Gedruckt vom Stein: Ausstellung zum 30. Geburtstag der Werkstatt künstlerische Lithographie

Der Druck wird von der Steinplatte gelöst. (Foto: Ralf Drescher)
 
Henry Ruck mit einer Kunstsendung aus der Schweiz. (Foto: Ralf Drescher)

Alt-Treptow.Der Flachbau an der Defreggerstraße 12 ist eine Heimat für viele Künstler. Jetzt wird die Werkstatt künstlerische Lithographie 30 Jahre und zum Jubiläum gibt es eine Ausstellung.

Angefangen hat alles 1987 im damaligen Kreiskabinett für Kulturarbeit in der Puderstraße, wenige Meter von der Mauer entfernt. Dort gab es eine alte Steindruckpresse und 12 Lithosteine. Mit denen hat eine Gruppe um den Künstler Michael Dieckmann erste Experimente gemacht. „Später wurde ein versierter Lithograph angestellt, der den Künstlern viel von der historischen Technik vermittelt hat“, erinnert sich Henry Ruck, einer der Begründer der Werkstatt.

Die Lithographie ist eine uralte Technik. Sie wurde bereits 1798 von Alois Senefelder (1771-1834) entwickelt. Der Musiker und Komponist hatte ein Verfahren gesucht, um Notenblätter kostengünstig und optisch ansprechend zu vervielfältigen. Bereits 1800 wurden die Noten für Mozarts Klavierkonzerte vervielfältigt.

Gedruckt wird von einem Stein aus Solnhofer Kalkschiefer, der mit Salpetersäure und Gummiarabikum präpariert wird. Seit der Gründung der Werkstatt haben rund 400 Künstler aus 30 Ländern dort gearbeitet. Bis heute gibt es einen Stamm von 16 Künstlern. Henry Ruck, einer der beiden Werkstattleiter, bugsiert eine schwere Holzkiste in eine Ecke. Die kommt gerade vom Zollamt und enthält Lithographien von Robert Ralston, einem Schweizer, der auch schon in der Treptower Werkstatt gearbeitet hat. Sie sind der Beitrag des früheren Gastkünstlers zur Jubiläumsausstellung.

In einem Regal stehen viele der Druckplatten, die an kleine Grabplatten erinnern. Die Lithographie ist immer noch ein kostengünstiges Druckverfahren. Da die Druckvorlage mit spezieller Tusche direkt auf den Stein gezeichnet wird, reicht Abschleifen – und der Stein ist bereit für das nächste Kunstwerk. Bis in die 30er-Jahre wurde überwiegend Gebrauchsgrafik vervielfältigt, vor allem Plakate für Volksfeste, Theaterpremieren oder kleinere Geschäfte. Erst dann setzte sich die Lithografie als eigenständige Kunst durch.

Träger der Werkstatt ist heute der Verein Kunstwerkstatt Treptow. Er stellt seine Arbeitsmittel auch anderen Künstlern zur Verfügung, die sich in Lithographie versuchen wollen. Außerdem bieten die Vereinsmitglieder auf Nachfrage Kurse in Lithographie und Radierung für Anfänger und Fortgeschrittene an.

Zum Jubiläum zeigt die Galerie Alte Schule, Dörpfeldstraße 56, rund 100 Steindrucke von insgesamt 40 Künstlern, die in den vergangenen 30 Jahren in der Alt-Treptower Lithographiewerkstatt mitgearbeitet haben. Ausstellungseröffnung ist am 17. November um 20 Uhr. Die Ausstellung ist bis 6. Januar zu sehen, geöffnet ist Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 19 Uhr, Freitag von 12 bis 17 Uhr und Sonnabend von 15 bis 19 Uhr.

Im Rahmen des „Adlershofer Weihnachtshauses“ gibt es am 2. Dezember von 14 bis 18 Uhr Führungen durch die Ausstellung, außerdem können Druckgrafiken von beteiligten Künstlern erworben werden. RD

Informationen auch unter www.lithowerkstatt-berlin.de.
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