Kunstschmied Achim Kühn restauriert seine eigenen Werke

Achim Kühn bei der Oberflächenbehandlung der über 40 Jahre alten Schmiedestäbe. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Atelier Kühn |

Bohnsdorf. Gut 40 Jahre nach ihrer Fertigstellung sind die Schmucktüren der Stadthalle Chemnitz wieder am Ort ihrer „Geburt“ angekommen. Sie befinden sich im Bohnsdorfer Atelier von Achim Kühn (73), der sie vor 41 Jahren angefertigt hat.

„Bei einem Besuch in Chemnitz hatte ich vor fünf Jahren festgestellt, dass die Türen dringend restauriert werden müssen. Nach mehrjährigen Abstimmungen hat die Verwaltung der Stadthalle uns nun mit der Restaurierung beauftragt“, sagt der Kunstschmied Achim Kühn.

Darauf ist der Künstler fast ebenso stolz wie auf die aufwändige Fertigung vor über vier Jahrzehnten. Die Oberfläche der Türen besteht aus strukturiertem Edelstahl, welcher durch Ätzen mit Königswasser bearbeitet wurde. Auf der Außenseite jeder Tür sind jeweils zehn Schmiedestäbe angebracht, die jede Tür zum Unikat machen. „Die Türen stehen mit dem Gebäude der Stadthalle unter Denkmalschutz, jeder Arbeitsschritt muss von uns dokumentiert werden", erläutert Achim Kühn.

„Aus den Stahlflächen der Türen müssen Einbruchsspuren entfernt werden, die Schmiedestäbe werden sandgestrahlt und neu verzinkt.“ Mit dem Pinsel trägt er auf die Stäbe Lasuren auf, zuletzt eine matte Schicht, damit Metall wieder wie Metall aussieht. Außerdem erhalten die historischen Türen neue Panikverschlüsse, und Achim Kühn bereitet den Einbau einer modernen Schließanlage vor.

Die Stadthalle, die 1974 mit dem damaligen Interhotel – heute Mercure – eröffnet wurde, ist ein einzigartiges Architekturdenkmal jener Zeit. Neben den 20 Eingangstüren aus der Werkstatt von Achim Kühn gehören auch Werke von Fritz Cremer und Horst Zickelbein zur künstlerischen Ausstattung.

Jetzt muss sich der Kunstschmied beeilen. Ende September werden die restaurierten acht Türen abgeholt und in Chemnitz wieder eingebaut. „Im kommenden Jahr restaurieren wir dann die restlichen 12 Türen“, verspricht er.

Seit 1967 führt er die von seinem Vater Fritz Kühn (1910-1967) gegründete Bohnsdorfer Kunstschmiede. Aus der Werkstatt von Vater und Sohn stammen unter anderem die berühmten 117 A's am Portal der Berliner Stadtbibliothek, die 2006 vernichtete Aluminiumfassade des Centrum Warenhauses Suhl, der Mühlradbrunnen in Hohenschönhausen und die Klingende Blume am S-Bahnhof Treptower Park. RD

Mehr zu Achim Kühn und seinen Arbeiten gibt es auf www.metalart.de.

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