Forscher schicken 40 Elektroräder auf die Straße

Fahrradkuriere könnten in Zukunft auch größere Güter transportieren, wenn ein Elektromotor beim Antrieb hilft. (Foto: Amac Garbe/DLR)
 
Johannes Gruber (Foto: DLR)

Adlershof. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vermutet man eigentlich Interesse an Jets, Raketen und Satelliten. Verkehrsforscher Johannes Gruber hat sein Augenmerk jedoch auf Drahtesel gelenkt.

Der 29-jährige Wissenschaftler ist Leiter des Projekts "Ich ersetze ein Auto" des DLR-Instituts für Verkehrsforschung. Und der Name ist durchaus ernst gemeint. "In der Stadt werden fast alle Güter mit dem Auto transportiert. Das ist bei vielen Waren einfach nicht notwendig, das könnte auch ein Lastenfahrrad", sagt Gruber. Dabei gibt es Ähnliches ja schon. Fahrradkuriere haben den Transport von Vertragsunterlagen, Videokassetten von Fernsehteams oder Speicherkarten von Fotografen übernommen. Transportiert wird alles, was in den Rucksack passt. "In unserem Projekt setzen wir moderne Lastenfahrräder ein. Die haben eine Transportkiste, die mit rund 100 Kilogramm beladen werden kann", erläutert Johannes Gruber. "Da finden neben Dokumenten auch Ersatzteile oder medizinische Proben Platz", meint der Wissenschaftler.

Deutschlandweit sind für das Projekt 40 Lastenräder "iBullitt Pedelec Solar" unterwegs, davon 16 in Berlin. Die rund 4500 Euro teuren Räder finanziert das Bundesumweltministerium, das die Untersuchung in Auftrag gegeben hat. Mit dem Drahtesel, mit dem vor 80 Jahren Bäckergesellen und Gemüsehändler in der Großstadt unterwegs waren, hat das Gefährt der Neuzeit nur wenig zu tun. Es ist ein solide gebautes Rad mit Elektrounterstützung. Ein 250-Watt-Motor kann zugeschaltet werden. Der Akku reicht für rund 90 Kilometer, einige Solarzellen im Deckel der Transportkiste sorgen zumindest für eine teilweise Nachladung. "Durch die Motorunterstützung bewältigt der Fahrer auch Steigungen innerhalb der Stadt mit voll beladenem Fahrzeug", sagt Johannes Gruber.

Wie die von Senioren gern genutzten Elektroräder brauchen auch die elektrischen "Lastesel" des Projekts weder Versicherungskennzeichen noch TÜV. Für den Radler sind auch weder Führerschein noch Helm vorgeschrieben.

Von den Wissenschaftlern werden regelmäßig die Daten ausgewertet, die von den eingesetzten Rädern kommen: die anonymisierten Auftragsbücher der Kuriere, regelmäßige Interviews mit den Fahrradlenkern und die Aufzeichnungen der GPS-Daten. Bei den Nutzern kommt das Projekt gut an. "Beim Kurierdienst Messenger, mit dem wir in Berlin zusammen arbeiten, drängeln sich die Kuriere um die Elektro-Lastenräder", verrät Verkehrsforscher Gruber.

Auch wenn die Daten erst seit wenigen Wochen erhoben werden, besteht Hoffnung, dass in Zukunft mehr Lastenräder in Berlin zu sehen sein werden. "Die Kuriere fahren auf dem Radweg oft am Stau vorbei, haben viel geringere Kosten als mit dem Auto und werden dadurch wettbewerbsfähiger. Künftig könnten Lastenfahrräder auch für Handwerker oder Pizzaboten interessant werden", vermutet Johannes Gruber.

Das Forschungsprojekt läuft noch bis Sommer 2014. Im Frühjahr 2013 soll es die erste Auswertung geben.

Wissenswertes im Internet: www.ich-ersetze-ein-auto.de

Ralf Drescher / RD
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