Spielplatzkontrolleur Detlef Rust packt ordentlich zu, um die Geräte auf den Spielplätzen in Mitte auf ihre Sicherheit zu prüfen. Dabei helfen ihm auch gerne mal die Kinder. Foto: Augen-Blick
Spielplatzkontrolleur Detlef Rust packt ordentlich zu, um die Geräte auf den Spielplätzen in Mitte auf ihre Sicherheit zu prüfen. Dabei helfen ihm auch gerne mal die Kinder. Foto: Augen-Blick

Wie sicher sind Berlins Spielplätze?

TÜV Rheinland benotete drei Anlagen mit der Note mangelhaft. Verantwortliche in den Bezirken sind verärgert.

Berlin. Scharfe Kanten, angerostete Sprungfedern und Strangulationsgefahr durch Anorakkordeln – drei Spielplätze in Wilmersdorf, Pankow und Spandau erhielten von TÜV Rheinland die Note mangelhaft.

Verletzungsgefahr für Kinder attestierten die Prüfer zwei weiteren Anlagen in Neukölln und Pankow. Die Kritik der DIN-Experten aus Köln überraschte die Verantwortlichen in den Bezirken. Denn einmal pro Woche werden alle 1842 öffentlichen Spielplätze unter die Lupe genommen.

Detlef Rust packt kräftig zu und biegt das Wipptier auf dem Sparrplatz nach allen Seiten. „Alles in Ordnung“, meint der Spielplatzkontrolleur zufrieden. Die Klettergerüste klopft Rust mit einem Hammer ab. „Am Klang erkennen ich, ob das Holz morsch oder fest ist.“ Der Regierungsbezirk Mitte hat mit 270 Spielplätzen die meisten der Stadt. Sie reichen von der einfachen Buddelkiste für Kleinkinder bis hin zu großen Ballspielplätzen mit Zuschauertribünen. Je vier Mitarbeiter sind in den sechs Revieren Mittes unterwegs, um alle Spielgeräte zu kontrollieren. „Zusätzlich prüfen externe Firmen einmal im Monat Standsicherheit und Verletzungsgefahren“, sagt Mittes Fachbereichsleiter Hans-Gottfried Walter. Für Spielplätze und Grünflächen hat er pro Jahr 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist bei 850 Hektar Fläche, zu der beispielsweise der Tiergarten gehört, nicht viel. Besonders ärgerlich ist es für Walter, wenn Geräte mutwillig zerstört werden. „Wir hatten Fälle, wo die Metallteile abmontiert wurden oder ein Klettergerüst säuberlich zerlegt im Blumenbeet lag.“ Trotz knapper Kassen legt Mitte „viel Wert auf intakte und attraktive Spielplätze“, betont Walter.

Kritik am TÜV

Wegen der regelmäßigen Kontrollen wollte Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) die Kritik vom TÜV Rheinland am Spielplatz im Volkspark Wilmersdorf nicht hinnehmen. Er beauftragte externe Gutacher. „Es gab keine ,lebensgefährlichen Stellen‘“, sagt Gröhler. „Das haben uns die Gutachter bestätigt.“ Er ist auf den TÜV Rheinland nicht gut zu sprechen, der im Auftrag einer Frauenzeitschrift bundesweit 75 Spielplätze testete. „Uns wurden die Ergebnisse nicht einmal mitgeteilt.“

Geltende Vorschriften


„Wir können nicht nachvollziehen, warum die Kommunen zu anderen Ergebnissen kommen“, zeigt sich wiederum TÜV-Sprecher Ralf Diekmann verwundert. Denn der TÜV habe die Plätze nach geltenden Vorschriften untersucht. Dazu zählte auch die Berücksichtigung von Normen für ältere Spielgeräte.

Abgegriffene Kanten, Moos an den Seitenwänden – dem brückenähnlichen Klettergerüst ist sein Alter anzusehen. Mit der Hand streicht Rust über die Handläufe. „Trotz Dellen ist alles glatt, es besteht keine Verletzungsgefahr“, zeigt er sich zufrieden. Es müsse nicht alles perfekt sein. „Kinder müssen auch lernen, darauf zu achten, wo sie hinfassen“, philosophiert Rust. Beim nächsten Spielgeräte entdeckt er eine hervorstehende Diele im Fußboden. „Das wird ausgebessert, denn an dieser Stelle könnte ein Kind stolpern.“ Derweil er von einem Gerät zum anderen geht, umringen ihn Kinder, die wissen wollen, was er dort tut. Sie unterstützen ihn gerne bei der Arbeit, indem sie kräftig auf den Holzbalken herumhüpfen.

Für Spandaus Amtsleiterin kam die Kritik aus Köln ebenfalls unerwartet. Elke Hube: „Unsere Mitarbeiter wurden vom TÜV geschult.“ Der hatte am Ungewitterweg vor allem den Kletterturm kritisiert. Kinder könnten dort mit Anorakkordeln in Spalten hängen bleiben. Außerdem entsprächen die Netzweiten des Klettertunnels nicht der vorgeschriebenen Norm. „Am Turm hatten sich Bretter verzogen, die wurden ausgetauscht“, so Hube. Lebensgefahr sei von diesen Mängeln aber nicht ausgegangen. Auch Hube versteht nicht, warum das Bezirksamt nicht umgehend informiert wurde. „Es gibt an vielen Spielplätzen ein Telefon mit direktem Draht ins Rathaus.“

Mängel beseitigt


So wie Spandau und Charlottenburg beseitigten auch Pankow und Neukölln die Mängel. „Inzwischen haben alle Kommunen die Sachen repariert, die wir beanstandet haben“, weiß Diekmann. Demnächst soll es ein Treffen zwischen TÜV und Bezirksamt Spandau geben, um zu klären, wie die unterschiedlichen Ergebnisse bezüglich der Unfallgefahr zustande kamen.

Es gibt auch Mängel an Spielgeräten, die erst zutage treten, wenn sie bespielt werden. Am Kletterturm auf dem Sparrplatz in Mitte kommt Erzieherin Daniela Henkel auf Rust zu. „Kann man das große Loch am Kletterturm mit einem Brett verschließen?“, fragt die Erzieherin des Montessori-Kindergartens. Sie verbringt mit ihrer Gruppe fast jeden Tag einige Stunden auf dem Spielplatz. Vor Kurzem sei ein Kind dort abgestürzt. „Außer Prellungen ist aber nichts passiert“, beruhigt sie. Um jedoch weitere Stürze zu verhindern, wäre ihr eine Absperrung an dieser Stelle wichtig. Auf zwei Seiten ist der etwa drei Meter hohe Turm mit Griffen zum Hinaufklettern ausgerüstet. So können Kinder auf die obere Plattform gelangen, von dort führt eine Rutsche wieder nach unten. Henschel: „Wenn sich viele Kinder auf der Plattform drängeln, kann es passieren, dass eins durch das Loch geschubst wird.“ Rust schaut sich das Problem an. „Die Kinder brauchen einen Zugang zur Plattform, wenn sie die Wand hochklettern. Vielleicht lässt sich eine zusätzliche Holzstange anbringen“, überlegt der Spielplatzkontrolleur. Und für den Fall der Fälle wäre Fallschutzkies am Kletterturm eine Möglichkeit, einen Sturz besser aufzufangen.

Marianne Rittner




Mängelliste vom TÜV Rheinland
Der TÜV Rheinland prüfte im Auftrag einer Frauenzeitschrift bundesweit 75 Spielplätze, davon fünf in Berlin. Im Volkspark Wilmersdorf, im Pankower Bürgerpark und am Spandauer Ungewitterweg fielen die Rutschen- und Klettertürme durch. Bei allen drei bemängelte der TÜV Ecken und Kanten, an denen Kinder mit Anorakkordeln hängen bleiben könnten. Er empfahl deshalb, die Türme zu sperren. Am Neuköllner Theodor-Loos-Weg gefielen dem TÜV die Schaukelsitze nicht, weil sie zu eng nebeneinander angebracht waren. Am Turm fanden sie scharfe Kanten und das Spinnenetz hatte zu kleine Maschen, dort könnten Kinder mit dem Kopf hängen bleiben. Ähnliches kritisierten die Prüfer auf dem Pankower Kollwitzplatz. Dort waren die Öffnungen am Balancierbalken nicht vorschriftsmäßig und beim Wackelaufstieg sowie der Hängebrücke gab es Quetschgefahr für Kinderfinger.


Weitere Online-Angebote der Axel Springer AG:
AUDIO VIDEO FOTO BILD | BERLINER MORGENPOST | BILD | BILD am SONNTAG | BILD der FRAU | B.Z. | COMPUTER BILD | COMPUTER BILD SPIELE | DIE WELT | WELT am SONNTAG | €URO | EURO am SONNTAG | FAMILIE & CO | HAMBURGER ABENDBLATT | HAMBURGER WOCHENBLATT | HÖRZU | JOLIE | MÄDCHEN | METAL HAMMER | MUSIKEXPRESS | POPCORN | ROLLING STONE | SPORT BILD | STARFLASH | TV DIGITAL | YAM! | www.autobild.de | www.immonet.de | www.stepstone.de | www.arbeiten.de | www.idealo.de | www.dvd-idealo.de | www.spiele-idealo.de | buch-idealo.de | www.axel-springer-akademie.de 
www.axelspringer.de

© 2004-2010 Berliner Wochenblatt Verlag GmbH - Alle Rechte vorbehalten. Impressum Datenschutz
Berliner, wochenblatt, woche, redaktion, anzeigen, kleinanzeigen, download, beilagen, zeitung, anzeigenblatt, wochenzeitung, kostenlos, gratis, Marktführer, Nr. 1, lokalzeitung, lokal, Berlin, Hallo, Spandau, Spandauer, Volksblatt, Reichweite, Leserreisen, Leser, Reportage, Motorradtouren, Stellenmarkt, Ausgaben, Werben, Themenplan, Leseranalyse, Referenzen, Werbeprospekte, Direktverteilung, Centerzeitungen, Prospektanzeigen, Autorenwettbewerb, Durchblick, Berliner Helfen, Leseraktionen, Ostpool, Zustellqualität, Halfcover, Flying Page, Jobs, Vertriebsqualität, Einkaufscenter

 

LESERAKTIONEN



Frage der Woche

 

 

Sollte es besondere Verkehrsregeln für Radfahrer geben?


ja
nein

Vor Abstimmung bitte Zeichenfolge eingeben.
Captcha-Code



Ergebnis der Vorwoche

Halten Sie die Maßnahmen gegen Ambrosia für ausreichend?
 
ja: 17%
 
nein: 83%
 

100 Stimmen gesamt