Nach Graffiti nun Shoefiti? Schuhpaare an Masten am Fußgängerüberweg rufen zweigeteilte Reaktionen hervor

Diese Schuhpaare hingen an einer Straßenlaterne an der Köpenicker Straße in Biesdorf. Das Phänomen ist wahrscheinlich kein alter Brauch, mit Sicherheit aber eine Ordnungswidrigkeit, die ein Bußgeld von bis zu 35 Euro nach sich zieht. (Foto: hari)
Berlin: Fußgängerüberweg |

Biesdorf. Hängende Schuhe an Straßenlampen sind seit einiger Zeit in der Innenstadt zu sehen. Auch in Marzahn-Hellersdorf greift das Phönomen inzwischen um sich.

Aktuelles Beispiel sind Schuhe an einem Peitschenmast an einem Fußgängerüberweg in der Köpenicker Straße. Der Mast befindet sich kurz vor der Kreuzung Hadubrandstraße. Die Schuhe – überwiegend Turn- oder Laufschuhe – wurden an Schnürbändern am Mast befestigt, der die Beleuchtung des Fußweges trägt.

Die Reaktionen von Anwohnern und Passanten sind zweigeteilt. „Was soll der Quatsch?“, fragt ein Anwohner. „Wenn einer der Schuhe herunterfällt und einem Fußgänger auf den Kopf fällt, gibt es mindestens eine Beule!“ Polizei und Ordnungsamt sollten sich auch um solche „Täter“ kümmern und drastische Strafen verhängen.

„Das finde ich nicht schön, aber mich stört es nicht“, sagt hingegen eine Berlinerin, die in der Innenstadt wohnt und solch hängenden Schuhe dort schon lange kennt. „Vielleicht ist das ein Zeichen von Verliebten, die damit ihre Verbundenheit beweisen“,sagt sie. Schließlich handele es sich meist um Schuhpaare, die aufgehängt oder angeknüpft werden.

Im Internet kursieren die unterschiedlichsten Erklärungen für den inzwischen weltweit verbreiteten Brauch. Die einen glauben zu wissen, dass Anfang der 90er-Jahre ein frisch verheiratetes Paar in der australischen Wildnis in Streit geriet. Damit sie ihm nicht weglaufen konnte, warf er ihre zusammengebundenen Schuhe in eine Pappel am Straßenrand. Es gibt Schotten, die in dem Schuhe-Aufhängen eine alte Tradition der Jugend ihres Volkes wiedererkennen. In den USA soll es damit begonnen haben, dass Jugendgangs den Beginn ihrer Reviere in Großstädten markierten. Auch ist die Theorie im Umlauf, dass Soldaten nach dem Ende ihrer Dienstzeit sich auf dieser Weise ihrer Armeeschuhe entledigt haben.

Der für das Ordnungsamt zuständige Stadtrat Johannes Martin (CDU) kannte das Phänomen der hängenden Schuhe bisher nur aus der Innenstadt. „Natürlich werden wir uns um die Schuhe in der Köpenicker Straße kümmern“, sagt er. Das sei zuallererst eine Angelegenheit seiner Straßenbegeher, die für Ordnung an und auf den Straßen sorgen müssen.

Wer Schuhe auf Kabel, Ampeln oder Bäume werfe, der begehe eine Ordnungswidrigkeit. Das Bußgeld könne bis zu 35 Euro betragen. Er zweifelt allerdings daran, dass sich der Verfolgungsdruck solcher Verstöße erhöhen lässt. „Das Ordnungsamt hat zu wenig Leute und mit anderen Dingen sehr viel zu tun.“ hari
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