Am Biesdorfer Kriegerdenkmal scheiden sich die Geister

Das Biesdorfer Kriegerdenkmal steht auf dem alten Kirchhof im Schatten der Gnadenkirche. (Foto: hari)

Biesdorf. Das Kriegerdenkmal an der Gnadenkirche ist in einem schlechten Zustand. Eine Arbeitsgruppe der Kirchengemeinde soll klären, wie es mit dem Denkmal weitergeht.

Kaum jemand weiß wohl, dass dem Kriegerdenkmal etwas fehlt. Ursprünglich krönte den Obelisken ein Adler, der eine Weltkugel in den Fängen hält. Ob dieser Adler wieder zurückkehrt, soll eine Arbeitsgruppe der evangelischen Kirchengemeinde klären. Die Arbeitsgruppe gibt es seit September. Über die bisherigen Ergebnisse haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Die Diskussion um die originalgetreue Restaurierung hat eine Initiative von Bürgern im vergangenen Jahr angestoßen. Sie begründet den Wunsch damit, dass das Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges authentisch sein solle.

Solche Kriegerdenkmale wären seit der Wende zudem an vielen Orten restauriert worden. Der Gemeindekirchenrat lehnte jedoch die originalgetreue Wiederherstellung kategorisch ab. Der Adler könne missverstanden und politisch missbraucht werden, hieß es.

In Marzahn-Hellersdorf steht in fast jedem der alten Ortskerne ein Kriegerdenkmal - außer auf dem Gut Hellersdorf. Und nur in Marzahn steht das Denkmal auf öffentlichem Land.

Die Berliner Bezirksverwaltungen gaben in den 20er-Jahren keine Genehmigungen mehr zum Aufstellen solcher Denkmäler, da die Initiativen dazu meist von rechtsgerichteten Vereinigungen ausgingen. Die anderen Denkmale wurden später in den 20er-Jahren auf Grundstücken der Kirchengemeinden errichtet.

Die Diskussion um das Denkmal wird über die Kirchengemeinde hinaus geführt. "Der Adler ist Symbol des preußisch-deutschen Anspruchs auf Weltherrschaft", erklärte der Linke-Abgeordnete und Vorsitzende des Heimatvereins, Wolfgang Brauer. Er hielt aus Anlass des Volkstrauertages am 18. November einen Vortrag "Trauerorte oder Propagandastätten? Zu Geschichte und Tradition von Kriegerdenkmalen" im Bezirksmuseum. Die Kirchengemeinde sollte auf dieses Symbol verzichten, sagte Brauer, und bei der Sanierung des Kriegerdenkmals auch gleich den Kirchhof in Biesdorf neu gestalten.


Harald Ritter / hari
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