In der Litografiewerkstatt werden Druckverfahren ausprobiert

Die Grundlage der Lithografie sind Platten aus Solnhover Kalkstein, daher kommt auch die Bezeichnung Steindruck. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Werkstatt künstlerische Lithographie |

Alt-Treptow. Seit über 20 Jahren gibt es an der Defreggerstraße die Werkstatt künstlerische Lithographie. Allerdings wird hier nicht nur der Steindruck, der ihr den Namen gegeben hat, ausgeübt.

Die zwölf "Stammkünstler", die die Einrichtung nutzen, experimentieren immer mal wieder mit einer auch für sie neuen Technik. Monika Hipfel ist schon seit fünf Jahren dabei. Die Textilgestalterin betreibt im Köpenicker Fischerkietz eine kleine Boutique, in der sie immer wieder neben Kleidung auch eigene Kunstwerke anbietet. Derzeit fertigt Monika Hipfel Drucke im Vernis-mou-Verfahren, auch Weichgrundätzung genannt.

Die Zutaten dafür könnten eher aus dem Knallt-und-stinkt-Schullabor stammen. Eine Zinkplatte wird mit einem Abdecklack versehen, dann mit Papier abgedeckt und darauf das Motiv gemalt. Anschließend erfolgt das Ätzen im Salpetersäurebad. Im späteren Druck bleiben sogar die Körnung des aufgelegten Papiers und der Charakter des Zeichenstifts erhalten. "Ich presse dann noch textil Strukturen wie Stofffetzen oder Fäden ein", erläutert Monika Hipfel ihre Variante der Technik. "Ich bin von der Strichzeichnung der Motive immer wieder begeistert und probiere oft etwas Neues aus", sagt die Künstlerin. Die Weichgrundätzung gab es bereits im 17. Jahrhundert, bekannte Künstler wie Auguste Renoir und Käthe Kollwitz haben sich an ihr versucht.

Die gute Seele der Druckwerkstatt ist Henry Ruck. Der 60-Jährige hat schon vor seiner Arbeit als Bühnentechniker am Deutschen Theater Grafikkurse belegt. Seit 1988 ist er in der Lithografiewerkstatt in Alt-Treptow dabei. "Wir veranstalten auch Kurse, zum Beispiel für psychisch Beeinträchtigte aus den Projekten der Union sozialer Einrichtungen", erzählt Ruck.

Demnächst muss er aber erst einmal eine Ausstellung vorbereiten. Ab 13. März zeigen er und Martin Lotz, der ebenfalls zum festen Werkstattteam gehört, ihre "Arbeiten aus dem Grafikschrank". Bis dahin sind noch Druckexperimente von Harald Reibke zu sehen. Geöffnet ist die Galerie in der Defreggerstraße 12 immer montags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Dann kann man sich auch nach Möglichkeiten erkundigen, die Werkstatt für eigene Arbeiten zu nutzen oder an Druckkursen teilzunehmen. Die Kunstwerke von Monika Hipfel können montags bis donnerstags von 13 bis 18 Uhr in ihrer Textilwerkstatt im Kietz 18, in der Nähe der Köpenicker Altstadt, bewundert werden.

Mehr Informationen unter www.lithowerkstatt-berlin.de oder unter 533 66 71.

Ralf Drescher / RD
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