auf ihrer Webseite zum Tauschen und Verschenken eingerichtet. Berliner können dort gut erhaltene Sachen zum Tausch anbieten oder verschenken. „Tausche Messingvase gegen Haarspray“ oder „Tupperdose gegen Kindershampoo“ ist etwa auf der Seite zu lesen. Vor allem Haltbares wie Dosen mit Obst, Würstchen oder Fisch werden gerne als Tauschobjekt akzeptiert. Auch Liebhaber von Kartoffelchips bieten Diverses in der Tauschbörse an. Egal, ob Sofa, Kinderspielzeug und -bekleidung oder Geschirr, alles was nicht zu wertvoll, aber noch gut in Schuss ist, findet sich auf den Internetseiten.

Eine Mutter aus Steglitz offeriert von der Sonnenbrille über Vasen bis zu Schmuck ein Sammelsurium von Dingen, die sie beim Aufräumen aussortiert hat. „Ich biete öfters Sachen an.“ Jedoch sei die Resonanz nicht so groß. Oft vereinbarten Interessierte einen Termin, kämen dann aber doch nicht vorbei. „Als meine Kinder noch kleiner waren, wäre ich froh gewesen, wenn ich auf diese Weise so preisgünstig Kinderspielzeug bekommen hätte“, meint die Hausfrau.

Bundesweit 50 Börsen


Inzwischen gibt es bundesweit etwa 50 solcher Tauschbörsen. Sie werden von Bernd Maibaum von Oldenburg aus betreut. Der einstige Abfallberater entwickelte die Idee mit den Verschenkportalen im Internet. „In den 80er-Jahren war es wesentlich schwieriger, für Dinge, die zum Wegwerfen zu schade waren, geeignete Interessenten zu finden. Mit dem Internet ist es viel einfacher geworden“, so Maibaum. Für seine nichtkommerzielle Plattform „Internet Verschenkmarkt“ wurde er beim bundesweiten Innovationswettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. Seine Idee sei innovativ, helfe Ressourcen zu sparen und Abfall zu vermeiden. Suchende hätten die Möglichkeit, kostenlos Gegenstände zu bekommen oder zu tauschen, und der Anbieter vermeidet Abfälle, lobte die Jury. Eine andere Möglichkeit, gut Erhaltenes einer weiteren Verwendung zuzuführen, sind diverse Hilfsorganisationen (auch unter www.bsr.de zu finden) wie Arbeiterwohlfahrt, Caritas oder das Sozialkaufhaus Rumpelbasar in Zehlendorf, die zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen Möbel, Bekleidung, Spielzeug und Bücher annehmen. Ähnlich funktioniert Goldnetz. Für die vom Verein organisierten Sozialmärkte sind Kinderspielzeug und -bekleidung, Geschirr, Schlitten und Fahrräder als Spenden willkommen. „Nur Möbel und Elektrogeräte sammeln wir nicht, weil wir sie nicht reparieren können“, sagt Bärbel Günther von Goldnetz.

Wer keine Möglichkeit hat, seine alten Sachen zum Recyclinghof zu bringen oder in einer Tauschbörse anzubieten, der kann die Sperrmüllabfuhr der BSR nutzen. Dieser Service kostet allerdings Geld. Zwischen 25 und 45 Euro zahlt man pauschal für fünf Kubikmeter. Bei Expressabholung kostet ein Kubikmeter sogar 48 Euro. Was nicht jeder Berliner versteht. Denn im Land Brandenburg wird Sperrmüll immer noch kostenlos abgeholt.

Marianne Rittner




Was Recyclinghöfe alles annehmen
15 Recyclinghöfe der BSR gibt es stadtweit. Dort werden alte Möbel, Holz, Textilien, Elektrogeräte, Fliesen, Keramik, Glas, Batterien, Leuchtstoff- und Energiesparlampen sowie Kork, Papier und Pappe angenommen. Die Adressen sind: Asgardstraße 3, Berliner Straße 110, Fischerstraße 16, Ilsenburger Straße 18-20, Lengeder Straße 6-18, Naumannstraße 88-92, Ostpreußendamm 1, Rahnsdorfer Straße 76 und Ruppiner Chaussee 341. Folgende sechs Höfe betreiben zudem eine Schadstoffsammelstelle: Nordring 5, Gradestraße 77, Behmstraße 74, Brunsbütteler Damm 47, Hegauer Weg 17 und Oberspreestraße 109. Dort werden Altöl, Farben, Lacke, Medikamente, Chemikalien, Bremsflüssigkeiten, Autobatterien, Laugen, Lösungsmittel, Reinigungsmittel und Spraydosen angenommen. Die Entsorgung von schädlichen Stoffen kostet je nach Art pro Kilogramm zwischen 1,20 und 6,40 Euro.


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