Israel-Besuch am Suttner-Gymnasium: Projekt zum Holocaust-Gedenktag

Shaya Harsit mit seiner Frau Zipi (2. und 3. von links) und Angehörige bei der Gedenkveranstaltung. (Foto: Leon Buchholz)
 
Shaya Harsit zündet mit seiner Frau Zipi Gedenkkerzen an. (Foto: Leon Buchholz)
Berlin: Bertha-von-Suttner-Gymnasium |

Reinickendorf. Zum diesjährigen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar lud das Europäische Gymnasium Bertha-von-Suttner, Reginhardstraße 172, gemeinsam mit dem Projekt „Zeugen der Zeitzeugen“, einem Arbeitsbereich der Initiative 27. Januar e.V., den Holocaust-Überlebenden Shaya Harsit ein.

Shaya Harsit, Jahrgang 1934, aus Polen 1941 in ein Konzentrationslager im Ural-Gebiet verschleppt, reiste direkt aus Israel an. Gemeinsam mit seiner Frau Zipi, mehreren Töchtern und Enkelkindern betrat er das erste Mal seit 1947 wieder deutschen Boden. Vor rund 90 Schülern der Oberstufe schilderte der Zeitzeuge seine Erlebnisse zur Deportation, dem Kriegsende, seiner Emigration nach Israel und seine Wiederaufnahme eines alltäglichen Lebens.

„Es war spannend die persönlichen Geschichten des Zeitzeugen, aber auch die der anderen aus Israel angereisten Gäste der zweiten und dritten Generation zu hören. Es ist schön, zu sehen, dass so viele ihr Leben nicht vom Holocaust haben zerstören lassen“, berichtet Georg Fritz aus dem Geschichts-Leistungskurs des 12. Jahrgangs der Schule.

Einige der anwesenden Schüler haben sich in diesem Schuljahr in besonderer Weise mit dem Holocaust auseinandergesetzt. So war der Leistungskurs Geschichte des Europäischen Gymnasiums jüngst im Dezember 2015 für fünf Tage nach Auschwitz gereist, um sich mit der Judenvernichtung an historischer Stelle intensiv auseinander zu setzen.

„Der Holocaust ist nicht einfach ein Unterrichtsgegenstand. Er ist die Summe der

Schicksale aller seiner Opfer. Jedes einzelne Schicksal gibt unendlich viel Aufschluss über die damalige Zeit, doch keine allgemeine Definition beschreibt auch nur annähernd das Leid und den Umfang des Verbrechens. Daher sind wir dankbar, dass Herr Harsit zu uns nach Deutschland gekommen ist und mit uns gesprochen hat." bilanziert der Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt Janosch Hildebrandt seine Gedanken zur Auseinandersetzung mit dem Holocaust-Gedenktag.

Das Gymnasium hatte mit dem Zeitzeugen eine Person mit ganz besonderem Werdegang nach Kriegsende zu Gast. „Shaya Harsit, seit den 1980er Jahren Reservist, hat über 4200 Flugstunden als Offizier in Israels Luftwaffe hinter sich gebracht. An allen Kriegen seit 1956 bis 1982 nahm er als verantwortlicher Pilot teil. Die Erinnerung an den Holocaust prägt die israelische Gesellschaft bis heute besonders. Diese Gegenwartsbezüge bewusst zu machen und dazu mit den Schülern direkt ins Gespräch

zu kommen, war uns bei der Organisation dieser Veranstaltung wichtig.“ erläutert der verantwortliche Geschichtslehrer Thorsten Koch das Konzept des Tages.

„Über die Schlussfolgerungen, welche die Israelis aus dem Holocaust im Hinblick auf die aktuelle Politik ziehen, zu erfahren war interessant, jedoch bezogen auf den Palästina-Konflikt für mich auch befremdlich“, schließt Georg Fritz ab.

Eine Gedenkzeremonie rundete den ersten Besuch der israelischen Gäste in Deutschland ab. Symbolisch für die rund sechs Millionen jüdischen Opfer zündeten Shaya Harsit, seine Frau Zipi, Schüler der Schule und Vertreter der zweiten und dritten Generation nach dem Holocaust sechs Kerzen an. Der erste Satz einer Konzertsonate von Verachini, gespielt von Sophia Eschenburg aus dem Musik-Leistungskurs und zum Abschluss unterstützt von ihrem Mitschüler Dae-Seong Hwang am Klavier bildeten den musikalischen Rahmen der Gedenkveranstaltung an der "Bertha". CS
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