Mies van der Rohe Haus zeigt die Schönheit der Zahlen

Giorgio Griffa macht den goldenen Schnitt als Zahlen- und Farbenreihe zum Gegenstand seiner Bilder. (Foto: Mies van der Rohe Haus)

Alt-Hohenschönhausen. Die Kunst von Giorgio Griffa bewegt sich an der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft. Seine eindrucksvollen Bilder sind jetzt in einer Ausstellung im Mies van der Rohe Haus zu sehen.

Zahlen sind für den Künstler Giorgio Griffa weit mehr als bloße Dekoration seiner Bilder. Ihr Geheimnis entschlüsselt der Maler abstrakt auf großen Leinwänden. Das geschieht auf ganz spielerische Weise, wenn Griffa farbenfrohe Punkte und leuchtende Linien neben Ziffernfolgen malt. Das Malen frei Hand ist für Griffa nämlich weit mehr als ein überlegter Akt, der die Leinwandfläche mit Bedeutung füllen soll. Giorgio Griffa verbildlicht vielmehr die Faszination, die sich aus dem konkreten Gegenstand an sich ergibt: der Zahl. So wie die Farbe ein Stück Wirklichkeit ist, so beschreibt auch jede Ziffer ein Stück der bekannten Welt. Und so wie eine Reihung von Ziffern kein Ende finden mag, so weist auch das Kunstwerk trotz seiner Begrenzung durch Farbe und Leinwand auf etwas Unendliches, Bedeutsames hin. "1 wird nie 2. 1,6 wird nie 1,7. Im Raum schreitet die Zahl nicht einmal einen Millimeter vorwärts", erklärt Griffa in seinem Essay "Das Göttliche Ebenmaß". In der Ausstellung "Golden Ratio", die noch bis zum 24. Februar im Mies van der Rohe Haus zu sehen ist, setzt sich Giorgio Griffa dabei mit einem ganz besonderen mathematisch-philosophischen Phänomen auseinander: dem goldenen Schnitt. Dabei greift Griffa den goldenen Schnitt nicht nur als ein ästhetisches Prinzip einer idealen Proportion auf, wie sie seit Jahrhunderten in der Kunst und in der Architektur Verwendung findet. Griffa reduziert seine Betrachtung auf die Form der schlichten Zahlenreihung 1,6180339887... als die der goldene Schnitt mathematisch ausgedrückt werden kann. Diese Zahl schreibt er in Ziffern nebst leuchtenden Farblinien und Punkten in seinen Bildern ein. Dabei sind diese Bilder nicht streng durchkomponiert, sondern in spielerischer Weise gemalt. Unkonventionell ist auch die Präsentation dieser Bilder: Die rohen, großformatigen Leinwände sind ungerahmt und werden bloß mit einigen Nägeln an der Wand fixiert. "Giorgio Griffas Werk ist sowohl von Askese und Bescheidenheit geprägt, strahlt aber dennoch eine verspielt mediterrane Leichtigkeit aus", weiß Wita Noack, die Leiterin des Mies van der Rohe Hauses. Es ist eine zeitgenössische Variation der "Kunst des Einfachen", die auch das Werk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe prägte.
Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr im Mies van der Rohe Haus in der Oberseestraße 60 zu sehen. Weitere Informationen unter www.miesvanderrohehaus.de.

Karolina Wrobel / KW
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