Hier macht der Wind die Musik: Am See im Britzer Garten gibt es eine Äolsharfe

An der Äolsharfe können sich Besucher sogar niederlassen, es gibt dort einen Sitz. (Foto: Schilp)
Berlin: Britzer Garten |

Im Britzer Garten gibt es unübersehbare Hingucker – so wie die Rhizomatische Brücke, das neue Freilandlabor und die Orangerie am Kalenderplatz. Aber es gibt auch kleinere Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist die Äolsharfe.

Die meisten Parkbesucher gehen achtlos an der schmalen, gut zweieinhalb Meter hohen, dunkelgrünen Konstruktion vorbei – zumindest wenn es windstill ist. Denn dann schweigt die Äolsharfe. Weht jedoch ein frisches Lüftchen, sind Töne zu vernehmen, die schwer zu beschreiben sind: zauberhaft, sphärisch, mystisch, wie aus einer anderen Welt. Nicht ohne Grund wird das Instrument, das ohne Menschen auskommt, auch Geisterharfe genannt.

Gebaut wurde es von der Oldenburger Künstlerin Katrin Kelm. Sie ist eine der wenigen Menschen weltweit, die sich auf dieses nahezu in Vergessenheit geratene Instrument spezialisiert hat. Für eine Äolsharfe braucht es einen Schallkasten und Saiten, die über zwei Stege gespannt sind.

Alle sind auf denselben Grundton gestimmt. Doch sie haben eine unterschiedliche Stärke und Spannung. So erzeugt der Wind, je nach Intensität, auch unterschiedliche Obertöne, wenn er die Saiten in Schwingung bringt.

Schon in der Antike waren die Harfen bekannt. Namensgeber ist Äolus, der griechische Gott der Winde. Angeblich soll König David einen der Kästen über sein Bett gehängt haben, um den Klängen in der Nacht zu lauschen. Auch mittelalterliche Schriften und Abbildungen zeugen von Äolsharfen. Wiederentdeckt wurde das Instrument Mitte des 18. Jahrhunderts von englischen Dichtern und gelangte zu neuer Blüte.

In Grünanlagen in Bäumen befestigt, unterhielt und erstaunte es Spaziergänger. Viele Schriftsteller bedienten sich der Äolsharfe als Symbol für Sehnsucht, Melancholie, Liebesschmerz und Unergründliches, darunter - nicht verwunderlich - Romantiker wie E.T.A. Hoffmann, Novalis, Jean Paul und Eichendorff.

Die Künstlerin Katrin Kelm glaubt, dass möglicherweise auch ein Phänomen aus der griechischen Mythologie mit einer natürlichen Äolsharfe zu erklären ist: Der seltsame Gesang der Sirenen in Homers Odyssee könnte durch Schifftaue entstanden sein, die vom Wind zum Klingen gebracht wurden.

Wer sich das ungewöhnliche Instrument, das in Berlin seinesgleichen sucht, anschauen möchte: Es steht ganz in der Nähe des Cafés am See. Eine gute Gelegenheit dazu ist Sonntag, 8. April, zwischen 15 und 17 Uhr. Dann eröffnen „Simone und ihre flotten Drei“ die Musiksaison am Festplatz und laden zu einer Reise in die Zeit der Petticoats und Schlager ein.

Am bequemsten zu erreichen ist der Festplatz vom Eingang Mohriner Allee aus. Besucher aus dem Norden des Bezirks steigen am besten am U-Bahnhof Britz-Süd in den 181er und fahren bis zur Haltestelle Windröschen- und Rotkopfweg. Im U-Bahnhof kann sich übrigens jeder schon auf den Britzer Garten einstimmen: Er ist mit Bildern geschmückt, die die Schönheit der Grünanlage zu jeder Jahreszeit zeigen.
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