Der Blankenburger Untergrund macht den Wasserbetrieben zu schaffen

TWB-Bauleiter Gerd Magolz und BWB-Bauleiter Uwe Gasnick an der Baugrube in der Krugstege. Sie haben es hier mit einem besonders harten Untergrund zu tun. (Foto: Bernd Wähner)
 
Blick in die sechs Meter tiefe Baugrube. Fachleute führen gerade ein Steinzeug-Rohr in den Schacht ein, der gebohrt wird. (Foto: Bernd Wähner)

Blankenburg. Wie lange wird denn noch an der Krugstege gebaut? Das fragen sich viele Autofahrer, die dieses Nadelöhr passieren müssen.

Staus in Blankenburg sind werktags eine Dauermeldung im Verkehrsfunk. Aus Alt-Blankenburg kommend, geht es für die Auto- und Busfahrer „stop and go“ ganz dicht am Zaun der Baustelle Richtung Bahnhofstraße oder Heinersdorfer Straße weiter. In der Gegenrichtung wird ebenso geschlichen.

„Wir wären mit der Baustelle gern schon längst fertig“, sagt Detlef Fellber, Oberbauleiter der Berliner Wasserbetriebe (BWB). „Aber der Blankenburger Untergrund macht uns schwer zu schaffen.“ Die Berliner Wasserbetriebe arbeiten seit 2007 daran, Blankenburg an das Berliner Abwassernetz anzuschließen. Seitdem sind 29 Kilometer Kanal und 2000 Hausanschlüsse gebaut worden.

Derzeit wird am letzten Bauabschnitt gearbeitet. Die Kanalisation muss diagonal unter der Krugstege verlegt werden. Die BWB entschieden sich, dort das Rohrvortriebsverfahren anzuwenden. Denn dafür muss keine offene Baugrube angelegt werden.

Deshalb sind im vergangenen Herbst im Abstand von etwa 100 Metern Schächte angelegt worden. Diese sind sechs Meter tief. Bereits beim Anlegen merkten die Fachleute der beauftragten Firma TWB Tief- und Wasserbau Boblitz sowie die Bauleiter der Wasserbetriebe, dass es der Untergrund in sich hat. Beim Schachtabsenken mussten Taucher eingesetzt werden, weil immer wieder Schichtenwasser in die Baugrube floss. „Aus geologischer Sicht befinden wir uns hier in der Barnimer Hochfläche, quasi in den Berliner Alpen“, sagt Detlef Felber im Gespräch mit der Berliner Woche. „Alle zwei drei Meter tiefer haben wir es hier mit anderen Bodenverhältnissen zu tun.“

Als die Fachleute im Einstiegsschacht die Maschine mit einem Bohrkopfdurchmesser von 50 Zentimetern in Betrieb setzten, kamen sie nicht weit. Der Bohrkopf blieb in einem mächtigen Findling stecken. Findling und Maschine mussten ausgebuddelt werden. Das dauerte.

Danach kam der Winter. „Wir mussten erst einmal pausieren“, so BWB-Bauleiter Uwe Gasnick. „Wegen des Schichtenwassers können wir hier nur arbeiten, wenn es durchgehend frostfrei ist.“ Diese witterungsbedingte Pause ließen die BWB und ihre Baufirma aber nicht ungenutzt verstreichen. TWB-Bauleiter Gerd Magolz: „Wir entschieden uns, eine größere Maschine mit 80 Zentimeter Durchmesser anzuschaffen. Für die ließen wir einen Spezialbohrkopf anfertigen, der auch große Steine knackt.“ Seit Beginn Ende Mai wird der Rohrvortrieb mit neuem Gerät vorgenommen. „Dort unten ist der Boden hart wie Beton“, so Magolz. Für Probleme sorgt vor allem auch das immer nachfließende Schichtenwasser.

Die Bauleute hoffen aber, dass sie bis Ende Juni die nötigen Rohre unter der Krugstege verlegt haben. Danach stehen noch Arbeiten an der Heinersdofer und Bahnhofstraße an. Diese finden nach entsprechenden Anordnungen der Verkehrslenkung Berlin statt.

Aus Sicht von Oberbauleiter Detlef Fellber ist der letzte Bauabschnitt in Blankenburg auch der herausforderndste. „Wir haben in Berlin bereits viele Erfahrungen mit dem unterirdischen Rohrvortrieb gesammelt. Zwei Drittel unserer Rohre werden inzwischen so verlegt. Aber in Blankenburg sammeln wir ganz neue Erfahrungen.“ In das Abwassernetz in Blankenburg haben die Wasserbetriebe in den vergangenen zehn Jahren übrigens etwa 22,5 Millionen Euro investiert. Und nun ist auch ein Ende der Bauarbeiten abzusehen. BW
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