Dienstjubiläum mit Kamm und Schere

Friseurmeisterin Hildegard Schmidt mit Stammkunde Patrick Bönki.

Baumschulenweg. In der Baumschulenstraße 23 gibt es seit Jahrzehnten einen Friseursalon. Seit Juni 1976 führt Friseurmeisterin Hildegard Schmidt das Geschäft. Jetzt wird das 40. Jubiläum gefeiert.

Die 71-jährige Berlinerin hatte bereits an gleicher Stelle bei Friseurmeister Paul Gursch den Umgang mit Kamm, Schere, Haarschneidemaschine und Fön gelernt. Nach der Ausbildung arbeitete sie als Mädchen für alles beim Kabarett „Distel“ und beim Fernsehen der DDR. „Mein Traum war aber von Anfang an ein eigenes Geschäft. Mein Lehrmeister war bereits im Rentenalter, ich wollte den Salon übernehmen. Ab 1974 habe ich um die Gewerbeerlaubnis gekämpft“, erinnert sich Hildegard Schmidt. Zwei Jahre später war es soweit.

Meisterin Schmidt arbeitete mit zwölf Friseuren, für die sechs Plätze zur Verfügung standen. Viele Frauen trugen damals aufwendige Frisuren, darunter auch Perücken und Haarteile, entsprechend groß war die Nachfrage nach einem Friseurtermin. „Am Tag der Terminvergabe standen die Kunden bis vor zur Kiefholzstraße“, erinnert sich Hildegard Schmidt.

Künstler wie der Sänger Fritz Hille und die Schauspielerin Doris Abeßer gehörten ebenso zu den Stammkunden wie der letzte SED-Bürgermeister von Treptow, Günter Polauke. Zu DDR-Zeiten waren Friseurleistungen preiswert, der billigste Herrenformschnitt war für 1,80 Mark zu haben. Dafür hätte es in der Kneipe ein paar Häuser weiter auch drei Bier gegeben.

Mit der Währungsunion im Sommer 1990 war es mit dem Anstehen nach Terminen vorbei. Der Salon blieb mehrere Wochen fast leer. „In dieser Zeit haben unsere Kunden viel selbst probiert, zum Beispiel ihre Haare mit Mitteln aus der Drogerie gefärbt. Ein rundes halbes Jahr später waren aber fast alle wieder da“, sagt Hildegard Schmidt.

Bis heute gehört sie zur Friseurvereinigung Intercoiffure, besucht regelmäßig Fortbildungen und kümmert sich um den Nachwuchs. Sie hat in ihrem Berufsleben geschätzt rund 50 Friseure ausgebildet. Obwohl sie seit Jahren in Rente gehen könnte, denkt sie noch lange nicht daran, Schere und Fön an den Haken zu hängen. „Bis zum 50. Firmenjubiläum möchte ich noch arbeiten“, verspricht sie.

Am 1. Juni, dem Jubiläumstag, bleibt der Salon natürlich geöffnet. Dann will Friseurmeisterin Hildegard Schmidt gemeinsam mit Mitarbeitern und Stammkunden auf das Jubiläum anstoßen. RD
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