Berliner ermitteln fußgängerfeindliche Übergänge

Alt-Treptow. Sie heißen offiziell Lichtzeichenanlagen, im allgemeinen Sprachgebrauch Ampeln und dienen nur einem Zweck - den Verkehr sicherer und zügiger zu machen. Manchmal nerven sie aber auch.

Denn die komplizierte Programmierung ist nicht immer im Sinne aller Verkehrsteilnehmer. Zum Beispiel an der Kreuzung von Elsenstraße und Puschkinallee. Wer von der S-Bahn-Station Treptower Park kommt, überquert erst die Puschkinallee, dann eine Mittelinsel und dann noch einmal die sechs Spuren der Elsenstraße.

"Das ist kaum in einer Grünphase zu schaffen. Wenn ich endlich auf der anderen Straßenseite bin, ist mein Bus oft weg", erzählt Reiner Deutschländer.

Genau diese Ampel hat auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in einer Liste mit 206 problematischen Lichtsignalanlagen aufgeführt. Das sind immerhin zehn Prozent von den gut 2000 in Berlin. Der BUND hatte Fußgänger gebeten, ihre Erfahrungen beim Nutzen von Ampeln aufzuzeichnen. "Fast immer bekommen Fußgänger früher Rot, als zu ihrer Sicherheit nötig ist, um eventuelle Rechtsabbieger abfließen zu lassen", stellt Martin Schlegel, BUND-Referent für Verkehrspolitik, in einer Pressemitteilung fest. Zusätzliche Grünphasen für Rechtsabbieger nähmen den Fußgängern Grünzeit weg. Und das auch, wenn gar keine Rechtsabbieger warten. Offenbar lasse man lieber ungeschützte Fußgänger warten als den Abbieger im warmen und trockenen Auto.

Weitere Ampelanlagen im Bezirk Treptow-Köpenick, die in der BUND-Liste kritisiert werden, sind unter anderem: Lindenstraße/Spindlersfelder Brücke, Fürstenwalder Damm/Bölschestraße/Dahlwitzer Landstraße oder auch Adlergestell/ Dörpfeldstraße/Rudower Chaussee, Ottomar-Geschke-Straße/Oberspreestraße. Im Bereich Lindenstraße/Wuhlewanderweg fehlt eine Ampel gleich ganz, auch das wurde bemängelt.

"Generell gibt es in Berlin noch zu wenig verkehrsabhängige Ampeln, die sich dem Bedarf anpassen", stellt der BUND fest. Die Liste der 206 problematischen Ampelanlagen soll jetzt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt übergeben werden.


Ralf Drescher / RD
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