SozDia scheitert mit seiner Bewerbung und übt Kritik

Die Caritas gibt die Kinderbude auf. Der Verein pad wird die Einrichtung übernehmen. (Foto: Wrobel)

Alt-Hohenschönhausen. Der Träger SozDia ist düpiert, weil er trotz Höchstpunktzahl beim Vergabeverfahren für den Betrieb der Kindereinrichtung "Kinderbude" leer ausgeht.

Die "Kinderbude" am Malchower Weg 48 wird von der Caritas aufgegeben. Sie sei vom Bezirksamt derart unterfinanziert, dass eine qualitative Kinder- und Jugendarbeit nicht zu bewerkstelligen sei, argumentiert der Träger. Um eine Schließung zu verhindern, verständigte sich der Jugendhilfeausschuss im Bezirksparlament darauf, die Einrichtung einem neuen Träger zu übergeben. Kriterien wurden erarbeitet, nach denen die zahlreichen Bewerbungen bewertet wurden - das pädagogische Konzept ebenso wie die Vollständigkeit der eingereichten Unterlagen.

"Wir lagen bei diesem Punkteverfahren auf dem ersten Platz", sagt Michael Heinisch. Der Geschäftsführer der SozDia Arbeit Berlin war sicher, den Zuschlag zu bekommen. Doch er ging bei der Entscheidung des Jugendhilfeausschusses leer aus. Die Mitglieder votierten für den Zweitplatzierten. Am 1. Januar wird der Verein "pad" die Kinderbude übernehmen.

"Es ist eine politische Entscheidung", kritisiert Heinisch. Er fordert, sich verbindlich an das Punkteverfahren zu halten. "Wir sind ein innovativer Träger mit einer starken wirtschaftlichen Leistung, mit der wir den Standort nachhaltig stützen wollten." So bot SozDia zusätzliche Mittel in Höhe von 45 000 Euro aus eigener Tasche an, um die qualitative Jugendarbeit in der Einrichtung auszubauen. "Die Caritas hat den Standort aufgegeben, weil er unterfinanziert war. Wir wollten dieses Defizit ausgleichen", sagt Heinisch.

Der jugendpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke, Norman Wolf, kann die Kritik nachvollziehen. "Bei der Entscheidungsfindung wurden handwerkliche Fehler gemacht. Eine gewisse Verlässlichkeit beim Vorgehen im Verfahren muss gegeben sein." Doch hält Wolf, der sich beim Votum enthielt, die Entscheidung für den Verein pad trotzdem für richtig. Ebenso der jugendpolitische Sprecher der SPD, Erik Gührs. Er nahm an der Abstimmung wegen Befangenheit nicht teil, weil er Mitglied im Verein "Spik" ist, der sich ebenfalls bewarb. "Der Verein pad ist vor Ort bereits mit der Schule verankert. Auch war es der Wunsch der Schule selbst, ihn zu wählen." Auch wenn man von der Punktevergabe abgewichen sei, handelt es sich um eine "vertretbare Entscheidung", so Gührs. Jugendstadträtin Sandra Obermeyer (parteilos für Die Linke) weist darauf hin, dass das Interessenbekundungsverfahren keinen festen Formvorgaben unterliegt.

Träger pad will die Kinder- und Jugendarbeit durch eine stärkere Kooperation mit der Schulstation in der benachbarten Paul-Schmidt-Schule am Malchower Weg 54 verzahnen. Die Station kann am Standort der Kinderbude bereits eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Caritas vorweisen. Die Probleme bei der "Kinderbude" lägen auch weniger bei der mangelnden Finanzierung seitens des Bezirks, so Andreas Wächter vom pad e.V. Schwierig sei auch stets gewesen, Ehrenamtliche für die Kinder- und Jugendarbeit zu gewinnen. Die Einbindung von Ehrenamtlichen und Honorarkräften ist vom Bezirksamt aber vorgeschrieben. Der Verein wolle dafür ehemalige Schüler aus der Region gewinnen. "Im Rahmen eines berufsvorbereitenden Bundesfreiwilligendienstes können ehemalige Schüler, die Erzieher werden wollen, in der Kinderbude einen Einblick in unsere Arbeit gewinnen", so Wächter. Zusätzliche Mittel werde man nicht in die Einrichtung einbringen.


Karolina Wrobel / KW
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