Christen und Moslems feiern zusammen

Der Islamwissenschaftler und Theologe Süleyman S. Kücük (Mitte) erläutert den Gebetsraum der Koca-Sinan-Moschee. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Koca-Sinan-Moschee |

Reinickendorf. Christen und Moslems begannen in Reinickendorf Ost eine ganz praktische Nachbarschaft: Sie besuchten sich in ihren Gotteshäusern.

Geplant war der gemeinsame Gottesdienst der evangelischen Evangeliumsgemeinde am Hausotterplatz und der Koca-Sinan-Moschee an der Pankower Allee 45 lange vor den Terror-Anschlägen in Frankreich. Mit Unterstützung des Vereins Aladin-Bedürftigen-Hilfe hatten sie einen gemeinsamen Gottesdienst am 11. Januar in der Evangeliumskirche und anschließend in der 20 Minuten entfernten Moschee vereinbart - mit einem gemeinsamen Thema: Gastfreundschaft.

Die praktizierten sie nicht nur mit der Anwesenheit beim Gebet der jeweils anderen Religion, sondern auch mit einer gegenseitigen Vorstellung. Durch die Kirche wurde ebenso geführt wie durch die Moschee, die zurzeit in einem Ladenlokal untergebracht und auf der Suche nach größeren Räumen ist. Die gemeinsame Veranstaltung war und blieb ein Akt praktischer Nachbarschaft.

Der Islamwissenschaftler und Theologe Süleyman S. Kücük, der auch stellvertretender Vorsitzender des Ditib Berlin ist, eines Zusammenschlusses türkischer Gemeinden, stellte seinen Gästen aus der Gemeinde die Moschee vor, die trotz ihrer ehemaligen Funktion als Geschäft die Würde eines ernst zu nehmenden Glaubens ausstrahlt. Eines Glaubens, der auch heitere Aspekte kennt: während des Gebetes nimmt ein älterer Gläubiger lächelnd seinen christlichen Nachbarn am Arm und erläutert Gesten und Haltungen während des Gebetes.

In dem Gebetsraum weisen die Muster der Teppiche in Richtung Mekka. Der wichtigste Ort des Islam ist auf Fotos zu sehen. Von einem kleinen Treppenaufgang predigt immer freitags der Imam. Wenn Kücük die einzelnen Bestandteile des Gebetsraums erläutert, verweist er gerne darauf, wie sich schon seit dem Mittelalter immer wieder die berühmtesten Theologen beider Religionen austauschten und beeinflussten.

Aktuell hat die Moschee ein ganz praktisches Problem: Sie wird zu klein für die 110 Vereinsmitglieder und bis zu insgesamt rund 500 Menschen mit meist türkischem Hintergrund, die zu Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen kommen. Allein die Angebote für Schüler werden von rund 130 Kindern und Jugendlichen angenommen. Die Zusammenarbeit von christlicher und islamischer Gemeinde im Kiez soll weitergeführt werden.


Christian Schindler / CS
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