Mona Lisa einen Zwirbelbart verpassen: Teil eines Kunstwerks werden

Um 1510 malte Michelangelo die Erschaffung Adams. Mindestens ein Ausstellungsbesucher soll schon splitterfasernackt posiert haben – wie es das Originalbild eigentlich verlangt. (Foto: Institut für Kulturaustausch)
 
„Die große Welle vor Kanagawa“ von Katsushika Hokusai (1760–1849) gilt als das bekannteste japanische Kunstwerk. Hokusei war ein Meister des Farbholzschnitts, und er machte den Begriff Manga populär, der so viel wie „zwangloses Bild“ bedeutet. (Foto: Institut für Kulturaustausch)
Berlin: Schloss Britz |

Diese Schau verspricht, ein großer Spaß zu werden: Das Schloss Britz bietet Kunst zum Mitmachen und zeigt weltberühmte Werke aus 500 Jahren. Die Besucher können sich selbst in Szene setzen und Teil der Bilder werden. Das Fotografieren ist ausdrücklich erwünscht.

Hier fällt die Kunst im schönsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen. Jeder kann zu Raffaels drittem pausbäckigen Engel werden oder in die Rolle von Botticellis Venus schlüpfen. Wer es moderner mag, gibt Edvard Munchs „Der Schrei“ ein neues Gesicht, füttert Franz Marcs blaue Pferde mit Möhren oder posiert neben John Travolta und Samuel L. Jackson auf dem Graffito „Pulp Fiction“ von Bansky.

Ausgedacht hat sich das Konzept das Institut für Kulturaustausch Tübingen. Im westfälischen Hagen war die interaktive Ausstellung bereits ein großer Erfolg. „Normalerweise heißt es immer: staunen und nicht anfassen! Hier müssen sich die Besucher nicht mit akademischen Ausführungen über Licht und Schatten zufriedengeben, sondern können die Sache selbst in die Hand nehmen“, sagt Sonja Kramer, Geschäftsführerin der Kulturstiftung Schloss Britz.

Die 19 Exponate sind bis zu viereinhalb Meter lang und drei Meter hoch und bieten eine perfekte und durchdachte Kulisse für große und kleine Selbstdarsteller. In einer Kiste liegen Accessoires bereit: ein Schwimmreifen, um in Katsushaki Hokusais große Welle einzutauchen, ein Tutu, um an der Ballettstange zusammen mit Degas’ Tänzerinnen eine gute Figur zu machen. Wem es in den Fingern juckt, darf sogar Marcel Duchamp nacheifern und so tun, als pinsele er der Mona Lisa einen gezwirbelten Schnurrbart über den schönen Mund.

Einige Bilder sind ein wenig verändert worden, um Raum neben dem angestammten Personal zu schaffen. Die Heugabel, die der strengblickende Farmer auf Grant Woods „American Gothic“ umklammert hält, wird von einer Schaufel flankiert, hinter der der Ausstellungsbesucher Aufstellung nehmen kann. René Magrittes "Ceci n'est pas une pipe" (das ist keine Pfeife) wird ergänzt von einer freien Fläche, über die "Ceci n'est pas un homme" (das ist kein Mensch) gepinselt ist. Sonja Kramer ist auf die Fotos der Gäste gespannt: „Entweder man trifft den Ausdruck der Leute auf den Bildern oder den Stil des Kunstwerks. Oder man setzt etwas dagegen, alles ist möglich.“

Sie hofft vor allem auf das Interesse von Schulklassen. Gerade für das junge Publikum sei es aber empfehlenswert, an einer Führung teilzunehmen. Zwar hängt neben jedem Exponat eine kleine Tafel, die das Kunstwerk vorstellt und einordnet, aber ob das immer gelesen wird, ist nicht sicher. „Es wäre schön, wenn man das Bild versteht und sich auch darin einigermaßen respektvoll inszeniert“, sagt Kramer. Auch für Erwachsene lohnt sich eine Führung. Selbst wenn etliche meinen, die Bilder gut zu kennen – es gibt viel Neues und Überraschendes zu erfahren. Denn wer, bitte schön weiß beispielsweise, warum Degas ursprünglich eine Gießkanne auf sein Tänzerinnenbild gemalt hat?

Die Ausstellung „#pARTicipate – Mach Dich zum Kunstwerk“ im Schloss Britz, Alt-Britz 73, ist bis zum 22. Juli zu sehen, täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt sechs, ermäßigt vier Euro, für Kinder bis zwölf Jahre zwei Euro.

Führungen für drei Euro (Schüler zwei Euro) gibt es sonntags um 12 Uhr und werktags nach Vereinbarung unter 60 97 92 30. Unter dieser Nummer und auf www.schlossbritz.de gibt es auch nähere Informationen.
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