Spitzenleistung: Klöppeln ist die Königsdisziplin des Kunsthandwerks

Sabine Harmann (l.), Hannelore Ventzke und Christine Meyer (r.) bei ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung, dem Klöppeln. (Foto: Wrobel)
 
Dagmar Hänel hat sich ein kompliziertes Muster als Herausforderung gesucht, das auf dem Klöppelkissen mit Hilfe mehrerer Dutzend Klöppel entsteht. (Foto: Wrobel)
Berlin: Bürgertreff "Gemeinsam im Kiez leben" |

Alt-Hohenschönhausen. Alte Kunsthandwerke wie das Klöppeln erleben eine Renaissance: Begeisterte Klöpplerinnen gibt es dabei auch im Bezirk. Zweimal im Monat kommen sie im Bürgertreff in der Schöneicher Straße 10A zusammen.

"Klöppeln, da denken viele zuerst an die Spitzendeckchen", sagt Angelika Rier. "Dabei kann dieses Handwerk auch neu interpretiert werden." Die kostbare und fragile Spitze kann nicht nur als Zierde für Bordüren dienen: Von Lesezeichen aus bunten Fäden über filigrane Fensterbilder bis hin zum Schmuck aus Silberdraht lasse sich mit der Technik allerhand herstellen. "Ich wollte schon immer Klöppeln lernen", sagt Rier, die aus der Uckermark stammt. In Deutschland wird das Klöppeln mit der Tradition verbunden, die im Erzgebirge gepflegt wird. Im Erzgebirge gibt es sogar Klöppelschulen, wo bereits Kinder diese Kunst erlernen. "So habe ich mit neun Jahren das Klöppeln gelernt", sagt Christine Meyer. Sie wuchs im Erzgebirge auf. Seit den 70er-Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Berlin. Lange suchte sie nach Gleichgesinnten, denn das Klöppeln liebt sie bis heute mehr als Stricken oder Häkeln.

Gleichgesinnte schwer zu finden

Doch Klöpplerinnen sind in der Hauptstadt schwer zu finden. Anschluss fand sie im Bürgertreff der Spastikerhilfe Berlin in der Schöneicher Straße 10A. Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat kommen hier Frauen zusammen, die Klöppeln zu ihrer Leidenschaft erkoren haben.

"Ich habe mir das Klöppeln vor drei Jahren selbst beigebracht. Es ist eine aufwendige Technik, die viel Konzentration erfordert", sagt Angelika Rier. Sie beugt sich über das runde Klöppelkissen, an dem hölzerne Spindel – die sogenannten Klöppel – an Fäden zur Seite herabhängen. Kleine Nadeln sind auf eine Mustervorlage ins Kissen gesteckt. An diesen Nadeln werden die Fäden zum vorgegebenen Muster geklöppelt. Dann bilden die Fäden "Schläge". "Da gibt es den Formschlag oder den Leinenschlag", sagt Angelika Rier. Jede Klöpplerin sucht die Herausforderung mit neuen Mustern. Und selbst Fortgeschrittene Klöpplerinnen greifen gerne auf sogenannte Klöppelbriefe zurück: Das sind vorgefertigte Muster, nach denen geklöppelt wird – was schon aufwendig genug sein kann. An so manchem Muster hängen Hunderte Fäden. Nur Geübte behalten da den Überblick.

Wer will mitmachen?

Wie etwa Dagmar Hänel. Sie gehört zu den Organisatorinnen der Klöppel-Gruppe. "Wir suchen nach neuen Teilnehmern", sagt sie. Wer der Klöppel-Gruppe beitreten will, sollte bereits Erfahrung mitbringen. Grundsätzlich geben die erfahreneren Klöpplerinnen auch gerne Tipps und Tricks an weniger Erfahrenere, doch ein Grundwissen sollte vorhanden sein, sodass selbstständig gearbeitet wird. Wer noch Grundwissen benötigt, kann einen Kurs beispielsweise an der Volkshochschule Treptow-Köpenick belegen. Vom 8. Februar bis zum 19. April wird hier ein Workshop angeboten. KW

Die nächsten Termine für die Teilnahme an der Klöppel-Gruppe im Bürgertreff in der Schöneicher Straße 10A können bei Kathrin Krug unter  34 40 90 470 erfragt werden. Weitere Informationen gibt es unter www.spastikerhilfe-berlin-eg.de.
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