Nostalgie zum Schlecken bei "Eiscafé Heidi"

Das Eis ist fest in Familienhand: Belinda Birkhold (rechts) und Tochter Luisa führen das "Eiscafé Heidi". (Foto: Wrobel)
 
Vor der Eisdiele: Saskia Stolzenburg ist seit ihrer Kindheit Kundin bei der Familie. Mit von der Schleckpartie: Béla Kotowski. (Foto: Wrobel)
Berlin: Eiscafé Heidi |

Alt-Hohenschönhausen. Ein Eis, so gut wie damals? Viele der heute erwachsenen Kunden haben das "Eiscafé Heidi" der Familie Birkhold schon als Kinder aufgesucht. Es ist eben "legendär", sagt Kundin Saskia Stolzenburg. Ein guter Grund, den Eismachern im Rahmen der Berliner Woche Serie "Unser Kiez - Rund um die Konrad-Wolf-Straße" einen Besuch abzustatten.

"Im Sommer bilden sich lange Schlangen, aber ich stehe für so ein leckeres Eis gerne an", sagt Saskia Stolzenburg. Die 20-Jährige wohnt in der Nähe der Konrad-Wolf-Straße 111, wo neben einem Metzger im "Eiscafé Heidi" Eis und andere Süßigkeiten ganzjährig locken.

Noch vor einigen Jahren führte Stolzenburgs Schulweg an der Eisdiele vorbei. Für einige Groschen ließ sich der Weg nach Hause mit der milchig-kühlen Schleckerei versüßen. Bis heute hat die junge Frau dem Eiscafé aus Kindertagen die Treue gehalten. Und damit ist sie nicht alleine: "Schon meine Mutter hat hier als Kind ihr Eis gekauft", erzählt sie und bestellt erstmal einen Becher mit mehreren Kugeln, dazu Sahne und frische Früchte. Es gibt Straciatella, Erdbeer, Vanille oder Schoko. "Ausgefallene Sorten wie Basilikum-Eis oder Schoko-Chili haben wir nicht. Die Klassiker finden unsere Kunden eben am besten", sagt Belinda Birkhold.

Belinda Birkhold führt den kleinen, fast unscheinbaren Eisladen in zweiter Generation. Tatsächlich ist der Laden aber noch viel älter. "Bis in die 1950er Jahre hinein gab es an dieser Stelle einen Fahrradladen. Der Eisverkauf kam später", sagt Günter Torrnow.

Der Vater von Belinda Birkhold hat das "Eiscafé" Anfang der 1990er Jahre von dem vorherigen Betreiber übernommen und es nach seiner Frau Heidi genannt. "Ich fand den Namen meiner Frau hübsch. Eiscafé Günter gefiel mir weniger gut", lacht der heute 72-Jährige.

Vor der Wende gehörte ihm der benachbarte Fischladen. "Nach der Wende gab ich den Fischladen auf und übernahm das Café", sagt Torrnow. Die Zeiten waren für Geschäftstreibende allerdings wenig rosig. Der Eisverkauf alleine hat damals wenig abgeworfen. "Um den Laden über Wasser zu halten, habe ich noch einen kleinen Imbiss dazu betrieben. Da gab es Erbsensuppe, Buletten oder Bockwurst." Heute hält seine Tochter den Eislöffel fest in ihrer Hand, und es läuft. Denn obwohl der Eisverkauf streng genommen ein Saisongeschäft ist, kann Birkhold heute fast ganzjährig auf ihre treue Kundschaft bauen. "Unser Verkaufshit bleibt das Softeis Schoko-Vanille", sagt sie. "An den schönsten Sommertagen gehen schon mal 120 Liter raus."

Ein Grund für den großen Zuspruch ist die eigene Rezeptur der Familie. "Die wird natürlich nicht verraten. Sie anzurühren braucht allerdings mehr als eine Stunde", sagt Birkhold und verrät dann ein anderes kleines Geheimnis: Denn manchmal ist der Kundenandrang so groß, dass schneller Nachschub angerührt werden muss.

Dann wird tatsächlich Softeis nach DDR-Rezeptur hergestellt. Das dauert zehn Minuten. Das Pulver "Eisfix-Original" der Firma Anona wird immer noch hergestellt und ist der Notnagel an gut frequentierten Tagen. Doch meistens ist Belinda Birkhold gut auf den Andrang vorbereitet. "Der Wetterbericht am Abend gehört zur Vorbereitung dazu", sagt die Eisverkäuferin. KW

Sie wollen weitere Geschichten aus der Serie rund um die Konrad-Wolf-Straße lesen? Dann klicken Sie auf Unser Kiez - Rund um die Konrad-Wolf-Straße. Persönliche Kiezgeschichten aus der ganzen Hauptstadt gibt es wiederum auf Unser Kiez - Berlin.
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