1. Lange Filmnacht Hohenschönhausen schaut zurück auf die 30 Jahre Großsiedlung

Berit Petsch und Juliane Springsguth zeigen Ansichten der Großsiedlung. (Foto: Wrobel)
Berlin: Jugendfreizeiteinrichtung Arche |

Neu-Hohenschönhausen. . Ganz persönliche Einblicke in die Geschichte der 30 Jahre alten Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen gewähren die filmischen Schätze der Anwohner in der 1. Langen Filmnacht Hohenschönhausen, die am 20. Juni stattfindet.

"Die Idee der Filmnacht ist, die Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen aus ganz verschiedenen Blickwinkeln zu präsentieren", sagt Juliane Springsguth. Mehr als ein halbes Jahr recherchierte die Medienwissenschaftlerin zusammen mit der Ethnologin Berit Petsch und Stefanie Eckert, Mitarbeiterin bei der DEFA-Stiftung, nach Spielfilmen und Filmdokumenten zum Leben und Wohnen in der Großsiedlung.

"Wir haben sehr viel Filmmaterial entdecken können. Das fängt bei den Berichten des DDR-Fernsehens an, die in ihrem Ton politisch geprägt sind, bis hin zu ganz persönlichen Eindrücken der Anwohner und ihren Lebenswegen nach der Wende", sagt Berit Petsch.

Zu sehen sind diese Filmschätze am 20. Juni in der Jugendfreizeiteinrichtung "Arche" in der Degnerstraße 40. Das Programm zwischen 14 bis 23.40 Uhr ist in sechs Sektionen unterteilt. Vom Kinderfilm, der ab 14 Uhr beginnt, über Berichte der "Aktuellen Kamera" bis hin zu Erinnerungen, Jugendfilmen und zeitgenössischen Dokumentationen zeigt das Filmrepertoire die Vielfalt im einstigen Bezirk und heutigem Ortsteil Lichtenbergs.

"Gerade unter den jüngeren Anwohner gibt es das Gefühl, die DDR sei eine Ewigkeit her", weiß die 38-jährige Berit Petsch, die in Lichtenberg geboren wurde. "Anhand der Berichte der Aktuellen Kamera lässt sich etwa die Entstehungsgeschichte dieses riesigen Bauprojekts nachverfolgen." Die ab 15 Uhr gezeigten Filmdokumente sind auch Zeugnisse der Grundsteinlegung, der Nachbarschaftshilfe oder der Arbeiten an der Infrastruktur.

Besonders spannend verspricht jedoch der Blick der Bewohner auf das Leben in der Siedlung ab 16.20 Uhr. Die professionelle Filmemacherin Maren Erdmann begibt sich in ihrer 2008 gedrehten Dokumentation "Die B-Klasse - Pioniere der letzten Stunde" auf die Suche nach den Spuren der Lebenswege ihrer einstigen Mitschüler der Klasse 1b der Oberschule "Anna Seghers". Dabei macht sie ihre Mitschüler ausfindig und zeichnet ihre Lebenswege nach, die über die Wendezeit oft wechselhaft waren.

Mit der Dokumentation "Der weiße Fleck" aus dem Jahr 2013 von Andrea Scheuring zeigt ein Jugendfilmprojekt auf, wie heutige junge Menschen sich mit der Geschichte der Stasi-Haftanstalt in Hohenschönhausen auseinandersetzen. Ein Bild der DDR-Jugend in Zeiten des Umbruchs im Jahr 1990 zeichnet wiederum die einstige DEFA-Dokumentarfilmerin Helke Misselwitz mit "Sperrmüll" nach, der ab 20.35 Uhr zu sehen sein wird. Und der Filmemacher Volker Meyer-Dabisch zeigt in seiner 2014 erschienenen Dokumentation "Von Hohenschönhausen nach Niederschöneweide", was für die heutigen Anwohner das Leben in der Plattenbausiedlung ausmacht. Der Film beginnt etwa um 22.30 Uhr.

"Viele Menschen wissen wenig über Neu-Hohenschönhausen, deshalb haben sie oft die Vorstellung, hier sei es trist und grau. Die Filmnacht zeigt, dass es hier anders aussieht", sagt Berit Petsch.

Das komplette Programm der 1. Langen Filmnacht gibt es auf www.langefilmnachthsh.blogspot.de oder www.facebook.com/FilmnachtBerlin.

Karolina Wrobel / KW
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