Fühlen sie sich sicher im Kiez? - Podiumsveranstaltung in Alt-Hohenschönhausen fand nur mäßiges Interesse

Zur Sicherheitskonferenz in Alt-Hohenschönausen hatten am 13. Juni die Abgeordneten Martin Pätzold und Danny Freymark geladen. (Foto: Berit Müller)
 
Plattenbauten, Einfamilien- und Reihenhäuser stehen hier nahe zusammen. (Foto: Berit Müller)

Alt-Hohenschönhausen. Fühlen sich die Menschen sicher in ihrem Kiez? Sind sie besorgt, haben sie Ängste? Was sollten Polizei und Politik verbessern? Das wollten der Bundestagsabgeordnete Martin Pätzold und Danny Freymark, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, (beide CDU) wissen – und luden am 13. Juni zur Sicherheitskonferenz in Alt-Hohenschönhausen ein.

„Das verstehe ich nicht“, wunderte sich ein Besucher angesichts der recht überschaubaren Gästeschar. „Ich hätte gedacht, dass es proppenvoll wird.“ Ein Irrtum. Nur wenige Anwohner hatten den Weg in den Gemeindesaal der Heilig-Kreuz-Kirche im Malchower Weg gefunden. Ein Indiz dafür, dass im Alt-Hohenschönhausener Kiez in Sachen Sicherheit alles bestens ist?

Allzu großen Anlass zur Besorgnis gebe es in der Tat nicht, sagte der Leiter des Polizeiabschnitts 61, Burkhard Sonntag, den die beiden Politiker aufs Podium gebeten hatten. Seine Dienststelle ist in der Falkenberger Chaussee und für das gesamte Gebiet des Altbezirks Hohenschönhausen zuständig. „Wir können uns zwar nicht zurücklehnen“, begann der Beamte. „Es gibt aber auch keine richtig roten Lampen.“

In erster Linie seien es zwei Arten von Kriminalität, die seine Mitarbeiter in Alt-Hohenschönhausen bekämpfen: Haus-, Wohnungs-, Lauben- und Kellereinbrüche auf der einen, Delikte rund ums Auto auf der anderen Seite. „Die Einbrüche treiben uns schon um“, räumte Burkhard Sonntag ein. „Vor allem, weil es so schwer ist, an die Täter heranzukommen. Meistens handelt es sich um osteuropäische Banden. Die Aufklärungsquote ist entsprechend gering.“

Der Abschnittsleiter appellierte ans Publikum, jeden Einbruch, Diebstahl, Über- oder Vorfall unbedingt anzuzeigen. „Das ist wichtig für die Statistik, ich muss wissen, wo ich meine Polizisten hinschicke.“ Burkhard Sonntag bat indes um Verständnis, dass seine 175 Mitarbeiter nicht überall sein können. Schließlich seien sie nicht nur in Hohenschönhausen im Einsatz, sondern auch bei Berliner Großveranstaltungen, wie der Sternfahrt oder dem Turnfest.

An der Personalausstattung von 175 Polizisten auf circa 100.000 Einwohner ließe sich durchaus einiges verbessern, sagte Danny Freymark. „Aber Lichtenberg hat ein Drittel weniger Straftaten als der Berliner Durchschnitt, in Hohenschönhausen liegen wir sogar noch darunter.“

„Gut und schön“, meldete sich eine ältere Anwohnerin zu Wort. „Wir leben ja nicht in Kreuzberg. Ich fühle mich hier aber auch nicht mehr sicher. Abends traue ich mich jedenfalls nicht mehr aus dem Haus!“ Pöbeleien, Übergriffe, Diebstahl, Einbrüche und Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung: Gar nicht so ruhig und beschaulich sei Alt-Hohenschönhausen, hieß es aus den Publikumsreihen.

Warum die Polizei keine Selbstverteidigungskurse in den Kiezen anbiete, wollte eine Besucherin wissen. „Wenn ich mich wehren kann, fühle ich mich sicherer.“ Für die Sicherheit zu sorgen, sei schon Aufgabe der Polizei, antwortete Martin Pätzold. Und erwähnte in diesem Zusammenhang das Thema Videoüberwachung. Seine Partei setze zur Aufklärung von Straftaten und zum Schutz davor auf verstärkten Einsatz der Kameras im öffentlichen Raum.

Ein Plädoyer für die Videoüberwachung hielt auch Nils Krüger. Der Geschäftsführer einer privaten Sicherheitsfirma war in erster Linie für Informationen zum Einbruchschutz vor Ort. Seine Beschäftigten sind aber auch bei Veranstaltungen im Einsatz. Sie bringe nur Vorteile für Sicherheitskräfte und die Bevölkerung. „Wir sollten nicht mehr diskutieren, ob die Technik verstärkt eingesetzt wird, sondern, wie mit den sensiblen Daten umgegangen wird, um sie vor Missbrauch zu schützen.“ bm
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