Bezirk erinnerte an authentischen Orten an tragische Schicksale

An der Kiefholzstraße wird an die Maueropfer Wolfgang Glöde, Christian-Peter Friese, Jörg Hartmann und Lothar Schleusener erinnert. (Foto: Ralf Drescher)

Baumschulenweg. Eine kleine Grünanlage an der Kiefholzstraße. Hier am "Grenzknick" fielen bis zum Jahr 1989 gleich vier Menschen dem Grenzregime der DDR zum Opfer. Eine Gedenkstele erinnert jetzt daran.

Die Stele wurde in Zusammenarbeit mit der Berliner Geschichtsmeile aufgestellt. Sie erinnert jetzt nicht nur an die beiden Schüler Jörg Hartmann und Lothar Schleusener, die 1966 an dieser Stelle erschossen wurden, und für die bereits 1999 ein Mauermahnmal mit stilisierter Mauer aufgestellt wurde.

Bürgermeister Oliver Igel (SPD) erinnerte besonders an das tragische Schicksal von Wolfgang Glöde. Der 13-Jährige lebte mit seinen Eltern in einem Behelfsheim der Kleingartenkolonie "Sorgenfrei", als es am 11. Juni 1962 zur Katastrophe kam. "Wolfgang spielte mit Freunden, als zwei Grenzer auf Streife vorbei kamen. Die Kinder wollten sich die Waffen der Soldaten ansehen. Dabei löste sich ein Schuss, der 13-Jährige erlitt einen Lungendurchschuss und starb. Auch er ist ein Opfer des Grenzregimes", berichtete Oliver Igel in seiner Rede zur Einweihung. Auf der Stele wird außerdem an Christian-Peter Friese erinnert. Der Autoschlosser aus Naumburg war Weihnachten 1970 nach Berlin gefahren, um hier über die Grenze zu fliehen. Dabei wurde er von Soldaten vom Bahndamm Köllnische Heide aus entdeckt und beschossen. Laut Protokoll wurden 98 Schüsse auf den 22-Jährigen abgefeuert. Mehrere Kugeln schlugen auch in Häuser auf Neuköllner Seite der Grenze ein.

Die zweite neue Gedenkstele befindet sich an der Chris-Gueffroy-Allee unmittelbar an der Britzer-Allee-Brücke. Hier hatte bereits eine ähnliche Stele an das Schicksal des letzten Maueropfers Chris Gueffroy erinnert, der am Abend des 5. Februars 1989 erschossen worden war. An gleicher Stelle war am 26. November 1964 bereits Hans-Joachim Wolf ums Leben gekommen. Er starb, als er schon durch den Britzer Zweigkanal Richtung Neukölln schwamm.

Auf besondere Weise tragisch ist auch das Schicksal von Werner Kühl. Der arbeitslose Gartenarbeiter kam mit dem Leben in Westberlin nicht zurecht und wollte sein Glück in der DDR versuchen. Deshalb wählte er am 24. Juli 1971 ebenfalls den Weg durch den Kanal, allerdings von West nach Ost. Von einem Treptower Kleingärtner wurde das Eindringen in das Grenzgebiet gemeldet. Die Soldaten hielten Kühl für einen DDR-Flüchtling und feuerten, er starb noch im Grenzgebiet.

"Bis zum Ende der Mauer flohen 3,1 Millionen Menschen aus dem Osten Deutschlands. Mehrere Hundert fielen dem Grenzregime zum Opfer, viele Tausend büßten ihren Fluchtversuch mit mehreren Jahren Gefängnis. Wir dürfen diese Menschen niemals vergessen", sagte Bürgermeister Oliver Igel zum Abschluss der Ehrung der Opfer von Grenzregime und Schießbefehl.

Hier finden Sie einen kurzen Videobericht von der Einweihung der Stelen: http://youtu.be/cCqqKlDciFM

Ralf Drescher / RD
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