Neues Kostenmodell sorgt für die erste Schließung

Praktikantin Pamela Tietz engagiert sich in der Kinderbude, Mathias Bautz leitet die Jugendliche bei der Betreuung der Kinder in der Einrichtung an. (Foto: Wrobel)

Alt-Hohenschönhausen. In der "Kinderbude" am Malchower Weg sollen Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren ihre Freizeit verbringen können und bei Problemen Hilfe finden. Doch die Einrichtung ist vom Bezirk so unterfinanziert, dass die Trägerin Caritas jetzt das Handtuch wirft.

"Wir sind finanziell am Ende der Fahnenstange", sagt Mathias Bautz, Leiter des Caritas-Kinderzentrums "Kinderbude". "Ende des Jahres ist Schluss." Die Caritas wird die Einrichtung am Malchower Weg 48 also über 2014 hinaus nicht tragen. Schon jetzt pumpe die Caritas zusätzliches Geld in die "Kinderbude", um den Betrieb irgendwie aufrecht zu erhalten, so Bautz.

Damit reagiert ein Träger erstmals konsequent auf die vom Bezirk eingeleitete Umsteuerung in der Jugendarbeit. Um die Kosten bei den Ausgaben für die Kinder- und Jugendklubs zu senken, sollen bis zu 30 Prozent der Angebote in den Einrichtungen Ehrenamtliche leisten. Ein Modell, das eigentlich verhindern sollte, dass Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen wegen der knappen Haushaltsmittel geschlossen werden müssen. Jetzt stellt sich heraus, dass so viele versierte Ehrenamtliche für die meisten Träger schwer zu finden und dass die Verträge mit dem Bezirksamt damit kaum einzuhalten sind. "Die Vorgabe von 30 Prozent ist nicht zu erreichen, selbst 20 Prozent wären für uns zu viel", sagt Bautz. Und beklagt: "Das alles hat Auswirkungen auf den Kinderschutz."

Denn die Fachkräfte in der "Kinderbude" hätten einfach nicht mehr genügend Zeit, sich mit den Belangen der Mädchen und Jungen eingehend zu beschäftigen. In der "Kinderbude" gibt es fünf Fachkräfte, die sich zwei Personalstellen teilen.

"Wenn die Kinder mehrere Anläufe unternehmen müssen, um Probleme mitzuteilen, lassen sie es irgendwann ganz bleiben", erzählt Bautz. Die Ehrenamtlichen in den Einrichtungen würden viel zu häufig wechseln, als dass die Kinder sie als zuverlässige, vertrauenswürdige Ansprechpartner anerkennen könnten. Nicht zuletzt bringe der ständige Personalwechsel auch Gefahren mit sich, wenn man die Helfer nicht gut genug kenne. "Das Risiko eines sexuellen Missbrauchs steigt."

In den vergangenen fünf Monaten hatte die "Kinderbude" fünf Praktikanten. Probleme mit diesen Ehrenamtlichen gab es nicht. Oft sind solche Helfer Anwärter auf eine Erzieher-Ausbildung. "Denn nicht jeder Freiwillige ist auch für die Arbeit mit Kindern geeignet", sagt Mathias Bautz. Seine Praktikanten bleiben aber in der Regel nur wenige Wochen in der Einrichtung. "So kann keine echte Bindung zu den Kindern entstehen."

Seit 2008 wird die Kinderbude von der Caritas getragen. Während der Bezirk dem Träger zu Beginn ein Budget von 107.000 Euro zur Verfügung stellte, sind es im Jahr 2014 nur noch 89.000 Euro. Dabei müsste das Spektrum an Angeboten für die Kinder und Jugendlichen im Gebiet eher steigen - der Kiez ist unterversorgt, wie jüngst ein Bericht des Jugendhilfeausschusses zeigte.

Jugendstadträtin Sandra Obermeyer (parteilos für Die Linke) reagierte betroffen auf die Ankündigung des Trägers, die "Kinderbude" zu schließen. Und der jugendpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Erik Gührs bekräftigte, dass das Aufgeben der Caritas noch nicht das Aus für den Standort bedeute - wenn ein anderer Träger die Arbeit übernimmt. Ob der sich angesichts der aktuellen Vorgaben so schnell finden lässt, ist aber fraglich.


Karolina Wrobel / KW
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