Jobcenter streicht die Unterstützung für Grashüpfer

Sigrid Schubert (links) und Kristiane Balsevicius bangen um die Zukunft. (Foto: Ralf Drescher)

Alt-Treptow. Wo bis 1989 "Westbesucher" im Intershop gleich neben dem Parkplatz Rosengarten einkauften, erfreut seit 1997 das Figurentheater "Grashüpfer" die Kinder. Jetzt steht die Einrichtung vor dem Aus.

Das Theater, hervorgegangen bereits zu DDR-Zeiten aus einer privaten Initiative, ist eine Hülle, die von einem gemeinnützigen Verein getragen wird. Gefüllt wird das Haus durch insgesamt neun Theater - Einzelpersonen oder kleine Ensemble - die für rund 350 Vorstellungen im Jahr sorgen. Rund 16 000 Zuschauer kommen jedes Jahr zu Theatervorstellungen, Märchenlesungen oder Kindergeburtstagen. Verwaltung und Organisation wurden bisher über das Jobcenter im Rahmen des zweiten Arbeitsmarkts gewährleistet. "Diese Stelle ist am 31. Dezember 2012 ausgelaufen, es gibt bei der Agentur für Arbeit kein passendes Arbeitsförderungsprogramm mehr für unser Projekt", ärgert sich Sigrid Schubert. Die 72-Jährige Informatikerin ist seit Jahren im beruflichen Ruhestand und leitet das Theater ehrenamtlich. "Rein ehrenamtlich können 350 Vorstellungen auf Dauer nicht koordiniert werden", sagt Sigrid Schubert. Bis zum Jahresende will sie es aber versuchen.

Der Bezirk, der der kleinen Bühne bereits über 15 Jahre die Räume kostenfrei zur Verfügung stellt, hat reagiert und aus dem Kulturetat einmalig einen Zuschuss von 3000 Euro bewilligt. Jetzt liegt die ganze Hoffnung beim Senat. Drei Anträge, das Theater an sich zu unterstützen, wurden aber in den vergangenen Jahren bereits abgelehnt. "Im Juni wird bei der Kulturverwaltung über unseren neuen Spielstättenantrag entschieden, wir hoffen, dass wir diesmal dabei sind", sagt Schubert.

Seit Wochen sammelt sie unter den Zuschauern Unterschriften für den Erhalt ihrer kleinen Bühne. Rund 1200 sind schon zusammengekommen. "Für mich ist das Theater hier im Treptower Park zum Teil meine Heimat geworden. Ich habe hier jedes Jahr 25 Auftritte und möchte mein Publikum nicht missen", sagt zum Beispiel Kristiane Balsevicius vom Kobold-Figurentheater.


Ralf Drescher / RD
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