Anwohner kämpfen für ein Tempolimit - auch tagsüber

Karin Schulz sammelte Unterschriften für mehr Ruhe am Malchower Weg. (Foto: Wrobel)

Alt-Hohenschönhausen. Tag und Nacht poltert der Fahrzeugverkehr über den Malchower Weg. Die genervten Anwohner wollen das nicht länger hinnehmen; sie machen mit einer Demo am 18. August mobil.

Die Idylle mit den hübschen Häusern und den gepflegten Gärten trügt. "Es ist unmöglich, sich an der Straße mit einem Nachbarn zu unterhalten. Die Lkws sind besonders ärgerlich, denn die machen am meisten Krach", sagt Karin Schulz. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wohnt sie mit ihrem Ehemann am Malchower Weg. Inzwischen findet die 64-Jährige nicht einmal im Garten hinter dem Haus ein wenig Ruhe. "Der Verkehr wird immer schlimmer." Selbst der Einbau von Schallschutzfenstern brachte wenig.

Schuld seien die Autobahnwegweiser, sagt Schulz. "Dadurch wird der Malchower Weg ein Zubringer zu den Autobahn-Anschlussstellen Weißensee und Pankow. Dabei ist er eigentlich eine Wohnstraße und für ein solches Verkehrsaufkommen gar nicht gedacht." Für Karin Schulz und viele andere Anwohner am Malchower Weg ist der Lärm mittlerweile unerträglich geworden. Seit Jahren setzt sich deshalb eine Bürgerinitiative dafür ein, den Verkehr und damit auch den Lärm einzudämmen. "Das eingeführte Tempolimit von 30 km/h bei Nacht hat ein wenig geholfen, doch gelöst ist unser Problem noch lange nicht", sagt Schulz. Denn am Tag brausen die Autos noch immer mit Tempo 50 über den Weg, zu Stoßzeiten ist ein Überqueren der Straße unmöglich.

"Auch für die Kita- und die Schulkinder am Malchower Weg ist der Verkehr mittlerweile zu einem gefährlichen Problem geworden", so Schulz. Sie hat bereits über 150 Unterschriften von Anwohnern und nochmals über 80 Unterschriften von Eltern der Kita-Kinder gesammelt.

Seit vielen Monaten bemüht sich die Bürgerinitiative bei der Verkehrslenkung Berlin um eine Lösung. Die Mitglieder fordern ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde auch am Tag, außerdem sollten die Autobahnwegweiser entfernt und Lkws über 7,5 Tonnen die Durchfahrt verboten werden. Die Verkehrslenkung Berlin verpricht, sie nehme das Problem ernst. Auch die oberste Straßenverkehrsbehörde überprüft derzeit, welche Maßnahmen den Lärm eindämmen könnten.

Ein Gutachten vom August vergangenen Jahres besagt aber, dass die gesetzlichen Lärmrichtwerte von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht am Malchower Weg gerade noch eingehalten werden: Eine Hochrechnung ergab 69 Dezibel tagsüber und nachts 60 Dezibel. "Die tatsächlichen Werte dürften anders sein", vermutet dagegen Karin Schulz. Denn das Ergebnis des Gutachtens sei per statistischer Hochrechnung ermittelt, die Werte nicht wirklich gemessen worden.

So ist noch immer nicht entschieden, ob am Malchower Weg ein Tempolimit von 30 km/h am Tag eingeführt wird. Das teilte die Verkehrslenkung Berlin in einem Schreiben an Karin Schulz mit. "Deshalb wollen wir jetzt unseren Forderungen Nachdruck verleihen", sagt die 64-Jährige. In Kooperation mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub plant die Bürgerinitiative am 18. August um 18 Uhr eine Fahrrad-Demonstration.


Karolina Wrobel / KW
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