Museumshafen soll an den Zollsteg ziehen

Ein historischer Lastkahn beim Probeliegen, dahinter der alte DDR-Zollsteg. (Foto: Ralf Drescher)

Alt-Treptow. Bis 1989 war hier Sperrgebiet auf der Spree zwischen Treptow und Kreuzberg. Genau der richtige Ort für ein Museum am früheren Todesstreifen.

Manfred Plitsch hat seit Jahren die Kapitänsmütze auf. Er ist Vorsitzender des Vereins Historischer Hafen Berlin, dessen Schiffe bisher das Publikum in die Nähe der Jannowitzbrücke ziehen. "Seit zehn Jahren gibt es Pläne für einen neuen Museumshafen mit Ausstellungsmöglichkeiten", sagt er. Der Standort in der Stadtmitte sei ja nur ein Provisorium, und erste Pläne für den Urbanhafen hatten sich vor rund fünf Jahren zerschlagen. Bereits 2012 haben sich die Schiffer an einem Interessenbekundungsverfahren zur künftigen Nutzung des alten Zollstegs vor dem Allianz-Tower in Treptow beteiligt und mit ihrem Konzept gegen neun Mitbewerber gewonnen. Die Pläne sehen vor, Liegeplätze für 16 historische Schiffe zu bauen, darunter für einen tschechischen Heckradschlepper und Berlins ältestes Fahrgastschiff, die "Heinrich Zille". In einem Gebäude, welches den Uferweg mit dem Zollsteg verbinden soll, wird ein Museum zur Geschichte der Berliner Schifffahrt Platz finden. "Der ehemalige Zollsteg ist genau der richtige Ort, um die Geschichte unserer Stadt zu vermitteln", ist Rainer E. Klemke überzeugt. Er ist Rentner im Unruhestand. Bereits als Gedenkstättenreferent des Senats hatte er sich für den DDR-Zollsteg eingesetzt und konnte den bereits geplanten Abriss im letzten Augenblick verhindern. "Er ist das letzte Zeugnis der Wassergrenze, welches wir in unserer Stadt haben", meint er.

Klemke ist ebenso wie Plitsch Mitbegründer der Stiftung Museumshafen Berlin. Als ihren Mitstreitern haben sie unter anderem Axel Klausmeier gewinnen können, der bereits der Stiftung Berliner Mauer vorsteht und deshalb eine enge Zusammenarbeit beider Stiftungen garantieren kann.

Für das Bauvorhaben, zu dem auch noch ein Café sowie Anlegestellen für Fahrgastschiffe und Sportboote gehören, sind 2,8 Millionen Euro veranschlagt. "Wir bemühen uns um private Geldgeber und Fördermittel", sagt Kurator Klemke.

Baubeginn könnte bereits im Sommer 2015 sein. "Wenn alles klappt, weihen wir den neuen Museumshafen 2016 ein", verspricht Manfred Plitsch.

Eine Grenze wird übrigens auch am Museumshafen verlaufen. Die Spree gehört hier in voller Breite zu Friedrichshain-Kreuzberg. Die Uferkante ist bereits der Nachbarbezirk Treptow-Köpenick.


Ralf Drescher / RD
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