Streit um den Autobahnbau: BUND fordert neues Planfeststellungsverfahren für A 100

Von Neukölln - im Hintergrund das Hotel Estrel - wächst die A 100 in Richtung Treptower Park. (Foto: Ralf Drescher)

Treptow-Köpenick. Im Ortsteil Alt-Treptow macht die Kiefholzstraße seit Jahren einen Schlenker um eine riesige Baugrube. Hier wächst die Stadtautobahn A 100 von der Neuköllner Grenzallee kommend in Richtung Treptower Park. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellt den Bau jetzt in Frage. Grund ist der Skandal um die gefälschten Abgaswerte von Dieselfahrzeugen.

„Der Dieselskandal hat allen vor Augen geführt, dass es bei Berechnungen von Schadstoffen zu erheblich niedrigeren Ergebnissen gekommen ist als bei den tatsächlich gemessenen. Deshalb muss auch der Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der A 100 im 16. Bauabschnitt wegen der bei realistischer Berechnung zu erwartenden hohen Luftschadstoffbelastungen aufgehoben oder zumindest geändert werden“, teilt der BUND in einer Pressemitteilung mit.

Alles noch mal auf den Prüfstand?

„Die Genehmigungsbehörde in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz muss nun die Luftschadstoffbelastungen erneut berechnen lassen und das Planfeststellungsverfahren wieder eröffnen. Das gesamte A-100-Vorhaben muss noch einmal auf den Prüfstand. Auch in Berlin muss der Schutz der Gesundheit der Menschen ein höheres Gewicht bekommen als das Interesse, mit dem Pkw möglichst schnell in die Stadt zu kommen“, schreiben die BUND-Vertreter.

In Berlin werden rund um die Autobahn in den nächsten Jahren rund eine Milliarde Euro aus Bundesmitteln verbaut, davon sichert ein nicht geringer Teil auch die Zukunft von Berliner Firmen. „Der Ruf nach einem Ausbaustopp der A 100 ist ein durchsichtiges Manöver eines Senats, der sich augenscheinlich den Kampf gegen die Autofahrer als Lebensmotiv auf die Fahnen geschrieben hat. Kein Argument ist zu fadenscheinig, um nicht gegen das wichtigste Berliner Straßeninfrastrukturprojekt ins Feld geführt zu werden“, teilt der Leiter der CDU-Landesgruppe Berlin im Bundestag, Kai Wegner, mit. Und auch im Bezirk ist man irritiert: „Mit der A 100 soll die Verkehrsbelastung aus Anwohnerstraßen genommen werden. Sie ist auch trotz Dieselskandal für unseren Bezirk wichtig“, sagt Bürgermeister Oliver Igel (SPD). Verärgerung ist auch bei Stefan Förster, selbst Köpenicker und Abgeordnetenhausmitglied der FDP, zu spüren: "Die Umweltverbände sind mal wieder schlechte Verlierer, die eine demokratisch getroffene Entscheidung nicht akzeptieren wollen.
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