Berlins erster Bahntunnel soll wieder sichtbar werden

Alt-Treptow. In Stralau gibt es eine Tunnelstraße, wenige Meter neben dem Zenner-Parkplatz einen Platz am Spreetunnel. Nur von einem Tunnel ist seit Jahrzehnten nichts mehr zu sehen. Das soll sich wieder ändern.

Der Tunnel, der von 1895 bis 1899 im bergbautechnischen Schildvortrieb - ähnlich wie der U-Bahnbau derzeit durch Berlins Mitte - entstand, nahm von 1899 bis 1932 eine Straßenbahnverbindung zwischen Treptow und Stralau auf. Mit dem Tunnel, an dessen Bau die AEG und Philipp Holzmann beteiligt waren, sollten Erfahrungen für den Bau der U-Bahn gewonnen werden. "Daran sollte oberirdisch erinnert werden. Die Umgestaltung des Treptower Parks gibt die Möglichkeit, den Verlauf des Tunnels zu markieren", meint René Pönitz, Bezirksverordneter der Piraten.

Bei einem Vororttermin des Bezirksdenkmalrats hat Pönitz gleich mehrere Karten mitgebracht, auf denen der Tunnelverlauf dargestellt ist. Da die Ausfahrt ungefähr dort war, wo heute der Sommerblumengarten ist, ist an dieser Stelle keine Markierung möglich. "Vorstellbar wäre aber eine Markierung am Spreeufer, hier könnte auch mit einer Gedenktafel an den ersten Verkehrstunnel in Berlin erinnert werden", meint Gabriele Schmitz von der SPD-Fraktion, die einen entsprechenden Antrag für die BVV vorbereitet hat. Aus dem Denkmalrat gibt es Überlegungen, den Tunnel auch visuell durch eine Plastik darzustellen. "Zum Beispiel durch ein Schienenpaar, das am Spreeufer im Boden verschwindet", meint Stefan Förster, Vorsitzender des Bezirksdenkmalrats. Nun müssen die Verordneten über das Projekt beraten.

Die rund 30 Jahre betriebene Straßenbahn war auch als Stralauer Knüppelbahn bekannt. Der einfache Holzknüppel diente als Sicherung auf der nur eingleisigen Strecke durch den Tunnel. Er wurde wie ein Staffelstab von den Fahrern übergeben, nur wer den Knüppel hatte, durfte einfahren.

Beim Vororttermin an der früheren Ausfahrt kam gleich noch eine weitere Frage auf. Unmittelbar am Zenner-Parkplatz befindet sich ein zur Gaststätte gehörendes Heizhaus mit einer Art Aussichtsturm. Über den Zweck dieses Bauwerks ist leider nichts im Bezirk bekannt. Leser, die dazu Hinweise haben, schreiben uns bitte unter redaktion@berliner-woche.de oder an Berliner Woche, Kennwort: Treptower Park, Wilhelmstraße 139, 10963 Berlin.


Ralf Drescher / RD
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