Altglienicke feiert mit dem Regionalliga-Aufstieg den größten Erfolg der Vereinsgeschichte

Torsten Mattuschka mit dem Meisterpokal. Altglienicke jubelt über den Aufstieg in die Regionalliga. (Foto: Matthias Koch)

Altglienicke. Es ist eine kleine Sensation: In der kommenden Saison der Fußball-Regionalliga Nordost müssen DDR-Rekordmeister BFC Dynamo, der einstige Europokal-Finalist Lok Leipzig und Ex-Bundesligist Energie Cottbus zu Pflichtspielen gegen die VSG Altglienicke antreten.

„Wir wollen als gallisches Dorf die Großen ärgern“, sagt VSG-Kapitän Torsten Mattuschka, die frühere Ikone des 1. FC Union Berlin. Am letzten Spieltag der NOFV-Oberliga Nord hatte Altglienicke durch ein 2:2-Unentschieden bei Lichtenberg 47 den einen nötigen Punkt geholt, um die Meisterschaft zu sichern. Für sie ist es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Viel Zeit zum Genießen bleibt aber nicht, weil die vierthöchste Spielklasse gravierende personelle und strukturelle Bedingungen mit sich bringt. Diesbezüglich ist die VSG mit zwei Aufstiegen in Folge viel zu schnell gewachsen. „Wir haben den Dreijahresplan schon in zwei Jahren umgesetzt“, sagt Sportchef und Hauptsponsor Daniel Böhm mit einem Schmunzeln.

Durch den Aufstieg muss Altglienicke mit einem neuen Chefcoach in die Saison gehen. Das Traineramt übernimmt Miroslav Jagatic. Der 40-jährige Deutsche mit jugoslawischen Wurzeln war bis Dezember Co-Trainer der Nationalelf von Myanmar. Nun suchte Jagatic einen Job in Berlin. „Ich kenne Daniel Böhm seit Jahren. Ich habe früher in Altglienicke gewohnt“, sagt er. „Ziel ist der Klassenerhalt. Wir wollen einen guten Start hinbekommen.“ Jagatic besitzt im Gegensatz zum Trainerteam mit Simon Rösner und Dennis Kutrieb die für die Regionalliga nötige A-Lizenz.

Der Aufstieg bringt auch ein Umherziehen mit sich. Im Stadion Altglienicke gibt es zwar seit zwei Jahren ein schmuckes Sportheim mit modernem Kabinentrakt. Doch weder der Sportplatz am Alten Schönefelder Weg noch die dortigen Trainingsbedingungen sind regionalligatauglich. Zum Training wichen die Kicker zuletzt auf den Sportplatz an der Lahmertstraße in Grünau aus. Diese Lösung könnte in der hellen Jahreszeit Bestand haben.

Auf dem heimischen Kunstrasen, dem einzig vorhandenen Spielfeld, durfte nur noch in der Oberliga gekickt werden. In der kommenden Saison müssen die Altglienicker, die bislang nur Zuschauerzahlen im unteren dreistelligen Bereich hatten, im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg antreten. Mit einer Kapazität von rund 18000 Sitzplätzen ist der für die VSG einige Nummern zu groß. Doch dort werden auf jeden Fall die Anforderungen von einem Fassungsvermögen von 3000 Besuchern und einem abgetrennten Block für mindestens 500 Gästefans (über)erfüllt.

Im Fall des Ligaverbleibs kann das aber keine Dauerlösung sein. Die VSG gehört schließlich nach Treptow-Köpenick. „Wir sind auf der Suche nach einer Spielstätte in unserer Umgebung“, erklärt VSG-Sportchef Böhm. Insgeheim favorisieren die Altglienicker den Sportplatz an der Dörpfeldstraße in Adlershof. Dort kamen im vergangenen Sommer zum Testspiel gegen Werder Bremen (1:2) 3600 Besucher und zum Ligaspiel gegen Tennis Borussia (2:1) immerhin 965 Zuschauer. Abhilfe könnte eine mobile Zusatztribüne leisten.

Als Berater des VSG-Projekts wird Christian Beeck fungieren. Der frühere Profi und Funktionär von 1. FC Union und Energie Cottbus unterstützt die VSG seit rund sechs Monaten. "Es geht in erster Linie um meine Sichtweise zu Strukturen und Abläufen für den Aufbau professionellen Fußballs“, sagt er.

Es wird ein gutes Dutzend Abgänge geben, auch, weil nun regelmäßig am Vormittag mit einer größeren Trainingsgruppe gearbeitet werden soll. Die ersten Neuzugänge stehen bereits fest. Es handelt sich um Stürmer Kevin Stephan (Berliner AK), die Verteidiger Lukas Bache (BFC Dynamo) und René Pütt (TSG Neustrelitz) sowie die Mittelfeldspieler Lukas Müller (Energie Cottbus) und Steven Marx (BSV Guben-Nord). Stars der Mannschaft bleiben die Ex-Profis Torsten Mattuschka und Björn Brunnemann. Matthias Koch
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