DNA-Markierungen sollen Leitungen schützen

Roman Wölk steuert einen kleinen Hubschrauber, der im Auftrag der Telekom unsichtbare Markierungen an Freileitungen anbringt. (Foto: Ralf Drescher)

Baumschulenweg. Am Ligusterweg in Späthsfelde verlaufen zwei Fernmeldekabel als Freileitung. Vor ein paar Tagen waren dort ein Minihubschrauber sowie zahlreiche Journalisten zu sehen.

Auftraggeber für den Flugeinsatz der ferngesteuerten Drohne war die Deutsche Telekom. Der viermotorige Minihubschrauber zog an einer Leine einen Lappen immer wieder über die Kabel. Dabei wurde eine spezielle Markierungslösung auf die Kabel aufgebracht. "Die enthält künstliche DNA, mit der wir ab sofort unsere wertvollen Kupferkabel vor Diebstählen schützen", sagt Telekom-Sprecher Georg von Wagner.Ebenso wie Deutsche Bahn und alle Energieversorger ist die Telekom ein Opfer der gestiegenen Rohstoffpreise. Vor allem Freileitungen und in Kanälen verlegte Bodenkabel werden hundertmeterweise geklaut.

"Das Kabel am Ligusterweg mussten wir schon zweimal ersetzen", berichtet der Sprecher. Die Bewohner von Späthsfelde waren dann jeweils mehrere Stunden ohne Telefon und Internetzugang. Und wie funktioniert die fast unsichtbare Markierung? Alles will man aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich machen. "Die künstliche DNA in der Markierungsflüssigkeit durchdringt das Material der Kabel, sodass selbst beim Verbrennen des Mantels am Kupfer nachweisbare Rückstände erhalten bleiben", erzählt Rüdiger Caspari, Leiter Technische Infrastruktur in der Telekom-Niederlassung Nordost. Die von einem Kriminaltechnikunternehmen hergestellte künstliche DNA haftet sogar an Schuhen, Händen, Werkzeug und Tatfahrzeugen und kann nach einer Festnahme als Beweismittel dienen. Unter einem simplen Taschenmikroskop erkennt man auch kleine eingefügte Metallplättchen, auf denen der Eigentümer Telekom und ein spezieller Code festgehalten sind. "Anhand unserer Unterlagen können wir Täterspuren unserem Kabelnetz zuordnen", sagt Rüdiger Caspari.

Was das Markieren kostet, wollte von Wagner nicht sagen. Auf alle Fälle lohnt sich das aufwendige Verfahren. Allein im vorigen Jahr wurden deutschlandweit 250-mal Telekom-Kabel gestohlen, der materielle Schaden betrug 1,1 Millionen Euro. "Dazu kommt noch der Ärger unserer Kunden über ausgefallene Telefon- und Internetverbindungen", sagt der Sprecher.

Der Hubschrauber wird übrigens nur für das Markieren bereits verlegter Freileitungen eingesetzt. Neue Kabel werden bereits beim Hersteller mit der DNA versehen. Und für die Verfolgung der Diebe ist die Telekom eine Sicherheitspartnerschaft mit anderen Unternehmen eingegangen. Deutsche Bahn, RWE und Vattenfall, der Verband Deutscher Metallhändler und die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen sitzen mit im Boot.


Ralf Drescher / RD
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